Dienstag, 16. Juni 2015

INTERVIEW mit Jordis Lank


Dass Bücher nicht einfach so vom Himmel fallen, ist uns ja allen bekannt. Hinter jeder Geschichte, die wir lesen, steckt eine Person, die sich die Figuren, die Orte und das Geschehen ausgedacht hat.
Heute möchte ich euch die Person vorstellen, aus deren Feder die Raukland-Trilogie stammt, deren ersten Teil Rauklands Sohn ich kürzlich lesen durfte: Jordis Lank!
Freundlicherweise hat sie sich zu einem Interview bereit erklärt, in dem ich sie zu ihrem Autorendasein und zur Trilogie löchern durfte.


© Jordis Lank


Zunächst einmal möchte ich mich ganz herzlich bei dir für das tolle Rezensionsexemplar von Rauklands Sohn mit dieser schönen Widmung bedanken und dafür, dass du dich für ein Interview bereit erklärt hast. Auf deinem Blog habe ich gelesen, dass der dritte Band der Trilogie kürzlich „Geburtstag“ hatte – herzlichen Glückwunsch dazu! Wie war das damals für dich, als du das erste Exemplar in der Hand gehalten und später im Laden gesehen hast?

Danke schön für die Glückwünsche! Oh ja, jetzt ist Raukland schon ein Jahr alt! Es ist immer ein großer Moment, das erste Mal ein Buch in der Hand zu halten - endlich kann ich es anfassen, daran schnuppern und damit durch die Wohnung tanzen! Ich hab immer ein wenig Panik, dass ich es aufschlage und es wurde der falsche Text reingedruckt oder alles ist auf dem Kopf oder es fehlen Seiten :D Aber bislang war alles gut - Freude pur! 

Man sagt ja, dass man als Autor ein dickes Fell und viel Geduld haben muss, wenn man zum ersten Mal einen Roman veröffentlichen will. Selbst Manuskripte von Bestsellerautorinnen wie J.K. Rowling wurden mehrfach abgelehnt. Wie einfach oder schwierig war letztlich bei dir die Suche nach einem Verlag bzw. wie lange hat es gedauert bis du bei El Gato gelandet bist?

Ich habe nie einen Verlag gesucht, sondern gleich eine literarische Agentur, was aber leider ebenso schwer ist und viele Monate gedauert hat. Allein die Antwortzeiten von Verlagen und Agenturen sind durch die riesige Flut von eingesandten Manuskripten viele Wochen lang - von eine Agentur habe ich sogar erst nach 13 Monaten (!) eine erste Rückmeldung bekommen, da war ich allerdings schon unter Vertrag bei der Literaturagentur Lesen und Hören. Meine wunderbare Agentin Anna Mechler hat den Buchmarkt viel besser im Blick als ich, und steht mir bei allen Fragen zur Seite. Mir bleibt damit mehr Zeit für das, was ich am allerliebsten tue: Schreiben :)

Als ich mich ein wenig auf deiner Seite über dich informiert habe, habe ich gelesen, dass du eigentlich Softwareentwicklerin bist. Da liegt eine Affinität zum Schreiben und zur Literatur – zumindest meiner Erfahrung nach – nicht unbedingt nahe. Wie kommt man vom Entwickeln von Softwareprogrammen zum Schreiben? Hast du schon immer davon geträumt, Autorin zu werden?

Oh, ich kenne eine Menge Softwaredesigner, die Schreiben. Die Tätigkeiten sind einander gar nicht so unähnlich: Auch für Software benötigt man einen Plot (die Architektur) und es entsteht ein sehr komplexes Gebilde (ähnlich einer Geschichte), bei dem alles perfekt ineinandergreifen muss, damit es funktioniert. Und statt Testlesern gibt es bei Software Reviewer :) Die Logik und Komplexität dahinter ist die gleiche, auch wenn die Figuren in Geschichten viel, viel lebhafter sind als ein paar langweilige Variablen und die so technischen Programmiersprachen erzeugen auch weniger schöne Bilder im Kopf ;)
Ich habe schon zu Schulzeiten davon geträumt einmal mein eigenes Buch in den Händen zu halten. Geschrieben habe ich auch da schon immer, völlig wirre Agentenstories und haarsträubende Pferdegeschichten, aber nie einen Roman. Dann war ich berufstätig und redete mir erfolgreich ein, ich hätte gar keine Zeit, ein Buch zu schreiben. Der konkrete Auslöser für mein erstes Buch war dann ein Seminar meines Arbeitgebers. Die Seminarleiterin wollte uns dazu animieren, etwas Neues auszuprobieren: eine Kurzgeschichte schreiben. Eine Stunde hatten wir Zeit, dann sollten wir das Ergebnis den Teilnehmern vorlesen. Eine Stunde? Panik! Aber es ging tatsächlich. Ich fiel trotz Lärm und Gejammer um mich herum (meins war das lauteste) in eine Geschichte - und da habe ich begriffen, dass ich all die kleinen Zeiträume nutzen kann. Das Einzige, was ich tun musste, um mir den Traum vom eigenen Buch zu erfüllen, war: Anfangen.

