Donnerstag, 16. Juli 2015

REZENSION: "Breathe - Gefangen unter Glas" (Sarah Crossan)

Copyright dtv

Titel: Breathe. Gefangen unter Glas

Autor: Sarah Crossan

Genre: Roman / Jugendroman / Dystopie

Verlag: dtv

Erscheinungsjahr: 2013

Format: Hard Cover (16,95 €)

Seiten: 431

ISBN: 978-3-423-76069-0


Inhalt


Quinn, Bea und Alina gehören zu den wenigen Überlebenden in einer Welt ohne Sauerstoff. Während Bea und Alina als Seconds das zufällige Privileg haben, in der schützenden Glaskuppel zu leben, hat es Quinn als Premium dem Geld seiner Familie zu verdanken. Bea und Quinn, die seit Jahren miteinander befreundet sind, haben nie das System hinterfragt, das sie am Leben hält. Erst, als sich Quinn in Alina verliebt und sie zu einem Ausflug in die Außenwelt mitnimmt, beginnen sie zu zweifeln. Ist es wirklich die Glaskugel, die sie schützt? Gibt es keine Möglichkeit, in der freien Natur zu überleben? Und sind die Rebellen und Außgestoßenen wirklich eine Gefahr?


Cover

Das Cover kann mich, ehrlich gesagt, nicht recht überzeugen. Erstens, weil ich mir keinen der Charaktere so vorstelle, wie sie auf dem Bild sind. Zweitens, weil ich nicht ganz verstehe, warum die beiden durch die Glaswand voneinander getrennt sind, denn in der Geschichte selbst leben alle drei Bewohner ja in der Kuppel und nicht außerhalb davon. Drittens habe ich das Gefühl, dass die beiden vollkommen aneinander vorbeisehen, und viertens gefällt mir dieser Orangeton überhaupt nicht. Aber das ist nur meine persönliche Meinung. 

