Donnerstag, 11. Juni 2015

REZENSION: "Fine Line - Create your Character" (Nika S. Daveron)


Copyright Luzifer Verlag

Titel: Fine Line - Create your Character

Autor: Nika S. Daveron

Genre: Roman / Fantasy

Verlag: Luzifer Verlag

Erscheinungsjahr: 2015

Format: Ebook (4,99 €)

Seiten: 350

ISBN: 978-3-958-35069-4


Inhalt

Elayne ist vollkommen begeistert von dem Online-Rollenspiel Fine Line. Immer mehr Zeit verbringt sie in der virtuellen Welt und mit den Spielern ihrer Gilde. Schon bald darauf erhält sie mysteriöse Nachrichten und Anrufe und schließlich ein Paket. Es enthält einen Chip mit einer Software, durch die sie ihre Seele an das Spiel koppeln und nun tatsächlich darin eintauchen kann. Doch schon bald wird aus Spaß bitterer Ernst, als sich die Schwierigkeiten häufen und sich die Gefahren aus der virtuellen Welt auf die wirkliche ausdehnen.

Cover

Das Cover ist weder zu schlicht noch zu überladen und hat einen sehr naturwissenschaftlich-technischen Touch, der gut zum Thema passt. Die Blau- und Weißtöne und die Schrift haben mich aus irgendeinem Grund zunächst eher an Medizin denken lassen als an Computer, wobei ich nicht genau weiß, woran das liegt. Dennoch deutet es bereits an, dass es im Roman nicht um eine spaßige Liebesgeschichte gehen wird.

