Dienstag, 30. Juni 2015

REZENSION: "Das Meer in deinem Namen" (Patricia Koelle)

Copyright S. Fischer Verlag

Titel: Das Meer in deinem Namen

Autor: Patricia Koelle

Genre: Roman

Verlag: S. Fischer Verlag

Erscheinungsjahr: 2015

Format: Taschenbuch (9,99 €)

Seiten: 544

ISBN: 978-3596031887


Inhalt:

Carly hat gerade ihr Studium im Bereich Astronomie abgeschlossen und hängt nun sowohl beruflich als auch privat erst einmal in der Luft. Da bietet sich ihr eine großartige Gelegenheit: Sie soll ein gemütliches Häuschen in Ahrenshoop an der Ostsee ausräumen und für den Verkauf vorbereiten. Das ist ihre Chance, ihrem Alltag zu entkommen und außerdem ihre tief verwurzelte Angst vor dem Meer endlich zu überwinden. Kaum ist Carly in Ahrenshoop angekommen, übt der Ort eine beinahe magische Anziehungskraft auf sie aus - zum ersten Mal in ihrem Leben fühlt sich richtig zuhause. Und dann wäre da noch die mysteriöse Vorbesitzerin Henny, deren Geschichte voller Geheimnisse zu sein scheint und die Carly außerdem merkwürdig ähnlich sieht...

So gefällt mir das Cover:

Das Cover macht direkt Lust auf Meer, denn es zeigt eine weite See und einen blauen, von sanften Wolken durchzogenen Himmel, was mich an einen Sommertag mit leichter Brise denken lässt. Im Vordergrund sind außerdem die Dünen und ein typisches Reetdach-Haus sowie eine davonfliegende Möwe zu sehen. Es passt alles wunderbar zusammen und lässt eine sommerliche Geschichte zum Träumen und mit jeder Menge Urlaubsfeeling erwarten.

Meine Meinung:

Vorab möchte ich mich beim S. Fischer Verlag sowie bei lovelybooks.de für das Leseexemplar bedanken, das ich im Rahmen der Fischer Lesechallenge im Juni zur Verfügung gestellt bekam. Außerdem bei Patricia Koelle, die an der Leserunde teilgenommen und fleißig mit uns diskutiert und unsere Fragen beantwortet hat. Es hat wirklich Spaß gemacht :)

