Sonntag, 14. Juni 2015

REZENSION: "Rauklands Sohn" (Jordis Lank)

Copyright El Gato Verlag

Titel: Rauklands Sohn (Raukland-Trilogie          Teil 1)

Autor: Jordis Lank

Genre: Roman / Jugendroman

Verlag: El Gato Verlag

Erscheinungsjahr: 2013

Format: Broschiert (12,90 €)

Seiten: 356

ISBN: 978-3-943596-04-5

Inhalt

Ronan erhält von seinem Vater, dem König von Raukland, den Befehl, die Insel Lannoch in Besitz zu nehmen, wenn er seinen Anspruch auf Raukland nicht verlieren will. Für einen begnadeten Kämpfer, wie es Ronan ist, eigentlich kein Problem. Doch die Aufgaben, die Merin, der König Lannochs, ihm stellt, erfordern kein Schwert, sondern Köpfchen und Feingefühl im Umgang mit seinen Mitmenschen. Denn ganz allein wird er die Aufgaben nicht bewältigen können.


Cover

Das Cover gibt bereits klare Anhaltspunkte, worum es im Buch gehen wird, und passt daher zum Inhalt. Die Motive Burg und Schwert, die auch bei den folgenden Bänden beibehalten werden, deuten an, dass sich das Geschehen in einer mittelalterlichen Welt ereignet und das Kämpfen ein wesentlicher Bestandteil ist. Die Farbgebung jedoch macht auf mich einen düsteren, bedrückenden Eindruck, der ein wenig irreführend ist, denn die Handlung hat eine überaus positive Botschaft. Ich hätte mir daher gewünscht, dass das Cover auch diesen Aspekt einfängt. 

Meine Meinung

Dass es in Rauklands Sohn nicht allzu idyllisch zugeht, wird schon am Anfang relativ deutlich: Ronan wird auf Geheiß seines Vaters zur Strafe für eine verlorene Schlacht ausgepeitscht. Das kennzeichnet den König Rauklands automatisch als den Bösen der Geschichte, der sein Volk und sein eigenes Fleisch und Blut grausam und erbarmungs- und rücksichtslos behandelt. Das schlechte Verhältnis zwischen Ronan und seinem Vater spiegelt sich gewissermaßen in der Satzstruktur wieder, denn wann immer das Gespräch auf den König Rauklands kommt, ist Ronan kurz angebunden bzw. folgen die Sätze recht abgehackt aufeinander. 
Ebenso rasant wie der Einstieg gestaltet sich auch der Handlungsverlauf, denn es gibt keinen Punkt, an dem man denkt, dass die Geschichte zum Stillstand käme. Ein Ereignis reiht sich ans nächste. Wenn Ronan nicht gerade Liam und die anderen Inselbewohner im Kampf unterrichtet, schlägt er sich mit unliebsamen Händlern herum oder widmet sich den Aufgaben, die ihm Merin stellt, damit Ronan Lannoch zugesprochen bekommt. Zunächst habe ich etwas gestutzt, dass Ronan "nur" Aufgaben zu erfüllen hat, denn für ihn als versierten Schwertkämpfer wäre es ein leichtes, die Insel gewaltsam einzunehmen. Allerdings lässt sich das damit erklären, dass die Aufgaben und Rätsel Teil der langwierigen Tradition Lannochs sind. Beim Lesen hatte ich jedoch oft das Gefühl, dass sie nur eine Nebenrolle spielen, denn im Zentrum stehen Themen wie Freundschaft, erste Liebe und soziale Kompetenz. Genau das sind die Aspekte, mit denen Ronan hadert, denn er ist eher ein Einzelgänger, was ihn in meinen Augen jedoch umso sympathischer macht. Ich mochte es, dass er zwar ein sehr guter Kämpfer - um nicht zu sagen der beste weit und breit - ist, aber sich dennoch sehr bescheiden und nicht annähernd so grausam und kalt wie sein Vater verhält. So gut, wie er auf dem Schlachtfeld zurecht kommt, so unerfahren ist er im zwischenmensch- lichen Bereich und speziell in Liebesdingen, weshalb er bei Eila zunächst keinen besonders guten Eindruck hinterlässt. Sie war mir, um ehrlich zu sein, zunächst eher unsympathisch, da sie recht kühl und arrogant aufgetreten ist. Erst nach und nach hat sie ihre Haltung gegenüber Ronan geändert und ist über ihren Schatten gesprungen. Zwar bin ich noch immer kein Fan von ihr, aber zumindest erschien sie mir am Ende nicht mehr wie ein Eisblock und ich bin auch nicht mehr "unzufrieden" mit Ronans Wahl.
Wesentlich herzlicher ging es hingegen zwischen Ronan und seinem neu gewonnenen Freund Liam zu. Die beiden haben eine wirklich schöne Dynamik, denn trotz Ronans höherer sozialer Stellung gehen sie sehr unbefangen und direkt miteinander um. Ihre Dialoge sind meistens sehr amüsant und muntern Ronan auf. Obwohl - oder gerade weil - sie sehr gegensätzlich sind, d.h. Ronan ist eher der Prototyp des schweigsamen, rational denkenden Kämpfers, während Liam eher eine gefühlsbetontere Künstlernatur ist, ist ihre Freundschaft für beide Seiten lehrreich. Ronan bringt Liam Selbstverteidigung bei und trainiert ihn und Liam lehrt Ronan, die Frauenwelt (besser) zu verstehen, sodass er im Umgang mit Eila nicht allzu unbeholfen auftritt. Dementsprechend habe ich die Szenen zwischen den beiden sehr genossen.
Ebenso wie Eila stehe ich Merin etwas zwiegespalten gegenüber, da er mir phasenweise wie zwei vollkommen unterschiedliche Personen erschien. Auf der einen Seite ist er der besorgte, liebevolle alte Mann, der seine Enkelin Eila beschützen will, auf der anderen Seite tritt er als strenger König auf, der Ronan feindlich gegenübersteht und sich dementsprechend verhält. Allerdings kann ich seine Haltung auch verstehen, denn schließlich "bedroht" Ronan sein Königreich. Erst, als er erkennt, dass Ronan Lannoch ins Herz geschlossen hat, überdenkt er das Bild, dass er von Ronan hat. In diesem Sinn durchlaufen also alle vier (Ronan, Liam, Eila und Merin) einen charakterlichen Reifungsprozess. 
Wie schon gesagt, verläuft die Geschichte sehr ereignisreich, da es immer ein neues Problem zu lösen gilt. Gegen Ende gibt es sogar eine äußerst unerwartete Offenbarung, die die Handlung in eine andere Richtung lenkt. Ich bin gespannt, wie das im zweiten Teil weiter ausgebaut wird.

Fazit  

Insgesamt lässt sich das Buch super leicht lesen, da es leicht verständlich geschrieben ist. Es wird im Grunde nie langweilig, was zu einem großen Teil an den tollen Charakteren liegt. Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie sich die Geschichte weiterentwickelt und ob und wie sich Ronan im zweiten Teil Rauklands Blut gegen seinen Vater behaupten kann.


Mein Dank geht an der Stelle an Jordis Lank und den El Gato Verlag, die uns diesen Roman zur Verfügung gestellt haben. Ein Interview mit der Autorin höchst persönlich folgt in Kürze.

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