Freitag, 5. Juni 2015

Rezension: "Kaspers Freundin" (Luise Boege)

Copyright Reinecke & Voß Verlag

Titel: Kaspers Freundin

Autor: Luise Boerge

Genre: Roman

Verlag: Reinecke & Voß Verlag

Erscheinungsjahr: 2015

Format: Taschenbuch (14,00 €)

Seiten: 232

ISBN: 978-3-942901-13-0


Inhalt: 

Eigentlich hatten Kasper und seine Freundin beschlossen, für immer getrennte Wege zu gehen. Der Entschluss wird allerdings hinfällig, als Kaspers Großvater stirbt und er dessen Haus erbt. Um nicht Gefahr zu laufen, dass sie von der Galoppierenden anämischen Depression befallen werden, an der neuerdings viele einsame Menschen zugrunde gehen, ziehen Kasper und seine Freundin zusammen. Ihr Leben in Zweisamkeit wird zunehmend ungewöhnlicher, als sich die Besuche eines merkwürdigen violetten Herrn zu häufen beginnen. 

Rezension: 

Die Beschreibung auf dem Buchcover "Ein Roman in der Manier der guten alten Schauernovelle" hat sich als überaus zutreffend erwiesen. Der Tenor der Ge- schichte war sehr bedrückend und schwermütig. Damit hat er die Hoffnungslosigkeit der Protagonisten Kasper und seiner Freundin sehr gut eingefangen, denn die Beklommenheit und deprimierende Stimmung, die Kaspers Alltag prägen, haben sich beim Lesen auch auf mich übertragen.
Das Geschehen wird in der Er-Perspektive geschildert, wodurch ich leider keinen rechten Bezug zu den Figuren aufbauen konnte. Wenngleich die Gedankengänge der beiden wiedergegeben wurden, waren ihre Handlungen und ihr Innenleben nicht ganz nachvollziehbar für mich. Diese Distanziertheit wurde noch dadurch verstärkt, dass nur zwei Figuren mit einem Namen versehen wurden (Kasper und Joseph), die Übrigen aber anonym blieben bzw. auf sie mit bestimmten Merk- malen referiert wurde (der Violette). 
Kasper selbst war für mich der Angenehmste in der Figurenkonstellation. Etwas hilflos und träge, und auch ziemlich verschroben (wie im Prinzip alle Charaktere), aber fürsorglich und gutherzig. Das kann ich von seiner Freundin nicht behaupten. Ihre Sprunghaftigkeit empfand ich als sehr anstrengend. Mal war sie aufgedreht, mal wieder emotionslos oder traurig. Mir ist bewusst, dass das Teil ihrer Depression ist, aber dennoch konnte sich mein Herz nicht für sie erweichen. Darüber hinaus war sie mir zu unselbstständig und besonders in den Gesprächen mit ihrer Therapeutin hatte ich das Gefühl, sie würde sich nur über Kasper definieren, ganz so, als wäre sie sich ihrer eigenen Persönlichkeit nicht bewusst. Die letzten Sympathiepunkte kostete sie schließlich das doppelte Spiel, das sie mit Kasper und Joseph spielte. In dieser (Dreiecks-) Beziehung darf man keine großen Gefühle erwarten. Sie ist weit entfernt von der großen Liebe und wirkte zwischenzeitlich mehr wie eine Zweckgemeinschaft auf mich. Letztlich ging es Kaspers Freundin meiner Meinung nach nur darum, nicht alleine zu sein. 
"Der Violette" blieb für mich bis zum Schluss ein Mysterium. War er nun gut oder böse? Oder nichts von beiden? Sollte das Blutsaugen metaphorisch für die Sehnsucht nach mehr stehen? Dass man nie "satt", nie zufrieden ist und immer nach mehr dürstet? So richtig wollte sich mir der Sinn nicht erschließen. Ich war die ganze Zeit auf der Suche nach der Kernaussage des Textes. Vielleicht gibt es sie nicht. Vielleicht ist es dem Leser vollkommen freigestellt, wie er die Geschichte interpretieren will.
Es ist insgesamt eine sehr skurrile, ungewöhnliche Geschichte, die keinem klassischen Romanaufbau folgt. Vielmehr wird das Geschehen auf eine Weise beschrieben, als würde man wie ein unsichtbarer Geist dem Alltag der Charaktere beiwohnen. Phasenweise ereignet sich nichts, dafür werden einzelne Handlungen und Tätigkeiten beschrieben oder Gedankengänge wiedergegeben. Das macht das Buch, trotz des violetten Herrn, der eindeutig nicht menschlich ist, bemerkenswert authentisch. 
An sich ist der Roman von Luise Boege keinesfalls schlecht geschrieben: man spürt deutlich, dass sie weiß, mit der deutschen Sprache umzugehen. Meinen persönlichen Geschmack hat sie nur leider nicht getroffen. Ich denke, ich gehöre schlichtweg nicht zur Zielgruppe. Es ist kein Werk für die breite Masse, aber das liegt auch nicht im Sinn des Verlagsprogramms von Reinecke & Voß. Wer auf der Suche nach einer Geschichte ist, die weniger spannungsgeladen ist, dafür aber über eine versteckte Symbolik verfügt, die zum Nachdenken und Grübeln anregt, der ist mit Kaspers Freundin richtig beraten.


Wir bedanken uns beim Reinecke & Voß Verlag, die uns freundlicherweise dieses Exemplar zur Verfügung gestellt haben.

1 Kommentare:

Jeanne D'arc hat gesagt…

Ich habe das Buch auch gelesen und ich muss gestehen ich bin mit dem Buch nicht klargekommen es war eine enorme Überwindung und habe mich wirklich schwer getan. Lag vor allem daran das ich den Schreibstil nicht wirklich mochte und auch mit der Handlung grobe Probleme hatte
Liebe Grüße
Janine

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