Dienstag, 28. Juli 2015

REZENSION: "Egal wohin" (Franziska Moll)

Copyirght Loewe Verlag

Titel: Egal wohin

Autor: Franzsika Moll

Genre: Jugendroman

Verlag: Loewe Verlag
 
Erscheinungsjahr: 2015

Format: Hardcover (12,95 €)

Seiten: 224

ISBN: 978-3785580226



Inhalt:

Johanna kann es kaum erwarten: In 11 Tagen wird sie endlich 18 und dann wird sie ihr altes, armseliges Leben hinter sich lassen und mit ihrem Kumpel Koch nach Kreta abhauen, um dort ein Restaurant zu eröffnen. Mit diesem einen Ziel vor Augen lässt Jo - wie sie von allen genannt wird - die letzten Sitzungen bei ihrem Psychologen, die letzten Schichten in der versifften Kneipe Paradies und auch ihre nervenden Eltern über sich ergehen. Seit dem Tod ihres Zwillingsbruders ist deren Verhältnis zu Jo angespannt, um es milde auszudrücken und Jo sehnt sich danach, endlich frei zu sein. Doch kurz bevor es losgehen soll verschwindet Koch spurlos und Jo bleibt nichts anderes übrig, als zu warten und zu hoffen, dass er am vereinbarten Treffpunkt erscheinen wird. Beim Warten leistet ihr der neue Küchenjunge Amar Gesellschaft - er scheint als einziger zu Jo durchzudringen...

So gefällt mir das Cover:

Das Cover zu Egal wohin gefällt mir wirklich gut, denn es weckt in mir das Fernweh und macht einfach Lust darauf, ins Blaue zu fahren. Gleichzeitig macht der blaue Himmel mit leichten Wolken Hoffnung und die davonfliegenden Vögel symbolisieren Freiheit - all das passt hervorragend zur Thematik des Romans. 

Meine Meinung:

Egal wohin wäre jetzt nicht unbedingt ein Buch, das ich mir selbst gekauft bzw. ausgesucht hätte, aber es war eines der Überraschungsbücher in der Lovelybooks Goodie Bag vom Leser- und Bloggertreffen auf der Leipziger Buchmesse und deswegen wollte ich es natürlich auch lesen. Die Thematik an sich ist relativ klassisch für ein Jugendbuch: rebellische Protagonistin entfernt sich nach dem Tod ihres Bruders immer weiter von ihren Eltern, die wie in einer Art Blase leben, und tut alles, um sie zu schikanieren. Sie plant, davonzulaufen und ihr altes Leben hinter sich zu lassen.

In Egal wohin ist die 17-jährige Johanna, genannt Jo, diese Protagonistin. Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive erzählt und setzt 11 Tage vor ihrem 18. Geburtstag ein, denn an diesem Tag will sie mit ihrem Kumpel Koch nach Kreta auswandern. Jo ist wohl der typische, schwierige Teenager: schwer zugänglich, bockig, zickig, stur, ignorant und dazu auch noch abgestumpft und völlig gleichgültig. Das Problem ist, dass sie nicht nur für die anderen Charaktere im Buch schwer zugänglich ist, sondern auch und vor allem für den Leser. So sehr ich auch nachvollziehen kann, dass der Verlust eines Bruders für immer Spuren hinterlässt und womöglich auch Familien auseinanderreißt, so wenig Verständnis bringe ich für Jo auf. Ich finde sie unglaublich anstrengend und nervig, viel zu zynisch und negativ eingestellt gegenüber allem. Das in Kombination mit dem viel zu nüchternen, emotionslosen Schreibstil (der sicher zu Jos Wesen passt, aber mir einfach viel zu übertrieben ist) hat mir das Lesen wirklich schwer gemacht. Dazu beigetragen haben außerdem die einfachen, kurzen Sätze und die viel zu knappen und in meinen Augen teilweise sehr leer wirkenden Dialoge. Nicht wirklich besser gemacht haben es die Einschübe auf Griechisch, denn Jo lernt Griechisch und so werden recht häufig Vokabeln in griechischer Sprache in den Text eingebunden, was den Lesefluss zusätzlich stört, denn wer die Sprache nicht kann, stolpert hier ein ums andere Mal. 

Irgendwie zeichnet Moll ein graues Bild von der Welt, von den Charakteren und vor allem von Jo. Aber auf eine Weise, die nicht auch nur eines kleines bisschen berührt, sondern einfach nach einer Zeit anödet und stört. Man bekommt kaum Einsicht in Jos Gefühlswelt - sie scheint schlichtweg keine Gefühle zu haben und das wirkt doch irgendwie verstörend auf mich. Hin und wieder zeigt sich ins Jos Verhalten mal eine Gefühlsregung, aber das ist wirklich selten und wirkt dann auch alles andere als aufrichtig. Von den anderen Charakteren hat Amar mir am besten gefallen, denn er ist so ehrlich und gutmütig und trägt dazu bei, dass man sich beim Lesen ab und zu mal eine Verschnaufpause von Protagonistin Jo gönnen kann. Er ist ihr Gegenpol und funktioniert als dieser ganz gut. Es gelingt ihm sogar, Jos Herz ein kleines bisschen aufzutauen und doch - als Leser erfährt man aus Jos Sicht so gut wie gar nichts über ihre Gedanken zu Amar. Daher lässt sich nicht einschätzen, ob er Jo tatsächlich für sich gewinnen kann oder nicht.

An für sich erzählt Egal wohin eigentlich eine schöne Geschichte, allerdings habe ich das Gefühl, dass die Autorin einfach unbedingt etwas anderes machen wollte und deshalb auf eine derartig nüchterne und emotionslose Erzählweise und eine zum Schreien unsympathische Protaginstin zurückgriff. Eigentlich gefallen mir Jos rebellische Seite und ihr Wunsch, auf Kreta ein eigenes Restaurant aufzumachen, aber ich habe den Eindruck, dass Moll es mit ihrem Charakter ein wenig zu weit getrieben hat. Sie wirkt unglaubwürdig und absolut wie ein Mensch, dem man nie begegnen möchte. Anders erzählt, hätten mich ihre Geschichte, der Tod ihres Bruders, ihr Selbstmordversuch und ihr Wunsch nach Aufmerksamkeit ganz sicher berührt. Dann hätte ich vielleicht auch verstanden, wieso sie sich dem brummigen und sehr eigentümlichen Koch zuwendet, von dem sie überhaupt nichts weiß, an dessen Seite sie aber nach Griechenland fahren will. Alles in allem hat es mir einfach an jeder Ecke an Tiefe und Substanz gefehlt, obwohl das Ende ganz schön war und den Roman ein wenig aufgewertet hat.

Mein Fazit:

Egal wohin ist kein Jugendbuch, das ich weiterempfehlen würde, denn - obgleich das Ende Mut macht und den Leser ein wenig zum Lächeln bringt - es ist einfach unheimlich trostlos, nüchtern und plätschert auf eine äußerst unangenehme Weise dahin. Am meisten gestört haben mich die unsympathische und durchweg negativ eingestellte Protagonistin Jo und der viel zu emotionslose Erzählstil. Anders erzählt hätte die Geschichte an sich mir bestimmt gefallen, aber so war das Buch für mich leider eine Enttäuschung.


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