Man geht ja prinzipiell davon aus, dass Autoren immer gerne und viel lesen. Wie sieht das bei dir aus? Gehörst du auch zu den Buchsüchtigen? Und wenn ja, liest du vor allem solche Geschichten, die in einem ähnlichen Genre und einer ähnlichen Welt angesiedelt sind wie die Raukland-Trilogie?

Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass es einen Autor gibt, der Bücher und Geschichten nicht abgöttisch liebt! Ich kann nicht einschlafen ohne Buch, und ich lese sogar, wenn ich im Risotto rühre oder mir die Zähne putze (doch, man kann einhändig umblättern! :D) Die meisten Autoren schreiben sicher, was sie selbst gerne lesen möchten - bei mir ist das jedenfalls so: Ich lese gerne Fantasy, Historische Romane oder auch mal Dystopien. Nicht so viel anfangen kann ich mit Krimis und Science Fiction, aber viel wichtig ist mir, dass sich die Figuren im Buch durch ihre Begegnungen und Erlebnisse verändern, so etwas lese ich immer gern – und darum geht es auch in der Raukland-Trilogie. 

Beim Lesen fragt man sich öfter, wie, wo und wann der Schriftsteller denn all diese wunderbaren Ideen für Figuren, Schauplätze oder die Geschichte selbst hatte. Also nutze ich an dieser Stelle ausgiebig meine Chance, die Verfasserin persönlich zu fragen. Kannst du dich noch an den Moment erinnern, als du die Idee zur Romanreihe hattest? Warum ist gerade Island die Inspiration für Raukland und Lannoch geworden? Hast du dich beim Schreiben selbst dort befunden? Und wie sind die Ideen zu den Rätseln entstanden, die Ronan auf Lannoch lösen muss?

© El Gato Verlag
Ich weiß noch ganz genau den einen Moment, wo die Idee zu Rauklands Sohn auf mich herunterrauschte: Ich wartete auf den Bus zur Arbeit und auf einmal war sie da, die raue Insel hoch im Norden und der Gedanke an einen Königssohn, der unter einem grausamen Vater aufwächst ist und nie gelernt hat, was Freundschaft ist. Ronans Entwicklung hatte ich sofort im Kopf und auch wohin ihn und sein Land diese Reise tatsächlich führen würde. Selbst Merin, Eila und Liam waren schon da. Ich hab während der Fahrt ins Büro all diese Gedanken wie im Rausch auf Zettel gekritzelt und am nächsten Tag hab ich freigenommen und die ersten Seiten geschrieben. 
Island hatte einen großen Einfluss auf die Raukland-Trilogie, vor allem auf die Insel Lannoch. Bei meiner ersten Reise nach Island hat es nicht einmal 24 Stunden gedauert, da wusste ich schon: dies ist das Land, in das ich mich den Rest meines Lebens zurücksehen würde. Und so war es. Ich liebe die dramatischen, lichtdurchfluteten Landschaften und die Einsamkeit dort oben und träume davon, ein ganzes Jahr dort zu leben. Dort zu schreiben mit dieser grandiosen Landschaft vor Augen, das wäre das Größte!
Die Aufgaben, die Ronan lösen muss, sind während des Schreibens entstanden. Manche wusste ich sofort, andere entwickelten sich erst, als ich auch die Nebenfiguren näher kennen lernte. Der arme Ronan tut sich mit ja ganz schön schwer und weiß erst nicht, was der tiefere Sinn hinter allem ist - ich hab mich beim Schreiben oftmals richtig amüsiert, weil ich mir so gut vorstellen konnte, wie sehr er sein neues Leben zu Anfang hasst.

