Sonntag, 21. Juni 2015

REZENSION: "Das unendliche Meer" (Rick Yancey)

Copyright Goldmann Verlag

Titel: Das unendliche Meer

Autor: Rick Yancey

Genre: Roman / Dystopie

Verlag: Goldmann Verlag

Erscheinungsjahr: 2015

Format: Hardcover (16,99 €)

Seiten: 352

ISBN: 978-3-442-31335-8

Inhalt

Nach der Wiedervereinigung mit ihrem Bruder Sam und ihrer ehemaligen High School-Bekanntschaft, ist die Gefahr für Cassie noch immer nicht gebannt. Keiner der Überlebenden weiß, was der Feind  als Nächstes plant. Einzig allein Evan Walker kann etwas Licht ins Dunkel bringen, doch ist dieser spurlos verschwunden. Als es schließlich doch zu einem Wiedersehen kommt, hat er seine Ex-Freundin Grace im Schlepptau. Auch sie ist ein Silencer, aber anders als Evan hat sie kein Erbarmen mit den Menschen. Fliehen ist keine Option und Angriff war schon immer die beste Verteidigung. Doch gegen wen genau müssen sie sich eigentlich verteidigen?    

Cover

Das Cover fällt vor allem durch den Kontrast zwischen Schwarz und Gold auf und besticht durch seine glänzende, hochwertige Oberfläche. Durch das Gold wirkt es, als wäre die abgebildete Halle lichtdurchflutet. Man fühlt sich gewissermaßen vom Licht geblendet, weshalb man auch die Person, die auf einen zuschreitet, nicht erkennen kann. Diese Ungewissheit hat es etwas unterschwellig Bedrohliches, das gut zur Story passt. Es ist nie klar, aus welcher Richtung die Gefahr kommt und wem man vertrauen kann.  

Meine Meinung

Nachdem ich den ersten Teil Die fünfte Welle gelesen uns ziemlich begeistert war, war ich natürlich sehr gespannt auf Band 2. Vor allem, da die Rezensionen, die ich dazu gelesen habe, sehr unterschiedlich ausgefallen sind: von Lobpreisungen bis hin zur Ablehnung war im Grunde alles dabei. Ich persönlich finde, dass es keineswegs eine missglückte Fortsetzung geworden ist. Der Erzählstil harmoniert wieder sehr gut mit der Handlung, d.h. man findet keine langatmigen Landschafts- und Personenbeschreibungen. Stattdessen konzentriert sich Rick Yancey auf das Geschehen, in dem sich die Ereignisse nahezu überschlagen, weshalb die Erzählung etwas hektisch wirkt. Insgesamt ist es auch wesentlich brutaler und blutiger als der erste Teil. Stellenweise ist es ein einziges Gemetzel. denn ich hatte das Gefühl, dass ständig irgendetwas explodiert und Menschen bzw. die übernatürlichen Wesen sterben. Das Geschehen baut also eindeutig auf Action anstatt auf großes Gefühlskino und deshalb gehen die zwischenmenschlichen Beziehungen auch sehr unter. Sie erschienen nur schwach skizziert, es gab mehrfach angedeutete Gefühlsregungen und süße Gesten, doch eben in stark reduziertem Umfang. Deshalb ist es auch etwas schwierig gewesen, sich in die einzelnen Personen einzufühlen. Man erfährt nur wenig über sie, was ich zum Beispiel in Bezug auf Dumbo sehr schade finde, da ich seine Art und Weise ziemlich niedlich finde. Meiner Meinung nach würde er gut zu Cassie passen, allerdings mag ich auch die Szenen zwischen ihr und Evan und so ganz sicher bin ich mir nicht, ob ihre ehemaligen Gefühle für Zombie schon ganz aus der Welt geschafft sind.  
Ich denke, das Hauptproblem liegt im strukturellen Aufbau. In Die fünfte Welle war gewissermaßen ein Mission gegeben, denn sowohl Cassie als auch Zombie hatten es sich zur Aufgabe gemacht, Cassies Bruder Sam wiederzufinden und zu retten. Da sie ihr Ziel erreicht haben, fehlt nun jeder Orientierungspunkt, was als nächstes geschehen soll. Sie besitzen nicht genügend Informationen, um eindeutig zuordnen zu können, wer die Guten und wer die Bösen sind. Also besteht ihre Hauptaufgabe im Grunde darin, zu überleben. Erst ab der Hälfte bekommt man einige Anhaltspunkte und langsam deckt sich der Plan auf, der hinter der systematischen Vernichtung der Menschheit steht. Aber auch das geschieht nur puzzleartig, denn die Handlung springt von einem Ort bzw. einer Person zur nächsten, sodass man immer das Gefühl hat, man erlebt nur Bruchstücke des Ganzen mit, später führen allerdings einzelne Handlungsstränge wieder zusammen.
Was man dem Buch auf jeden Fall zugute halten muss, sind die vielen unerwarteten Wendungen. Wenngleich ich nicht von allen begeistert bin, so haben sie mich doch immer wieder schockiert. Charaktere, von denen ich es nicht erwartet habe, sterben, erweisen sich als heldenhaft oder werden mir überraschend sympathisch. Während ich zum Beispiel anfangs eindeutig Cassies Feindseligkeit und Abneigung gegenüber Ringer (Marika) geteilt habe, habe ich doch langsam deren Verhalten besser verstanden. Sie gehört zwar noch immer nicht zu meinen Lieblingsfiguren, doch allmählich werde ich mit ihr warm, was wohl auch zum großen Teil an ihren Gefühlen für Razor liegt. Dadurch wirkt sie nicht mehr so hart und abgebrüht auf mich, wie sie immer vorgibt zu sein.  
Auf jeden Fall war die Geschichte zu keinem Zeitpunkt vorhersehbar, denn Charaktere verschwinden plötzlich oder es werden neue eingeführt, oder entpuppen sich als Verräter. Genau das hat mich auch immer zum Weiterlesen verleitet. Der Schluss kam, wie schon beim ersten Teil, recht abrupt und lässt viele Fragen offen. Im Gegensatz zum restlichen Geschehen hatte er aber schon fast etwas Romantisches. 

