Sonntag, 5. Juli 2015

REZENSION: Das Geheimnis des weißen Bandes (Anthony Horowitz)

Copyright Suhrkamp Insel Verlag

Titel: Das Geheimnis des weißen Bandes

Autor: Anthony Horowitz

Genre: Krimi / Detektivroman

Verlag: Suhrkamp Insel Verlag

Erscheinungsjahr: 2011

Format: Hardcover (19,95 €), TB

Seiten: 350

ISBN: 978-3458175438


Inhalt:

Dr. John Watson befindet sich gerade auf Besuch in der Baker Street 221B, als ein wohlhabender Kunsthändler den berühmten Detektiv Sherlock Holmes mit Ermittlungen in einem durchaus mysteriösen Fall beauftragt. Schon bald entpuppt sich dieser als weitläufiger und verstrickter, als die beiden Freunde es zunächst angenommen haben. Während der Ermittlungen geschieht eine Reihe von brutalen Morden und Holmes und Watson begeben sich schließlich selbst in höchste Gefahr - nicht einmal Mycroft scheint in der Lage, ihnen zu helfen...

So gefällt mir das Cover:

Das Cover trifft genau meinen Geschmack, denn wie es sich für einen waschechten und vielversprechenden Kriminalroman gehört, ist es düster, geheimnisvoll und dabei bestechend schlicht und klar. Neben der verschnörkelten, weißen Schrift auf schwarzem Grund gefällt mir besonders gut die allseits bekannte Silhouette des Meisterdetektivs Sherlock Holmes, die auf den ersten Blick deutlich macht, dass es sich um eine weitere Holmes-Geschichte handelt. In jedem Fall macht das Cover vor allem neugierig und hat mich sofort in seinen Bann gezogen.

Meine Meinung:

Da ich Sherlock Holmes Fan durch und durch bin, war ich ziemlich gespannt auf Anthony Horowitz' Pastige, denn natürlich habe ich mir vor allem eine Frage gestellt: Kann ein Holmes-Abenteuer aus der Feder eines anderen Autoren als Sir Arthur Conan Doyle überzeugen, fesseln und vielleicht sogar mit den Original-Geschichten mithalten? Meine Antwort: Es kann! 
Schon nach den ersten Seiten war ich überaus beeindruckt von Horowitz' Stil, denn er hat Doyles Geschichten anscheinend so eingehend studiert, dass er in der Lage war, seinen Schreibstil nahezu perfekt nachzuahmen. Das zeigt sich nicht nur an der Erzählpespektive (wie gewohnt aus Watsons Sicht), sondern insbesondere am Aufbau des Romans, der im Jahr 1890 und somit nach der Hochzeit von Watson und Mary Morstan angesiedelt ist. Dieser beginnt, wie nahezu alle Holmes-Abenteuer, in der Baker Street 221B und mit einer Demonstration von Holmes' Fähigkeiten, welche seinen Gefährten wieder einmal verblüffen. Auch typisch: Ein Klient betritt die Wohnung und bittet um Holmes' Dienste; anschließend erzählt er eine recht haarsträubende Geschichte, die mich an Das Zeichen der Vier erinnerte. Sherlock Holmes' Ermittlungen beginnen, auch unter Einbeziehung seiner Spezialeinheit, der Baker Street Irregulars. 
Ich muss sagen, dass der Roman mich zu Beginn nicht ganz so fesselte, aber das änderte sich schnell, denn der Fall ist letztendlich verstrickter und weitreichender, als Holmes und auch der Leser zunächst denkt. Dabei adaptiert Horowitz' Doyles Figuren und seinen Schreibstil allerdings nicht nur perfekt, sondern bringt auch jede Menge eigenes in die Geschichte ein. Sie ist nicht nur länger als alle Doyle-Erzählungen, sondern stellenweise auch haarsträubender und gefährlicher für die Protagonisten. Am Ende zeigt sich sogar, dass Horowitz ein recht aktuelles Thema aufgegriffen und in das London des ausgehenden 19. Jahrhunderts versetzt hat. Was für ein Thema das ist, möchte ich allerdings nicht verraten, denn das kommt für den Leser ziemlich überraschend - eine Wendung, mit der man absolut nicht gerechnet hat.
Bis das Abenteuer wie gewohnt mit der Lösung des Falls durch Sherlock Holmes und die Darlegung seiner Deduktionen endet, führen zahlreiche falsche Fährten Watson und den Leser in die Irre. Mit dabei sind auch eine ungeheuerliche Verschwörung, mysteriöse Todesfälle und Holmes' sensationelle Verkleidungskünste, die ihn aus einer sehr misslichen Lage befreien - also alles, was man von einer spannenden Holmes-Geschichte erwartet. 


Mein Fazit:

Das Geheimnis des weißen Bandes hat mich als klassischer Detektivroman und Sherlock Holmes Geschichte vollständig überzeugt, denn Horowitz gelingt es auf herausragende Weise, Doyles Stil zu adaptieren und er reichert den Plot zugleich mit modernen Themen und Ideen an. Nichtsdestotrotz bekommt der begeisterte Holmes-Fan alles, was eine Erzählung aus Doyles Feder ausmacht: ungeheuerliche Verbrechen, jede Menge falsche Fährten und Holmes als meisterhaften Detektiv, der Schlüsse zieht, die weder Watson noch der Leser erwartet. Zwar konnte mich der Roman nicht gleich am Anfang packen (wie übrigens auch Doyles Geschichte Das Zeichen der Vier), danach nahm er jedoch ziemlich schnell Fahrt auf und endete ebenso überraschend wie schockierend. Ein typischer Kriminalroman, der fesselt und begeistert - wie es ein Sherlock Holmes eben tut :)


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