Donnerstag, 18. Juni 2015

REZENSION: "Mein Herz und andere schwarze Löcher" (Jasmin Warga)

Copyright FISCHER Verlag

Titel: Mein Herz und andere schwarze                  Löcher

Autor: Jasmin Warga

Genre: Roman / Jugendroman

Verlag: FISCHER Verlag

Erscheinungsjahr: 2015

Format: Hard Cover (16,99 €)

Seiten: 384

ISBN: 978-3-7373-5141-6

Inhalt

Schon seit geraumer Zeit hangelt sich Aysel nur noch von einem Tag zum nächsten. Sie ist unglücklich, so unglücklich, dass sie nicht länger leben will. Im Internet sucht sie nach jemandem, mit dem sie zusammen sterben kann, und findet schließlich Roman, der genauso kaputt ist wie sie. Nach dem ersten Treffen werden sie Sterbepartner. Von jetzt an haben sie 26 Tage Zeit, sich auf ihren Tod vorzubereiten. 26 Tage, in denen sie einander besser kennen lernen - und sich selbst.

Cover

Das Cover hat sofort meine Aufmerksamkeit erregt, obwohl es recht schlicht gehalten ist. Die bunten Farbtupfer erwecken zunächst einen fröhlichen, verspielten Eindruck. Sie stehen allerdings im Kontrast zum Titel und auch zum Thema des Buches und genau diese Ambivalenz war dann auch der Grund, warum ich mich so für das Buch interessiert habe. 

Meine Meinung

Mein Herz und andere schwarze Löcher ist ein Beispiel für einen gelungenen Romananfang. Bei mir war es sozusagen Liebe auf den ersten Satz. Jasmin Wargas Schreibstil ist wirklich toll und absolut wunderbar fließend zu lesen. Man baut sofort eine Verbindung zur Protagonistin Aysel auf, aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird. Sie trifft genau das richtige Verhältnis von inneren Monologen und Handlungsgeschehen, die mich immer zum Weiterlesen animiert haben. 
Aysel hat einige widersprüchliche Gefühle in mir wachgerufen. An der Oberfläche nimmt man sie als eine  etwas verschrobene und sehr sarkastische Person wahr. Besonders dieser Sarkasmus hat mich öfter zum Grinsen gebracht, weshalb ich mich zunächst gefragt habe, wie ernst es ihr mit dem Sterben wirklich ist bzw. welche Gründe sie dazu hat. Ihre Toughness ist allerdings nur Fassade, denn tatsächlich ist sie sehr nachdenklich und deprimiert, was sich automatisch auch auf mich ausgewirkt hat. Die Gründe für ihre emotionales Tief erfährt man jedoch erst gegen Ende des Buches. Nur häppchenweise bekommt man Anhaltspunkte präsentiert, was in der Vergangenheit vorgefallen sein mag, das Aysel so bedrückt. Man erfährt lediglich, dass sie sich die Schuld an etwas gibt, das mit ihrem Vater zu tun hat, der im Gefängnis sitzt. Das ist einer der Aspekte, der mich kontinuierlich beschäftigt und mich beim Lesen bei der Stange gehalten hat.
Ähnlich verhält es sich bei Roman. Auch er scheint auf den ersten Blick vollkommen normal zu sein. Er ist quasi der sportliche Mädchenschwarm wie aus dem Bilderbuch, deshalb aber keineswegs arrogant, sondern sehr einfühlsam. Niemals würde man auf die Idee kommen, dass er sterben will. Wie auch bei Aysel fühlt er sich für etwas verantwortlich, was in der Vergangenheit geschehen ist, und er kann und will nicht mehr mit dieser Schuld leben. Seine Selbstvorwürfe und seine Verzweiflung waren nahezu herzzerreißend mitzuverfolgen, die mir sogar um einiges extremer erschienen als die von Aysel. Ich hatte von Anfang an das Gefühl, dass es ihm mit dem Sterben wesentlich ernster ist als ihr, was im Grunde vom Handlungsgeschehen auch bestätigt wird. Beide sind durch ihre Bekanntschaft dazu gezwungen, sich mit sich selbst, ihren Wünschen und Ängsten auseinanderzusetzen. Während Aysel aber gewissermaßen motivierter und aktiver wird und sich erste Zweifel regen, je näher ihr Tod rückt, resigniert Roman immer mehr und hält an dem Plan fest. Selbst dann, als sich zwischen den beiden allmählich tiefere Gefühle entwickeln. Das hat der Geschichte eine zusätzliche Tragik verliehen, gleichzeitig aber auch einige lichte Momente herbeigeführt. Zwar drehen sich die Dialoge zwischen den beiden oft ums Sterben, aber hin und wieder heitern sie sich gegenseitig auf und wirken fast so unbefangen, wie man im dem Alter eigentlich sein sollte. Dadurch fragt man sich natürlich umso mehr, ob sie sich am Ende tatsächlich umbringen werden. So viel sei gesagt: auf den letzten Seiten nimmt die Dramatik definitiv noch einmal zu.
Im Prinzip tragen Roman und Aysel die komplette Handlung, weshalb man über die Nebenfiguren eher weniger erfährt. Lediglich das familiäre Umfeld wird etwas näher beleuchtet, allerdings auch nicht allzu umfangreich. Von der Seite hätte ich mir etwas mehr gewünscht, besonders, da Aysels Vater der Auslöser ihrer Depression ist. Außerdem hätte mich interessiert, ob sich das Verhältnis zu ihrer Halbschwester Georgia nicht doch bessern könnte.

