Freitag, 12. Juni 2015

REZENSION: "Radioactive - Die Verstoßenen" (Maya Shepherd)

Copyright Maya Shepherd

Titel: Radioactive - Die Verstoßenen

Autor: Maya Shepherd

Genre: Dystopie

Verlag: Selfpublishing

Erscheinungsjahr: 2012

Format: Taschenbuch (9,98 €), eBook

Seiten: 280

ISBN: 978-1481156158



Inhalt:

Die Welt nach dem Dritten Weltkrieg: Die letzten überlebenden Menschen leben unter dem Schutz der sogenannten Legion streng bewacht in einer Sicherheitszone. Um das Überleben zu sichern und Konflikte zu vermeiden, ist jegliche Individualität ausgelöscht - die Menschen sehen gleich aus, haben einen streng geregelten Tagesablauf und denken und fühlen nicht selbstständig. Eine von ihnen ist D518. Nach dem Test, der sie ihrer zukünftigen Tätigkeit zuordnet, soll sie in der Essensvergabe arbeiten, doch D518 spürt, dass sie zu höherem berufen ist. Als sie von Rebellen entführt wird, bekommt sie die Chance, sich zu beweisen...und muss erfahren, dass alles, woran sie geglaubt hat, eine Lüge ist.


So gefällt mir das Cover

Das Cover trifft nicht ganz meinen Geschmack, da mir das Gesicht im Vordergrund einfach zu präsent und es mir insgesamt etwas zu dunkel ist. Die rote Wüste im Hintergrund hat jedoch einen Bezug zur Geschichte - passend ist es also schon.

Meine Meinung

Radioactive ist eine typische Dystopie mit einer Idee, die nicht ganz neu, aber dafür innovativ umgesetzt ist. Das Grundszenario entspricht dem mittlerweile gängigen Schema: Große Katastrophe (3. Weltkrieg mit Atomwaffen) - ein Großteil der Weltbevölkerung stirbt (Radioaktivität) - Entstehung eines Systems (Legion) zum vermeintlichen Schutz der Überlebenden (entpuppt sich als Lügenkonstrukt und Diktatur) - einige Menschen kommen dahinter (Rebellen mit D518) und zetteln eine Rebellion an. Insbesondere fühlte ich mich erinnert an Die Tribute von Panem, Die Bestimmung, Hüter der Erinnerung und Ugly. Was ist also neu an Radioactive? Der Roman nimmt ein typisches Merkmal der modernen Dystopie (völlige Auslöschung von Individualität) und präsentiert es auf einer noch drastischeren Ebene: Die Menschen habe keine Namen mehr, sondern nur noch Bezeichnungen und sie werden so gut wie völlig gleichgestellt, indem ihre Köpfe kahl gehalten werden und ihr Tagesablauf bis ins kleinste Detail vorgegeben ist. Raum für Gefühle und persönliche Meinungen gibt es nicht, was mich wiederum an die Injektionen in Hüter der Erinnerung denken ließ. Anders ist an Shepherds Roman allerdings, wie sie vorgeht. Im Verhältnis zur gesamten Geschichte ist der Teil, der das Leben in der Legion schildert, ziemlich kurz. Meinen persönlichen Geschmack trifft das nicht, denn mir ging zu Beginn der Handlung einfach alles ein wenig zu schnell. Ich bin zwar auch kein Freund von seitenlangem Geschwafel, aber meiner Meinung nach hätte Shepherd zu Beginn eine noch stärkere Basis schaffen können.
Ihre Protagonistin bricht (im Gegensatz zu den Hauptpersonen in anderen Dystopien) auch nicht selbst aus dem System aus, sondern wird gegen ihren Willen entführt. Sie bildet sich also keine eigene Meinung, sondern übernimmt im Folgenden Stück für Stück die der Rebellen. Autonomes Denken und Handeln repräsentiert D518 und später Cleo genannt also nicht. Dennoch ist sie eine sympathische und sehr authentische Protagonistin, mit der man sich als Leser gut identifizieren und die man gut verstehen kann. Sie wird aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen und demzufolge fällt es ihr zunächst schwer, sich bei den Rebellen zu integrieren. Die Lügen der Legion, die nach und nach enthüllt werden, treffen sie zutiefst, vor allem da ihr bewusst wird, dass sie nie ein richtiges Leben geführt hat. Und so wird Cleo schließlich Teil der Rebellion und avanciert innerhalb kürzester Zeit zu einem geschätzten Mitglied und einer Hoffnungsträgerin (ähnlich wie Katniss in Panem, Tris in Die Bestimmung und Tally in Ugly) - das ging mir dann erneut etwas zu schnell.
Shepherds dystopische Geschichte wird außerdem mit ein bisschen Action und (wie könnte es anders sein) einer sich entwickelnden Liebe angereichert. Dabei kommt meiner Meinung die Atmosphäre etwas zu kurz - irgendwie gelingt es ihr nicht ganz, eine derart bedrohliche oder beklemmende Szenarie zu erschaffen, wie es andere Dystopien tun. Die Geschichte ist zweifelsohne interessant und teilweise innovativ (Bezeichnungen), aber sie ist leider nicht so mitreißend und geht einem beim Lesen nicht so nahe, wie ich es mir gewünscht hätte. Zum Großteil wird Cleos Eingliederung in die Gemeinschaft der Rebellen beschrieben, Enthüllungen über die Legion erfährt man so nebenbei - das Verhältnis stimmt hier irgendwie nicht ganz.

Mein Fazit

Radioactive - Die Verstoßenen ist der Auftakt einer vierteiligen Reihe und weist viele Parallelen zu populären Dystopien auf. Anders sind an diesem Roman vor allem die drastische Darstellung des Individualitäts-Verlustes, die mir sehr gut gefällt, und der Verlauf der Geschichte. Shepherd hat einen sehr angenehmen Erzählstil, was der Grund dafür ist, dass sich das Buch durchweg flüssig und leicht lesen lässt, trotz langatmiger Passagen. Ihre Protagonistin ist ungewöhnlich, aber sympathisch. Allerdings hätte Radioactive für meinen Geschmack etwas ausführlicher, spannender und bedrohlicher sein können, denn das Potenzial hat die Geschichte eigentlich. So richtig mitreißen konnte sie mich nicht. Wer Dystopien liebt, kommt aber ganz sicher auf seine Kosten, auch wenn man natürlich nicht viel Neues erwarten darf, aber das gibt das Genre mittlerweile auch einfach nicht mehr her. Gespannt auf den zweiten Teil bin ich auf jeden Fall, obwohl mich der Reihenauftakt nicht vollends überzeugt hat. 


Gelesen habe ich Radioactive alles in allem ganz gerne und daher möchte ich mich ganz herzlich bei Maria von Das Büchereulenparadies bedanken, denn bei ihr hatte ich das Buch im Rahmen der Aktion Blogger schenken Lesefreude gewonnen.=)

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