Meine Meinung

Der Gedanke, dass die Menschen in einer Kuppel leben, ist vielleicht nicht ganz neu, da er zumindest durch Under the Dome bekannt sein dürfte, aber er ist keineswegs ausgereizt. Zudem war die Idee, dass alle Bewohner auf ihre Sauerstoffflaschen bzw. -zufuhrsysteme angewiesen sind (für die sie sogar Steuern zahlen müssen), für mich neu. Das Gerüst für eine abwechslungs- reiche, tolle Geschichte ist also vorhanden, und vielleicht auch für den ein oder anderen Nervenkitzel. denn schon die Vorstellung, keinen Sauerstoff zu haben, erweckt bei mir Beklemmungen, um nicht zu sagen Panik. Leider war die Story dann doch nicht so packend, wie ich sie mir gewünscht hatte. Schon zu Beginn hatte ich leichte Probleme mit den drei Charakteren, aus deren Perspektive abwechselnd erzählt wird: Alina wirkte zu distanziert und abgebrüht auf mich, Quinn wiederum nicht ernsthaft genug. Er war mir zu sprunghaft in Bezug auf seine Gefühle für Alina, die er vom ersten Moment an hinreißend findet (auch wenn sie ihm dazu nicht wirklich einen Grund liefert), und übersieht daher vollkommen, wie viel passender Bea für ihn bzw. dass er insgeheim sowieso schon in sie verliebt ist. Außerdem war ich von seiner unbekümmerten Einstel- lung nicht wirklich angetan. Das hat sich erst gebessert, als er langsam erkennt, dass doch nicht alles so rosig ist, wie in seiner Vorstellung und er mehr Einsatz und Kampfgeist zeigt. Er ist definitiv über sich hinausgewachsen.
Erfrischend fand ich, dass sich trotz der (einseitigen) Rivalität kein Hass zwischen Bea und Alina entwickelt hat, sondern im Gegenteil eher eine Freundschaft. Auch wenn Bea neidisch darauf war, dass Quinn sich sofort in Alina verguckt hat, so hat sie sich davon nicht in ihrem Menschenurteil beeinflussen lassen. Sie ist ein sehr einfühlsamer, verständnisvoller Mensch und von allen diejenige, die die humanitärsten Züge aufweist. Das zeigt sich auch vor allem an ihrem Umgang mit Maude, einer aus der Kuppel Verstoßenen. Obwohl sie die drei Jugendlichen angegriffen hat, ist Bea die Einzige, die Maudes Handlung als Ausdruck ihrer Verzweiflung erkennt, und sich deshalb dafür einsetzt, sie in ihre Gruppe aufzunehmen. Beas Verhalten färbt allmählich auch auf Alina ab, die zunehmend auftaut und daher zugänglicher wird. Ihre harte Fassade beginnt zu bröckeln und es wird immer deutlicher, dass sie auf gewisse Weise Abe hinterhertrauert, da sie etwas für ihn empfunden hat. Abe lernt man ganz am Anfang kennen, als er Alina beim Stehlen einer Pflanze behilflich ist. Ich fand die zwei ganz süß zusammen, aber leider verschwindet Abe nach nur wenigen Seiten von der Bildfläche, weil er umgebracht wird. Das kam für mich sehr unerwartet und ich war zugegebenermaßen irritiert und sauer. Ich hatte eigentlich eine süße Liebesgeschichte zwischen ihm und Alina erwartet. Allerdings ist er damit nicht von der mentalen Festplatte gelöscht. Im Verlauf stellt sich nämlich heraus, dass er offensichtlich gelogen hat, um Teil der Widerstandsbewegung zu werden. Die Frage ist nur, wieso? Um ehrlich zu sein, wäre diese Ungereimtheit für mich der einzige triftige Grund, die Buchserie weiterzuverfolgen. Die Story selbst konnte mich, wie gesagt, nur mäßig fesseln. Das Schema entspricht dem einer typischen Dystopie: die Menschheit ist auf irgendeine Art und Weise voneinander separiert, es gibt Widerstands- bewegungen (dieses Mal in Form des "Bäume pflanzen" - das hatte schon etwas Lustiges), denn wie sich herausstellt, ist der Staat, der eigentlich für Sicherheit sorgen soll, vielmehr die Ursache allen Übels. Als die Protagonisten das erkennen, lehnen sie sich gegen die Obrigkeit auf und beginnen, für ihre Freiheit zu kämpfen. Gegen diesen Ablauf ist meiner Meinung nach nichts einzuwenden, weil er meistens viel Spannung und Action garantiert. Aber dieses Gefühl wollte bei mir einfach nicht aufkommen. Auch, wenn sich die Situation dadurch verkompliziert, dass Quinn einen persönlichen Bezug zum Bürger- meister hat (der im Übrigen einen völligen Knall hat - wer vergibt schon Whiskey an 10-Jährige?), wirkte das Geschehen doch nicht allzu bedrohlich auf mich. Außerdem konnte ich mit der Widerstandsbewegung nicht recht sympathisieren, weil ihre Anführerin Petra mir kaltherzig und knallhart erschien, und der Aufenthalt der drei im Geheimlager zu kurz war, um einen Einblick in die Pläne zu bekommen und einen intensiveren Bezug zu den Personen aufzubauen. 
Auch das Ende hatte nicht den Knalleffekt, den ich mir gewünscht hätte, da es übereilt herbeigeführt erschien. Es gibt auch keinen direkten Cliff-Hanger, sodass man nicht unbedingt um jeden Preis weiterlesen muss. 

Fazit

Breathe - Gefangen unter Glas kommt mit einigen neuen Ideen für das Genre daher, weißt aber einen typischen Ablauf auf. Allerdings wirkt die Story noch nicht vollends ausgereift auf mich und hätte mehr Spannung vertragen können. Manche Charaktere hätten außerdem ausführlicher beschrieben werden können. Mit anderen Dystopien kann der Roman daher nicht ganz mithalten und bewegt sich in einem soliden Mittelfeld.


2 Kommentare:

wayland liest hat gesagt…

Auch wenn das Buch nicht gänzlich überzeugen konnte: schöne Rezi :)

Katharina Piske hat gesagt…

Dankeschön :)
Vielleicht bleib ich ja trotzdem am Ball bei der Serie, weil sie möglicherweise besser wird. Manche Reihen steigern sich ja. Bei "Herr der Ringe" z.B. hab ich mich auch durch den ersten Teil (besonders den Anfang) gequält, aber die anderen fand ich super^^

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