Ich muss sagen, dass ich noch nie ein Buch gelesen habe, das an der Ostsee spielt und deswegen war ich ganz besonders gespannt darauf. Zunächst beginnt die Handlung jedoch in Berlin, der Heimatstadt der Protagonistin Carly, welche vor allem im ersten Fünftel ausgiebig vorgestellt wird - ebenso ihre große, unerfüllte Liebe Thore, ihr bester Freund Orje, ein Drehorgespieler, ihre etwas exzentrische Freundin Miriam, ihr versnobter Bruder Ralph und ihre Tante Alissa, bei der Carly aufgewachsen ist. Im Laufe der Geschichte kommen noch viele weitere Charaktere hinzu, die alle liebenswert gezeichnet und auf ihre eigene Art und Weise jeweils sehr speziell sind. Die Wichtigste von ihnen ist ohne Frage Henny, Thores verstorbene Tante und die Frau, deren Haus Carly für den Verkauf herrichten soll. 
Carly war mir zu Beginn zwar sympathisch, aber auch etwas befremdlich. Ihre Unbekümmertheit und ihre Liebe zu den Sternen haben mir von Anfang an imponiert. Nicht nachvollziehen konnte ich allerdings ihre naive Liebe zu ihrem ehemaligen Professor Thore, einem verheirateten Mann, dem sie als persönliche Assistentin jeden Wunsch von den Lippen abliest. Man bekommt den Eindruck, dass Thore ihre Gutmütigkeit und ihre Schwäche für ihn ausnutzt und hofft Seite für Seite inständig darauf, dass Carly sich irgendwann von ihrer Zuneigung lösen kann. Als sie dann jedoch in Ahrenshoop an der Ostsee eintrifft, beginnt sich, ihr Wesen zu entfalten und sie wächst immer weiter über sich hinaus, was sie zu einem sehr bewundernswerten Charakter macht. Es zeigen sich außerdem viele Parallelen zu der mysteriösen Henny, die überall in Ahrenshoop und vor allem in ihrem charmanten Haus Naurulokki (Finnisch für Lachmöwe) ihre Spuren hinterlassen hat. Carly taucht ein in Hennys Leben und stößt dabei auf so manches Geheimnis, das auch mit dem verschollenen Künstler Joram zu tun hat.
Zwischendrin gibt es immer wieder Kapitel, in denen aus Hennys Perspektive erzählt wird. Diese sind jedoch sehr geheimnisvoll und für meinen Geschmack etwas zu kurz, sodass sie weniger über die Person Henny verraten, als das Wirrwarr von Geheimnissen noch weiter zu spinnen und ab und an auch den Lesefluss etwas zu stören. Unglaublich gut gefallen haben mir hingegen die zahlreichen Notizen, Zettelchen und Briefe, auf die Carly während ihrer Arbeit im Haus stößt und die eine tiefe Verbundenheit zwischen Henny und dem geheimnisvollen Joram offenbaren und in ihr den Wunsch wecken, herauszufinden, was mit ihm passiert ist. Zusätzlich bindet Koelle originelle Rezepte der Gerichte in den Text ein, die Carly und ihre Freunde kochen und genießen, was einen als Leser auf besondere Weise an der Geschichte teilhaben lässt und einem natürlich auch Hunger macht. :D Einige der Rezepte werde ich sicherlich mal ausprobieren.
Während die Geschichte in meinen Augen besonders in der Mitte ein wenig ins Stocken geriet und auf der Stelle trat, ist es vor allem Koelles unheimlich flüssiger und irgendwie auch romantischer Schreibstil, der mich immer am Ball bleiben ließ. Besonders bildgewaltige Beschreibungen des idyllischen Küstenstädtchens Ahrenshoop und ein hervorragendes Einfühlsungsvermögen und Gespür, wenn es um die Beschreibung der Charaktere geht, machen die Geschichte lockerleicht und verträumt, auch wenn sie nicht durchgehend so spannend ist, wie ich es mir erhofft hatte. Der Roman lebt für mich vor allem durch die liebevolle Beschreibung des Häuschens Naurulokki, das eine ganz eigene Magie ausströmt und es vermag, alle Personen miteinander zu verbinden. Naurulokki ist ein kuscheliges und ganz spezielles Heim, zu dem jeder irgendwie zurückkommt und in das man sich als Leser nur zu gerne hineinwünscht.
Insgesamt ist die Geschichte eine Geschichte zum Wohlfühlen, gewürzt mit ein paar Geheimnissen, scheinbar unüberwindbaren Ängsten und vor allem sehr liebenswerten und charmanten Charakteren. Sehr erfrischend fand ich es, dass keine aufgeblähte und erzwungene Liebesgeschichte enthalten war, denn das muss nicht immer sein und hätte hier wohl eher kitschig und übertrieben gewirkt. Ein bisschen mehr Spannung und der Roman wäre für mich perfekt gewesen, aber auch so dürfte er jedem gefallen, der sich hin und wieder gern an die See entführen lässt und Lust auf ein paar vergnügliche und sommerleichte Lesestunden hat.


Mein Fazit:

Erwartet habe ich eine sommerliche und verträumte Geschichte voller Geheimnisse und spannender Entdeckungen. Das einzige, was ich vor allem in der Mitte des Romans vermisst habe, war die Spannung, denn hier wirkte er etwas langgezogen und aufgebläht. Das traumhafte Setting, die speziellen und dabei sehr liebenswerten Charaktere und vor allem die originelle Umsetzung mit Briefen und Rezepten, die die Geschichte untermalen und auflockern, und einem wirklich fantastischen Schreibstil, machen Das Meer in deinem Namen jedoch zu einem ganz besonderen Leseerlebnis. Der Roman erzählt davon, wie ein ruhiger und wunderschöner Ort dabei hilft, zu sich selbst zu finden, und auch davon, was wahre Freundschaft bedeutet. Daher bin ich gespannt auf die beiden nachfolgenden Teile, denn ein paar Geheimnisse warten ja noch darauf, gelüftet zu werden.


Die Reihe:

1. Band: Das Meer in deinem Namen
3. Band: Der Horizont in deinen Augen (23.6.2016)

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