Lieblingszitat

... ist dieses Mal die Widmung, auch wenn es im Buch wirklich viele Stellen gibt, die mir sehr gut gefallen haben.

"Zum Andenken an Aidan Jos Schapera, der das Leben liebte und uns anderen beigebracht hat, wie das geht."

Fazit

Beim Lesen merkt man eindeutig, dass Jasmin Warga das Thema Selbstmord am Herzen liegt. Sie erzählt Aysels und Romans Geschichte sehr einfühlsam, sodass ihre Gedankengänge und Beweggründe gut nachvollziehbar sind. Trotzdem ist die Handlung nicht durchweg bedrückend, sondern hat einige heitere, unterhalt- same Momente. Genau aus diesen Gründen (und noch aus einigen mehr) habe ich das Buch wirklich genossen. Es war absolut berührend und wird mich wohl noch eine Weile beschäftigen.


4 Kommentare:

Nadine Reich hat gesagt…

Schöne Rezension! :)
Mir hat das Buch auch sehr gut gefallen ^-^
Liebste Grüße!
Nadine♥

frostyface hat gesagt…

Ein Buch, welches seit Veröffentlichung leider anstatt auf meinem SUB auf meiner Wunschliste dahinvegetiert. ;)

Mir ist aufgefallen, dass sich dieses Jahr erstaunlich viele Bücher mit dem Thema Suizid befassen ...

Liebe Grüße!

Katharina Piske hat gesagt…

Wirklich? Das ist mir bisher gar nicht so aufgefallen, um ehrlich zu sein. Hast du vielleicht ein paar Beispiele bzw. Tipps? Ich suche jetzt zwar nicht gezielt nach einem deprimierenden Buch, aber Suizid ist auf jeden Fall ein Thema, das mich interessiert.

Liebe Grüße,
Katha

Bookpanda hat gesagt…

Huhu:)
Bin über deinen süßen Blog gestolpert und werde gleich mal Leserin^^
Tolle Rezi:) Das Buch steht schon seit einem Weilchen auf meiner Wunschliste und bis jetzt habe ich nur gutes gehört^^ Ich bin noch am überlegen ob ich es auf Englisch oder auf Deutsch lesen soll:D
Liebste Grüße
Natalie

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