Dienstag, 2. Juni 2015

REZENSION: "Saint Anything" (Sarah Dessen)

Copyright Viking Penguin for Young Readers

Titel: Saint Anything

Autor: Sarah Dessen

Genre: Jugendbuch

Verlag: Viking Penguin for Young Readers

Erscheinungsjahr: 2015

Format: Gebundene Ausgabe (14,50 €)

Seiten: 432

ISBN: 978-0-698-19141-9


Inhalt:

Seit sie denken kann, steht Sidney im Schatten ihres großen Bruders Peyton: erst war er derjenige, der alles konnte, der Hübsche, der Begabte, mit dem sie sich messen musste. Jetzt ist er der Junge, der auf die schiefe Bahn geraten ist und im Gefängnis sitzt. Seitdem fühlt sich Sidney gebrandmarkt, als wäre Peytons Schuld ihre eigene, als würden die Leute auch sie verurteilen. Selbst zu Hause dreht sich alles nur um ihn. Umso glücklicher ist sie, als sie die Schule wechselt und neue Leute kennen lernt. Layla, Mac und Eric nehmen sie um ihretwillen wahr, nicht als Peytons Schwester.Trotzdem verkomplizieren ihre Eltern immer wieder die ihre neugeschlossenen Freundschaften. Und dann wäre da auch noch Ames, Peytons merkwürdiger Freund, der Sidney auf eine Weise ansieht, die ihr eiskalte Schauer den Rücken hinunter jagen...

Rezension:

Wie so oft bei Neuerscheinungen von Sarah Dessen konnte ich nicht abwarten, bis die deutsche Übersetzung erschienen ist. Stattdessen habe ich mir das englische Original besorgt. Erwartungsvoll und gespannt begann ich sofort mit dem Lesen. Allerdings verlief der Einstieg in die Handlung nicht so reibungslos, wie ich es gewohnt war. Das begann schon bei den Namen, von denen ich etwas irritiert war. Peyton assoziiere ich immer mit Mädchen (wegen Peyton Sawyer aus One Tree Hill) und Sidney eher mit Jungs. Das ist natürlich kein aus- schlaggebendes Kriterium bei meiner Einschätzung, aber einige geringfügige Probleme blieben bestehen. Die Charaktere sind zwar wie üblich Persönlichkeiten für sich, d.h. auf die ein oder andere Weise speziell, weshalb sie einem ans Herz wachsen, aber sie sind weniger einprägsam als andere Figuren vorheriger Bücher. Deshalb hat mich auch Mac nicht sofort vom Hocker gehauen, weil er eher der stille, zurückhaltende Typ ist. Einen richtigen Zugang zu ihm bekam ich erst viel später, als die Beziehung zwischen ihm und Sidney intensiver wurde. Ich denke, das liegt zum Großteil daran, dass bei Saint Anything der Fokus mehr auf der Freundschaft zu Layla, Macs Schwester, liegt, denn sie ist Sidneys wichtigste Bezugsperson. Sie ist sehr ehrlich und direkt, aber auch überaus loyal, verständnisvoll und einfühlsam und war Sidney die Stütze, die sie gebraucht hat. Dieses Gefühl beruht auf Gegenseitigkeit. Der ein oder andere mag kritisieren, dass die beiden einander sehr schnell fast bedingungslos vertraut haben, aber merkwürdigerweise störe ich mich bei Sarah Dessen nie daran.
Wie immer gab es einige Verweise auf Dessens bisherige Veröffentlichungen: Das Bendo und die Jackson High kommen wieder vor, UMe.com und Anger Management (der Radiosender von Owen in Just Listen) werden erwähnt und auch von den Biscoes (Ich bin du), Spinnerbait und Truth Squad ist zwischen- zeitlich die Rede. Außerdem fühlte ich mich durch den Job beim Pizzalieferservice an Owen erinnert. Um ehrlich zu sein, war der Job einer der Aspekte, der mir am besten an dem Buch gefallen hat. Sidneys "Talent", von der Pizzabestellung auf die Käufer zu schließen, war wirklich eine gute Idee und hat etwas Pep in die Handlung gebracht. Die daraus entstehenden Dialoge waren wie gewohnt witzig, aber dadurch, dass sie erst ab dem 2. Drittel zustandekamen, gab es einfach zu wenige davon.
Ich bin mir nicht sicher, ob das Buch das Potential hat, Nicht-Sarah Dessen-Lesern von Anfang an zu gefallen. Die Story zieht sich meiner Meinung nach. Man wartet die ganze Zeit darauf, dass etwas passiert, aber phasenweise scheint die Handlung still zustehen. Die Fragen, die mich wirklich interessiert haben (Warum Peyton seine Schwester nicht sehen will und was es mit dem gruseligen Ames auf sich hat) wurden erst gegen Ende direkt angesprochen und dann auch nicht in dem Umfang, wie ich es mir gewünscht hätte. Gerade auch das Verhältnis zwischen Ames und Peyton wäre noch ausbaufähig gewesen, weil ich einfach nicht verstanden habe, wie er (und auch die Eltern, die mich übrigens wieder extrem aufgeregt haben) Vertrauen zu Ames fassen konnten, obwohl er sich doch so offenkundig merkwürdig gegenüber Sidney verhält. 
Bemerkenswert war jedoch, wie viel man über Peyton erfahren hat bzw. wie gut man eine Vorstellung von der Beziehung zwischen den beiden Geschwistern bekommen konnte, ohne dass Peyton (abgesehen vom Anfang) jemals physisch anwesend war. Alle Informationen über ihn bezieht man aus Sidneys Erinnerung oder aus den Telefonaten. Einerseits ist das toll, andererseits fand ich es schade, weil Peyton durch diese Passagen sehr interessant auf mich gewirkt hat und ich gerne mehr über seine Sicht der Dinge erfahren hätte.
Insgesamt war ich etwas enttäuscht von dem Buch, was wahrscheinlich auch daran liegt, dass ich ziemlich hohe Erwartungen hatte. Es ist nicht schlecht, aber definitiv nicht Sarah Dessens bestes Werk. Einige der Dialoge und Kernaussagen waren wieder sehr schön, aber die Handlung wirkte eher unfertig und dieser Gesamteindruck wurde auch vom Ende bestätigt. Trotzdem hat sie es wieder einmal bewerkstelligt, dass ich das unglaubliche Bedürfnis habe, alle ihre vorherigen Bücher noch einmal zu lesen.


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