Meine Meinung

Eine Sache gleich vorweg: wer denkt "Ach, vom Gaming hab ich keine Ahnung, von dem Buch lass ich besser die Finger, weil ich da ohnehin nichts verstehe", der kann diese Bedenken sofort über Bord werfen. Der Roman ist so geschrieben, dass er für jeden verständlich ist. Elayne ist selbst noch Anfängerin in der Online-Rollenspiel-Szene und stellt daher allerhand Fragen, die ihr natürlich auch beantwortet werden. Dadurch erklären sich natürlich auch dem Leser einige Begriffe und Abläufe. Die ersten Kapitel sind sozusagen die Vorgeschichte bzw. das Grundgerüst für das künftige Geschehen. Man lernt das Spiel und wesentliche Romanfiguren kennen, was den Einstieg enorm erleichtert. Elayne mochte ich im Prinzip auf Anhieb, weil ich mich ein bisschen in ihr selbst erkannt hab: sie ist sehr sarkastisch, hat eine Abneigung gegen Hello Kitty, hört Nine Inch Nails (die ich zwar nicht höre, aber die Musikrichtung ist definitiv schon mal richtig) und ist die typisch "faule" Studentin (die ich zwar auch nicht bin, aber zumindest gerne wäre). Am Anfang wirkte sie noch etwas naiv auf mich, was wohl daran liegt, dass sie gerade erst in der Großstadt angekommen ist und mit dem Studium begonnen hat. Mit der Zeit legt sie diese Naivität jedoch ab und und besticht durch ihr verantwortungsbewusstes und vernünftiges Auftreten. 
Die Geschichte spielt abwechselnd in der virtuellen und der realen Welt, denn (entgegen der Vorurteile bezüglich Gamern) hat Elayne ein ausgesprochen reges Sozialleben. Besonders mit ihrem Mitbewohner Tobi und mit Jill und Antonius (aka Marc), die sie über Fine Line kennengelernt hatverbringt sie viel Zeit. Obwohl Antonius sich meistens wie ein ziemlicher Mistkerl verhält und er Elayne am Anfang gänzlich unsympathisch war, entwickelt sich zwischen den beiden gleich beim ersten Treffen so etwas wie eine Beziehung. Mir persönlich war der Umschwung etwas zu plötzlich, aber für die Handlung war die Beziehung der beiden äußerst wichtig, da Antonius zu ihrer Vertrauensperson wird. Er war zugegebenermaßen auch meine absolute Lieblingsfigur, auch wenn ich nicht so recht aus ihm schlau geworden bin. Mal war er miesepetrig, grob und distanziert, dann wieder besorgt, süß und aufmerksam. Deshalb kann ich es auch gut verstehen, dass Elayne trotz seiner fiesen Kommentare sich in ihn verliebt hat. 
Für mich als Freizeitgamerin hatte die Geschichte ziemliches Suchtpotential. Ich habe automatisch das Verlangen gehabt, selbst bei Fine Line einzusteigen und mich durch die Welt zu metzeln. ich kann allerdings nicht sagen, ob dieser Effekt auch bei Nicht-Zockern entsteht. Demzufolge waren besonders die ersten Kapitel purer (Lese-)Genuss, auch wenn die Geschichte noch vor sich hinplätschert. Erst nach dem ersten Drittel wird es mysteriös und damit tatsächlich spannend, als Elayne das ominöse Päckchen erhält und damit die Probleme beginnen. Indem sie ihre Seele über die "Aorta" an das Spiel koppelt, kann sie tatsächlich darin herumwandern. Ein wahrgewordener Traum für einen Gamer!
Anfangs hatte ich geglaubt, die Xanadu wären in der "die Bösen" in Fine Line, aber schon bald habe ich gemerkt, wie falsch ich damit lag. Das Programm wurde von Jey entwickelt, einem 12-jährigen Jungen, dem das normale Spiel einfach zu langweilig war und es einfach "verbessern" wollte - ein ziemlich harmloser Zweck. Erst andere, die sich unbefugt an der Software zu schaffen machen, stören die Verbindung, sodass die Personen in den Körpern ihrer Avatare gefangen sind und nicht mehr aus der Spielwelt fliehen können. Allein die Vorstellung ist gruselig und hat in mir klaustrophobische Zustände ausgelöst. Die Bedrohungen und Gefahrensituationen beschränken sich allerdings nicht auf die Spielwelt, sondern dehnen sich auch auf die reale Welt aus, da hinter jedem Avatar nun einmal immer eine reale Person steckt. Dadurch wird das Geschehen zunehmend brisanter und aufregender. Im Verlauf der Handlung häufen sich die Spannungshöhepunkte, die sich vor allem in der Welt von Fine Line abspielen. Zwischendurch gibt es allerdings kleine "Verschnaufpausen" durch das Alltagsgeschehen in der realen Welt. Ich hatte zwar manchmal das Gefühl, dass diese Szenen die Handlung ausbremsen, aber sie waren trotzdem unterhaltsam bzw. eine nette Abwechslung und für den ein oder anderen möglicherweise auch interessanter als das Spiel. 
Das Ende schließlich hat meine Vermutungen bestätigt deswegen verrate ich auch nicht, welche es waren), war aber trotzdem ein ziemlicher Schock, da es so abrupt kam. Die Gefahr scheint vorerst oberflächlich gebannt, ist es aber im wahren Leben nicht. Im Gegenteil scheint sie sich dort noch vergrößert zu haben. Es endet also mit einem Cliff-Hanger, der Lust auf mehr macht. Viele Fragen sind einfach noch offen geblieben, die hoffentlich im zweiten Band geklärt werden.

Fazit

Fine Line - Create your character ist ein absolut leserfreundlicher Roman. Man wird zwar zunächst mit etwas Fachjargon überhäuft, aber alles wird nachvoll- ziehbar erklärt. Auf technische Einzelheiten, wie die Aorta programmiert wurde und wie genau sie funktioniert, wird bewusst verzichtet. Das ist ganz gut so, denn sie hätten mich wahrscheinlich überfordert. Gamer und Nicht-Gamer kommen hier also gleichermaßen auf ihre Kosten. 
Das Spiel selbst wirkt absolut interessant und fesselnd (vielleicht hat ja irgendein Softwareprogrammierer Interesse es zu entwickeln?!), aber auch darüber hinaus bietet die Handlung einige spannende Momente. Ich hätte mir ledig- lich gewünscht, dass einzelne Charaktere intensiver beschrieben werden würden, denn die meisten gehen neben Elayne, Jill und Antonius einfach unter. Vielleicht ändert sich das im zweiten Teil. 


0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen