Mittwoch, 24. Juni 2015

REZENSION: "Die besten Freunde meines Lebens" (Sam Baker)

Copyright Diana Verlag

Titel: Die besten Freunde meines Lebens

Autor: Sam Baker

Genre: Roman / Liebesroman

Verlag: Diana Verlag

Erscheinungsjahr: 2013

Format: Taschenbuch (9,99 €)

Seiten: 496

ISBN: 978-3-453-35738-9


Inhalt

Seit ihren College-Zeiten waren Nicci, Mona, Lizzie und Jo unzertrennlich. Doch nun ist Nicci tot und hinterlässt ein klaffendes Loch im Leben der Freundinnen, ihres Ehemanns David und ihrer zwei Töchter. Um diese Lücke zu füllen, hat sie sich vor ihrem Tod einen Plan zurechtgelegt, denn Nicci wäre nicht Nicci, wenn sie nicht für ihre Liebsten gesorgt hätte. Für jede ihrer Freundinnen hat sie einen Brief verfasst, in dem sie sich von ihnen verabschiedet und ihnen etwas hinterlässt: Lizzie soll ihren Garten bekommen, Jo ihre Zwillinge und Mona ihren Ehemann. Eine völlig abwegige Idee. Oder doch nicht? 


Cover

Die Buchgestaltung hat etwas Romantisch-Verspieltes, was mich sofort angesprochen hat. Es ist eins dieser Motive, das sich auch als Bild oder Wandtattoo wunderbar in der Wohnung eignen würde. Ein weiterer Hingucker sind die Ornamente, die auf dem dezenten Grün aufgedruckt sind und mit dem dem Gartenmotiv harmonieren. Davon abgesehen hat mich zugegebenermaßen auch das abgedruckte Zitat von Jojo Moyes geködert, da ich ihre Bücher liebe und mir dachte, was sie selbst gut findet, kann nicht verkehrt sein.

