Freitag, 17. Juli 2015

REZENSION: "Die Anatomie der Nacht" (Jenn Bennett)


Copyright Königskinder Verlag

Titel: Die Anatomie der Nacht

Autor: Jenn Bennett

Genre: Jugendroman / Liebesroman

Verlag: Königskinder Verlag

Erscheinungsjahr: 2015

Format: Hard Cover (16,95 €)

Seiten: 347

ISBN: 978-3-551-56011-7


Inhalt

Bex ist Künstlerin. Eine Künstlerin mit einer außergewöhnlichen Leidenschaft für Anatomie - etwas, was keiner in ihrem Umfeld so recht versteht. Die einzige Ausnahme ist Jack, der selbst ein künstlerisches Hobby pflegt, das nicht bei allen Begeisterung hervorruft. Vom ersten Augenblick an, als sie sich nachts in einem Bus begegnen, fühlen sich die beiden zueinander hingezogen. Es ist der Anfang einer Liebe, intensiv und unverdorben, wie nur junge Liebe es sein kann. Ganz so perfekt sind die Dinge doch nicht, denn es gibt Bereiche seines Lebens, über die Jack den Mantel des Schweigens hüllt.


Cover

Aus dem Cover hätte man meiner Meinung nach ein wenig mehr rausholen können. Da beide Hauptfiguren Künstler sind, hätte ich mir eine etwas künstlerische, ausgefallenere Gestaltung gewünscht, die dem gerecht wird. Es ist durchaus ansprechend (ich mag violett), aber eben recht schlicht. 

Meine Meinung

Auf das Buch bin ich durch eine Rezension von Damaris liest aufmerksam geworden ihre Rezension findet ihr HIER). Der Titel hat mich sofort angesprochen, weil der Bezug zur Nacht mir etwas Düsteres und Geheimnisvolles suggeriert hat. Daher hatte ich angenommen, dass sich die Handlung vor allem nachts abspielen würde. Damit lag ich ziemlich falsch, denn abgesehen davon, dass sich die zwei Protagonisten in der Nacht kennenlernen, und bis auf 1-2 weitere Szenen ist das nicht der Fall. Die "Anatomie" hingegen bezieht sich eindeutig auf Bex' Faible für anatomische Zeichnungen, die sie anfertigt. Eine Vorliebe, die ich nicht teile, weil ich in der Beziehung etwas zart besaitet bin (Bex anscheinend auch, weil ihr hin und wieder übel wird), die mir aber gut gefällt, weil sie mal etwas anderes ist. Sie macht Bex zu einer außergewöhnlichen und interessanten Person. Dieses Hobby und ihr sehr düsterer Kleidungsstil stehen in wunderbarem Kontrast zu ihrer Persönlichkeit, denn sie ist ein sehr lebensfroher, freundlicher Mensch. Ich finde, es kann nicht oft genug betont werden, dass man jemanden nicht wegen seiner Art, sich zu kleiden, in eine bestimmte Schublade stecken kann. 
Jacks Äußeres wird äußerst ausführlich und oft beschrieben, weil sich Bex gar nicht an seinem guten Aussehen satt sehen kann. Das kann (muss aber nicht) den ein oder anderen stören. Meistens konnte ich darüber hinwegsehen, da Bex sich und ihr Verhalten teilweise ironisierend selbst reflektiert. Was seine Form der Kunst betrifft, war ich zunächst etwas skeptisch, weil ich die Worte, die er auf diverse Oberflächen sprüht, nur schwerlich als kreativ erachtet habe. Allerdings hat er sich wirklich viele Gedanken gemacht, wie, wo und was er sprüht, sodass meine Meinung darüber geändert habe. Vor allem, nachdem ich erfahren habe, für wen er das eigentlich tut (ich führe das bewusst nicht weiter aus, um nicht zu viel zu verraten). 
Die Beziehung zwischen den beiden entwickelt sich sehr schnell und wird auch als sehr intensiv beschrieben. Sie können quasi nicht ohne den anderen und jede Stunde der Trennung ist für sie eine Qual. Ich bin mir sicher, dass es irgendwo da draußen Paare gibt, die wirklich so empfinden, deren Liebe wirklich so tief und echt ist, wie hier beschrieben. Aber bei Bex und Jack musste ich zeitweise ein wenig die Augen verdrehen, da es mir einfach wie die überdramatisierte Anziehung zwischen Pubertierenden vorkam. Ihre Gefühle hatten noch keine Gelegenheit zu wachsen, sodass ich sie eher als ersten Rausch empfand. Die zwei haben im Prinzip keinerlei weltbewegende Auseinandersetzungen, was einerseits süß (man braucht ja nicht immer Drama), aber auf Dauer fad ist und sich auf den Spannungsbogen einer Liebesge- schichte eher unvorteilhaft auswirkt. Dennoch mochte ich ihr Wechselspiel und ihre Dynamik, da sie einige schöne Dialoge hatten.   
Da die Handlung vor allem auf Bex und Jack aufbaut, kommen die übrigen Charaktere etwas kurz. Man lernt Jacks und Bex' Familien in ihren wesentlichen Eigenschaften kennen, aber mehr auch nicht, obwohl das sicher spannend gewesen wäre. Zumal es dort einige, keineswegs irrelevante Probleme zu bewältigen gäbe.
Die Ereignisse gegen Ende wirkten ein wenig gequetscht nach dem eher schleichend ansteigenden Handlungsverlauf. Erst geschieht quasi nichts und dann alles auf einmal. Auch die Krisen bzw. die Konflikte konnte man kaum als solche bezeichnen und sie wurden auf ebenso schnelle Art und Weise gelöst, wie sie aufgetaucht sind. Meiner Meinung nach hätten sie etwas eher eingebaut und dafür besser entfaltet werden können. Für meinen Geschmack endet der Roman viel zu utopisch, allerdings hat das den positiven Nebeneffekt, dass man gut mit der Handlung abschließen kann. Man liegt zumindest nachts nicht ewig wach und fragt sich, wie es weitergehen könnte.

Lieblingszitat


"„Distichiasis“
„Was?“
„Deine Wimpern. Das ist eine genetische Veränderung, 
die eine zweite Reihe Wimpern hervorruft.“
„Oh. Jep.“ Ein zaghaftes Lächeln ließ seine Mundwinkel nach oben wandern. 
„Meine Mom hat immer gesagt, ich hätte Elizabeth Taylor-Augen, 
aber ich betrachte es lieber als X-Men-Mutation. 
Das ist männlicher, weißt du.“" (S. 74-75)

Fazit

Der Titel hat in mir Hoffnungen erweckt, die der Inhalt nicht ganz halten konnte. Die Geschichte ist ganz nett, aber auch nicht übermäßig spektakulär, da sie sich zu sehr in Gefühls- und Aussehensbeschreibungen verliert. Man hätte hier deutlich mehr wichtige Ereignisse einbauen können, um dem Geschehen mehr Würze zu verleihen. 


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