Dienstag, 9. Juni 2015

REZENSION: "Aprikosensommer" (Deniz Selek)

Copyright S. FISCHER Verlag


Titel: Aprikosensommer

Autor: Deniz Selek

Genre: Jugendroman

Verlag: S. Fischer Verlag

Erscheinungsjahr: 2015

Format: Taschenbuch (9,99 €)

Seiten: 288

ISBN: 978-3733500665

Inhalt:

Alles beginnt mit einem richtig miesen Tag für Eve: Erst verlässt sie aus heiterem Himmel ihr Freund Matteo und dann schneidet sie sich im Werken-Unterricht auch noch richtig schlimm in den Finger. Eve ist sich sicher: Hätte sie einen Vater in ihrem Leben, dann wäre das nicht passiert! Denn alles, was sie von ihrem Vater weiß, ist dass er eine flüchtige Urlaubsbekanntschaft ihrer Mutter war und dass er in der Türkei lebt. Eves Wunsch, ihn endlich kennenzulernen, ist stärker denn je und so überredet sie ihre Mutter schließlich dazu, in Istanbul nach ihm zu suchen. Auf der Suche nach ihrem Vater findet Eve auch endlich mehr zu sich selbst und außerdem zu Sinan, ihrem attraktiven Dolmetscher, in den sie sich gleich zu Beginn der Reise verguckt...


So gefällt mir das Cover

Das Cover sticht sofort ins Auge, denn es wirkt besonders sommerlich und außerdem orientalisch und verträumt. Vor allem die Kombination aus der Silhouette Istanbuls, den orientalischen Mandalas und dem einzelnen, verzweigten Ast finde ich sehr gelungen. Insgesamt macht das Cover also wirklich Lust aufs Lesen.

Meine Meinung

Eve ist ein ganz normales, 15-jähriges Mädchen mit Ängsten, Wünschen und einem ziemlichen Dickkopf. Sie lebt bei ihrer Mutter in Berlin und hat ihren Vater niemals kennengelernt, was ihr mehr und mehr zu schaffen macht, denn dieses Puzzlestück fehlt ihr auf der Suche nach ihrer eigenen Identität. Das ist vor allem für mich sehr gut nachvollziehbar, denn ich bin selbst ohne Vater aufgewachsen, allerdings wusste ich im Gegensatz zu Seleks Protagonistin, wer er war. Trotzdem war mir Eve von Anfang an sehr nahe. Sie ist auf eine liebenswerte Art trotzig und so verbissen in eine Sache, wie Teenager es nun einmal sind. Dass sie sich nicht ganz so gut mit ihrer Mutter versteht, liegt auf der Hand und ist ebenfalls recht typisch für einen pubertären Teenager. So fixiert sie sich sehr auf ihre Freunde und vor allem auf ihren ersten richtigen Freudn, Matteo, der sie daraufhin verlässt.
Nähe zur Protagonistin schafft außerdem die Erzählperspektive, denn Eve ist nicht nur Hauptperson, sondern auch Ich-Erzählerin. Und so kämpft man an ihrer Seite gegen (wie es zunächst scheint) Windmühlen, zickt die beste Freundin an und erlebt schließlich mit, wie sie zum ersten Mal in ihrem Leben nach Istanbul reist, um ihren Vater und den Rest ihrer türkischen Familie zu finden und kennenzulernen. Aus der Sicht einer 15-Jährigen erzählt, ist die Geschichte mal komisch, mal tragisch und vor allem sehr ehrlich und warmherzig. Sie liest sich leicht und angenehm und scheint sanft dahinzufließen - was hervorragend zum sommerlich frischen Titel des Romans passt.
Besonders gut haben mir die Passagen gefallen, in denen Eve zusammen mit ihrer Mutter und dem 17-jährigen Dolmetscher Sinan Istanbul erkundet. Selek beschreibt die Stadt (die sie nach Angabe des Klappentextes selbst sehr liebt) äußerst anschaulich und so taucht man ein in die magische Stadt Istanbul und beneidet Eve vielleicht sogar ein bisschen darum, diesen Ort nun ihre Heimat nennen zu kennen.
Das Ende ist dann wenig überraschend und vielleicht ein wenig zu optimistisch, aber es tut gut und gibt einem das Gefühl, dass im Leben doch das ein oder andere richtig gut laufen kann. Allerdings hätte ich mir einen noch detaillierteren Einblick in den türkischen Alltag und vor allem die (anscheinend) wunderschöne Stadt Istanbul gewünscht. Der Teil, der dort spielt, ist mir persönlich zu kurz ausgefallen. Auch wäre es schön gewesen, wenn man Sinan etwas besser kennengelernt hätte, denn so richtig leidenschaftlich wirkt die sich anbahnende Romanze zwischen ihm und Eve meiner Meinung nach nicht.

Mein persönliches Fazit

Aprikosensommer ist ein kurzweiliger, leichtfüßiger und sehr einfühlsam erzählter Jugendroman über ein Mädchen, das nach mehr als 15 Jahren auf der Suche nach ihrem Vater und auch ein bisschen nach sich selbst ist. Er überzeugt mit einer sehr authentischen Protagonistin und sowohl witzigen als auch berührenden Momenten und vor allem mit einem zauberhaften Setting: der Stadt Istanbul. Allerdings war mir dir Vorgeschichte im Verhältnis zum großen Thema des Romans (der Reise in die Türkei, das Zusammentreffen mit Sinan und die Suche nach Eves Vater) etwas zu ausgedehnt, weshalb eben diese Dinge ein wenig zu kurz kamen. Noch ein bisschen mehr Tiefgang und die Geschichte hätte noch packender und romantischer werden können - unterhaltsam und warmherzig ist sie jedoch auf jeden Fall.


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