Samstag, 27. Juni 2015

SVENJA vs. KATHA: Meine Challenge-Lösung #2 - Lesetagebuch



Svenja hat mir letzte Woche die Aufgabe gestellt, zu dem nächsten Roman, den ich lese, ein Lesetagebuch anzufertigen. Dabei sollte ich auf jeder 30. Seite den 5. Satz notieren und kommentieren. Das Buch, welches die "Ehre" hatte, war 

Nicolas Barreaus Paris ist immer eine gute Idee.

Es geht darin um Rosalie, die auf den Kinderbuchautoren Max Marchais trifft. Anlässlich seines 70. Geburtstags veröffentlicht er eine Geschichte mit den Namen Der blaue Tiger, welche Rosalie illustrieren soll. Kurz nach der Veröffentlichung reist der Amerikaner Robert nach Paris, wo er im Schaufenster von Rosalies Papeterie das Buch entdeckt. Seine anfängliche Verwunderung über den Fund weicht schnell rasender Wut: er behauptet, die Geschichte würde nicht aus der Feder von Max Marchais stammen - sondern aus der seiner verstorbenen Mutter. 

Hier sind nun meine Gedanken zu den jeweiligen Sätzen:

"Doch am erfinderischsten in ihren Wünschen waren stets jene Menschen, die sich verliebt hatten." (S. 30)


Eine wirklich treffende Aussage. Genau wegen solcher Sätze liebe ich Nicolas Barreau so - er ist eben ein kleiner Romantiker. Manchmal frage ich mich ernsthaft, ob das nicht alles nur eine Farce ist und in Wirklichkeit eine Frau die Bücher schreibt ;)
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"Sie schüttelte verwundert den Kopf." (S. 60)

Keine Ahnung, wie ich auf diesen merkwürdigen Fremden reagiert hätte. Wahrscheinlich weniger dezent. Eher mit einem WTF-Blick.
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"Und an die Assiette de fromage, die er im Café de Flore bestellt hatte ("das Café der Dichter", hatte seine Mutter ihm erklärt)." (S. 90)

Barreau hat scheinbar eine Vorliebe für kleine Cafés (die es in Paris ja auch en masse gibt - schrecklich, jetzt drifte ich auch schon ins Französische ab). Jedenfalls kommt in jedem seiner Romane eins vor. Man bekommt schon fast so etwas wie einen kleinen Reiseführer präsentiert. Außerdem scheint Essen eine große Leidenschaft von ihm zu sein ;)
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"Dann gab William Morris einen kleinen Schnaufer von sich, und sie sah für einen Moment zu dem Körbchen hinüber, wo ihr kleiner Hund lag und schlief." (S. 120)

Hach, ich liebe diesen Namen. Mit dem Maler bzw. seinen Werken kann ich zwar nicht so viel anfangen, da mir diese floralen Motive etwas zu erdrückend erscheinen, aber immerhin ist es mal eine äußerst innovative Namensgebung für einen Hund. Und was soll ich sagen? Ich liebe Hunde!
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"Es sei denn... Es sei denn, es gab eine gemeinsame Quelle, auf die beide Zugriff gehabt hätten." (S. 150)

Ja, genau dieser Gedanke ist mir auch schon gekommen. Ich merke, Rosalie ist auf dem richtigen Weg. Einfach noch ein bisschen tiefer graben und nicht schlappmachen!
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"Und wenn sie beide recht hatten?" (S. 180)

Wir nähern uns dem Kern der Sache...
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"Sie sind der erste normale Mensch, den ich seit Tagen sehe." (S. 210)

Bei dem Satz musste ich wirklich schmunzeln. Max tat mir wirklich ein bisschen leid bei solch einer erbarmungslosen Krankenschwester. Auch wenn ich seine "Verzweiflung" sehr genossen habe. Definitiv eine meine Lieblingsszenen. 
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"Robert sah ihr einigermaßen überrascht zu, als sie jetzt begann, mit zwei Fingern einen kleinen Text in die Maschine zu hacken." (S. 240)

Mein erster Gedanke: okay, was macht sie da? Mein zweiter: nur zwei Finger? Herrgott nochmal, wie lange soll das dauern?
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"Das Klima - phantastisch." (S. 270)

Den leicht ironischen Unterton merkt man gar nicht, nein, wirklich überhaupt nicht...zumindest lese ich den Satz so. Manchmal finde ich begeisterungsfähige Menschen wirklich anstrengend.
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"'Sie wollten gerade erzählen, wie sie meine Mutter kennengelernt haben, Monsieur Marchais', sagte Robert." (S. 300)

Einerseits hasse ich es, wenn Menschen beim Erzählen vom Hundertsten ins Tausendste kommen, andererseits ist es irgendwie typisch für Max Marchais (oder ältere Menschen generell) erstmal abzudriften. Außerdem erhöht das natürlich die Spannung ungemein. Ich war Robert trotzdem dankbar, dass er ihn ausgebremst hat :)

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"Ruth fährt nach New York, wo ihr Verlobter Paul sehnsüchtig auf sie wartet und die Nacht mit ihr verbringt." (S. 330)

Das ist einer der Punkte, den ich absolut nicht nachvollziehen kann: wieso machen Frauen das? Warum verlieben sie sich in einen Typen und kehren dann doch zu einem anderen zurück? Müssen sie sich ihr Leben wirklich unnötig schwer machen?
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"Rosalie kauerte auf der obersten Stufe, nickte beifällig und beugte den Kopf noch ein wenig weiter vor, um nichts zu verpassen." (S. 360)

War ja klar, dass sie lauscht - Neugier liegt eben in der Natur des Menschen. Ein paar Langziehohren wären in der Situation natürlich ungemein praktisch. Ich hatte schon ein bisschen die Befürchtung, sie würde runterfallen, wenn sie sich noch weiter vorbeugt. 

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Ich hoffe, du bist zufrieden mit meinen Kommentaren, Svenja. Ich für meinen Teil hatte auf jeden Fall viel Spaß dabei. Man nimmt die Sätze ganz anders wahr, wenn man sich von vornherein auf sie konzentriert. Auch wenn einige isoliert betrachtet keine große Bedeutung haben, sind sie doch für den inhaltlichen Zusammenhang absolut wichtig. Vielleicht behalte ich die Methode bei ;)
Was meint ihr? Probiert ihr das bei eurem nächsten Buch auch mal aus?



Liebe Grüße,
Katha

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