Meine Meinung

Durch den Klappentext hatte ich ziemlich große Erwartungen an den Roman, der eine chaotische, aufregende Geschichte versprach. Leider haben sich diese Erwartungen nicht erfüllt. Schon von Anfang an war recht absehbar, dass sich Niccis Pläne nicht in der Weise erfüllen würden, wie sie es sich gedacht hat. Das war soweit kein Problem, denn das Interessante war nun, zu sehen, welche anderen Wege die drei Freundinnen einschlagen würden. Allerdings haben sich nicht ganz die dramatischen Wendungen und Abweichungen ergeben, die ich mir erhofft habe.  
Der Aufbau war zunächst sehr vielversprechend, da ich es immer sehr mag, wenn es in einer Geschichte Rückblenden gibt. Dadurch hat man wichtige Ereignisse in Niccis Leben miterleben können: wie sie Mona, Lizzie, Jo und David kennengelernt hat, die Hochzeit von David und ihr oder die Taufe ihrer beiden Töchter. Aber auch durch das gegenwärtige Geschehen hat man einiges über ihre Vergangenheit erfahren, um den sie immer den Mantel des Schweigens gehüllt hatte. Durch das plötzliche Auftauchen ihrer Mutter treten nach und nach einige Geheimnisse ans Licht, sodass sich die Freundinnen und ihr Mann zu fragen beginnen, ob sie Nicci überhaupt gekannt haben. Allerdings waren auch diese neuen Erkenntnisse bei Weitem nicht so fulminant wie sie hätten sein können.
Davon abgesehen hatte ich auch so meine Probleme mit den Charakteren an sich, die zusammen eine schöne Dynamik haben, aber voneinander isoliert betrachtet etwas fad sind. Keine(r) hat besonders herausgestochen, denn in der Gruppe ist Nicci immer die etwas Außergewöhnliche bzw. Auffällige gewesen. Ihr Mann David ist zwar süß und freundlich, aber auch etwas "lasch" und farblos. Oder um es milder ausdrücken: schlichtweg zu normal. Ich kann zwar gut verstehen, dass Nicci gerade diese Normalität an ihm geschätzt und geliebt hat, aber für die Handlung war das nicht unbedingt vorteilhaft. Er spielt zwar eine wichtige Rolle, aber ich hatte immer den Eindruck, als wäre er relativ inaktiv. Im Grunde hat er seine komplette Freizeit entweder mit seinen Kindern oder mit Niccis Freundinnen verbracht. Hätte es sie nicht gegeben, wäre er wohl völlig hilflos gewesen. Und auch wenn es vielleicht böse klingt, aber zwischendurch habe ich mich doch gefragt, ob er selbst denn überhaupt keine Freunde hat. Für einen so freundlichen Menschen fand ich das dann doch sehr eigenbrötlerisch.
Mit Jo ging es mir ähnlich. Auch sie hat keinen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Die einzigen interessanten Passagen mit ihr waren die Szenen mit ihrem Mann Si, da die beiden eine sehr liebevolle Beziehung führen. Sie hatten zwar kleinere Reibereien, die vor allem darauf basieren, dass sie versuchen. gemeinsame Kinder zu bekommen, es aber nicht klappt, aber sie haben immer sehr viel Verständnis füreinander gezeigt. Das konnte man von Lizzie und Greg nicht behaupten. Greg war vollkommen unausstehlich mit seiner überholten Vorstellung von der Rollenaufteilung in einer Beziehung (Mann als Geldverdiener, Frau am Herd). So etwas treibt mich immer zur Weißglut und ich habe einfach nicht verstanden, warum sie nicht gesehen hat, wie wenig sie zueinander passen bzw. warum sie bei ihm geblieben ist. Am liebsten hätte ich sie die ganze Zeit angeschrien, sie solle für sich selbst eintreten. Deshalb habe ich auch innerlich gejubelt, als sie es endlich getan hat.
Mona mochte ich zu Beginn nicht so richtig, was wahrscheinlich daran lag, dass sie eine Affäre mit einem verheirateten Mann hat (das finde ich immer etwas schwierig). Sie erschien mir zu oberflächlich und passte auch meiner Meinung nach überhaupt nicht zu David. Wie alle anderen habe ich mich gewundert, was Nicci sich bei ihrer "Wunschkonstellation" eigentlich gedacht hat. Der Gedanke dahinter war wahrscheinlich, dass sie sich für Mona ein ebenso großes Glück gewünscht hat, wie sie es mit David erleben durfte. Allerdings braucht Mona keinen Mann, um glücklich zu sein, was, wie ich finde, auch mal ein gutes Statement ist. Der wichtigste "Mann" in ihrem Leben ist ihr Sohn Dan, der zwar als typischer Teenager nicht auf öffentliche Liebkosungen steht, aber seine Mutter doch von Herzen liebt. Von seiner Seite hätte ich mir noch ein bisschen mehr Input gewünscht, denn er war im Prinzip derjenige, der Mona die Augen geöffnet hat.
Im Verlauf des Romans ist auch Niccis eigentliche Idee, den anderen verschiedene Dinge ihres Lebens zu "vererben" irgendwie abhanden gekommen. Sie wurde zwar immer mal wieder thematisiert, aber hat den Verlauf nicht maßgeblich beeinflusst. Die Briefe waren lediglich der Aufhänger und hätten noch deutlich mehr ausgebaut werden können, um der Handlung mehr Spannung zu verleihen. Sie war meiner Meinung nach zu langatmig, wodurch die ich die Lektüre zwischendurch als etwas anstrengend empfand. Es passiert zwar schon eine Menge, aber keines der Ereignisse hat mich wirklich ergriffen oder gefesselt. Erst gegen Ende kommt ein bisschen Schwung in die Geschichte, aber nach diesem vergleichsweise turbulenten Hergang flacht die Story relativ schnell wieder ab. Vom Schluss bin ich auch nicht so recht begeistert. Er ist für meinen Geschmack zu idyllisch geraten. Zwar ist der Ausgang nicht perfekt, aber unter den gegebenen Umständen zu kitschig. Ich habe mich zwar für alle gefreut, aber irgendetwas hat mir gefehlt.

Fazit

Die besten Freunde meines Lebens hätte ein außergewöhnliches Buch werden können, Der Ansatz ist gut, aber leider ist die Umsetzung nicht überwältigend. Sowohl die Handlung als auch die Charaktere hätten wesentlich mehr Würze vertragen. Zwar lässt sich der Roman stilistisch gut lesen, aber er hat mich nicht vom Hocker gehauen.



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