Fazit

Das unendliche Meer zeichnet sich vor allem durch seine Situationsdynamik aus, wodurch soziale Beziehungen eher auf der Strecke bleiben. Die Personencharak- terisierungen sind definitiv noch ausbaufähig, auch wenn sich das gegen Ende bessert. So richtig bin ich mir noch nicht darüber im Klaren, worauf die Handlung hinausläuft, aber eben das macht die Spannung der Reihe aus. Für Neu- bzw. Quereinsteiger ist das Buch wahrscheinlich nicht empfehlenswert, denn ich bezweifle, dass Das unendliche Meer ohne den ersten Teil viel Sinn ergibt. 


Die Rezension zu Teil 1 Die fünfte Welle findet ihr HIER.

Copyright Goldmann Verlag

5 Kommentare:

Nadine Herr hat gesagt…

Hallöchen,

eine schöne Rezension zu dem Buch, das Buch wartet schon auf meinem „To read“ Stapel und ist als nächstes dran ;)
Bin gespannt wie es mit geht.
Du hast einen sehr süßen Blog, bleibe sehr gerne als Leser bei dir :-*

Nadine ♥

Katharina Piske hat gesagt…

Hallo, schön, dass dir die Rezi gefällt - hoffentlich tut es das Buch auch ;) Ich freu mich zumindest schon auf den dritten Teil.

Liebe Grüße,
Katha

Anonym hat gesagt…

Hallo, vielleicht könnt ihr mir weiter helfen. Ich habe das Buch vor einem Jahr gelesen und will nun den 3. Teil lesen. Ich bräuchte aber vorher eine genaue zusammenfassung. Zb auch das genaue Ende. Ein das Buch nicht nochmal Lesen. Finde im Internet immer nur den Klapptext
... ideen?
Danke Christina

Katharina P. hat gesagt…

Hey Christina,
um ehrlich zu sein, hat mir exakt dieser Part im letzten Teil auch ein paar Probleme bereitet. Mein Gedächtnis war auch nicht sonderlich frisch. Deswegen habe ich mal ein wenig weiterrecherchiert. Die Basics sind
- Ben, Cassie, Teacup, Nugget (Sam), Ringer, Dumpo und Poundcake haben zusammen in einem Hotel Zuflucht gesucht; Ben hat eine infizierte Wunde.
- Ringer und Teacup lassen sich sozusagen von Vosch und seinen Leuten gefangennehmen,da Teacup dringend Medizin braucht
- Ben und Cassie machen sich auf die Suche nach den beiden, lassen Sam zurück
- Evan wacht verwundet auf und wird von einer Frau namens Grace versorgt, die er von früher kennt; er misstraut ihr allerdings, überwältigt sie und flieht, schafft es zum Hotel
- Ben und Evan treffen dort aufeinander und geraten in einen Kampf (Kerle halt)
- Evan erzählt den anderen, in welche Richtung er Teacup und Ringer hat gehen sehen; sie wollen ihnen folgen, aber da Evan verletzt ist, lassen sie ihn zurück; Ben und Cassie teilen sich auf
- man erfährt etwas zu Poundcakes Vergangenheit und warum er nicht redet; er wird allerdings verwundet und stirbt später
- unterdessen befindet sich Ringer in Gefangenschaft; Vosch versucht sie beim Schachspielen auszufragen (mentales Battle zwischen den beiden), lernt dort Razor kennen, der ihr immer ihre Mahlzeiten bringt und verliebt sich später in ihn
- Vosch implantiert irgendetwas (weiß nicht mehr, wie es heißt) in ihr Gehirn, was ihr nicht gut bekommt
- zusammen mit Razor heckt sie einen Plan aus, wie sie fliehen kann, was ihr schließlich mit Teacup fast gelingt, allerdings hat Razor sie (glaube ich) die ganze Zeit angelogen (seine Gefühle für sie sind aber echt), sodass sie dann irgendwie wieder bei Vosch landen
- Vosch klärt sie darüber auf, dass niemals Aliens auf der Erde eingetroffen sind, sondern sie sich das nur ausgedacht haben
- es kommt später zu einem erneuten Fluchtversuch, bei dem Razor erschossen wird und Ringer entkommt
- Buch endet damit, dass Evan die Gruppe im Wald wiederfindet und er und Cassie somit vorerst wiedervereint sind

So, das war's im Groben. Hoffentlich hilft das weiter und ich hab nix Falsches erzählt :-)

LG, Katha

Anonym hat gesagt…

Vielen lieben Dank. Das hilft mehr sehr weiter und ich kann mir dem letzten Teil starten. LG Christina

Kommentar veröffentlichen