Wusstest du schon von Anfang an, dass es eine Trilogie werden würde? Hattest du das Ende schon klar vor Augen oder hast du dich beim Schreiben einfach „treiben lassen“?

Ganz am Anfang hatte ich nur den Plot für Rauklands Sohn, aber beim Schreiben merkte ich schnell, dass da noch mehr in Raukland steckt und Ronans Weg noch viel weiter geht. Zu dieser Zeit schrieb ich schon einige Schlüsselszenen von Band 2 und 3, so dass ich schon sehr viel mehr Struktur für Band 2 und vor allem für Band 3 hatte, als vergleichsweise bei Band 1. Das Ende einer Geschichte habe ich immer vor Augen, ich würde nicht anfangen zu schreiben, wenn ich das Ende nicht weiß.

Gerade Geschichten, die historisch in einer anderen Zeit stattfinden, müssen gut recherchiert sein, damit sie stimmig sind. Die Trilogie selbst spielt in einer mittelalterlichen Welt, in der zum Beispiel der Schwertkampf noch üblich ist. Ronan ist ein begnadeter Schwertkämpfer, wie er immer wieder demonstriert. Wie hast du dich vorbereitet, um solche Szenen zu schreiben? Hast du vielleicht selbst ein paar Übungsstunden genommen wie Liam und die Lannocher im Buch?

Was die Recherche angeht, hatte ich riesen Glück, dass ich so großartige Experten gefunden habe. Einer davon ist Herbert Schmidt von Ars Gladii, der historischen Schwertkampf lehrt und mich durch die ganze Trilogie hindurch begleitete. Ich durfte sogar zu ihm nach Österreich fahren, mit einem echten Langschwert kämpfen und mit einem historischen Langbogen Pfeile schießen (und suchen ;)). Die Szene, wo Liam das erste Mal ein Schwert in der Hand hält, ist quasi selbst erlebt. Ähnlich ist es bei einer Szene in Band 2, wo es um den Bogen geht. Es sind unvergessliche Erlebnisse, wenn die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Fiktion auf einmal verschwimmen - daran werde ich mich noch erinnern, wenn ich eine alte Oma bin und mich im Schaukelstuhl zurück nach Raukland träume.
  
Ronans Vater wird schon zu Beginn als ein äußert brutaler und herzloser Mensch dargestellt. Und ehrlich gesagt graut es mir schon vor den Grausamkeiten, die in den folgenden Bänden von seiner Seite kommen werden. Aber Helden brauchen nun mal Antagonisten. Woran hast du persönlich mehr Freude: am Ausdenken von bösen oder von guten Charakteren? Favorisierst du einen bestimmten Charakter?

Ich mag sowohl die Helden, als auch ihre Gegenspieler. Es macht mir richtig Spaß, Ronan in Schwierigkeiten zu bringen, und meist sind die Antagonisten ja aus einem bestimmten Grund so, wie sie sind, und verfolgen eigene Ziele. Ihr werdet die Bösewichte und ihre Beweggründe in den Folgebänden noch viel besser kennenlernen. Die faszinierendste Figur in der Raukland-Trilogie ist für mich - neben Ronan - Zhodan. In Band 2 werdet ihr erfahren warum: Zhodan ist so vielschichtig und dermaßen präsent in meinem Kopf, es war fast beängstigend aus seiner Perspektive zu schreiben. Und Gismo ist natürlich einer meiner Lieblinge, Ronans vorwitziger schwarzer Hengst.
  
Die Trilogie ist nun mit Rauklands Schwert abgeschlossen. Ist es endgültig der letzte Teil oder hältst du es für möglich, nochmal zu Ronan, Eila und Liam zurückzukehren? Oder sind momentan weitere Buchprojekte in Arbeit?

Die Trilogie ist abgeschlossen, obwohl ich immer noch mit Wehmut an Raukland denke und zu gerne dorthin zurückkehren würde! Aber Ronans Geschichte ist erzählt. Ein neues Buchprojekt habe ich in Arbeit, aber bis der erste Band fertig ist, wird es noch dauern. Was es jedoch gibt, ist ein Spin-off aus der Raukland-Trilogie, eine kleine Geschichte, die vor dem eigentlichen Beginn von Rauklands Sohn spielt (in "Silberfedern Episode 1").  

Zum Schluss noch eine (nicht ganz uneigennützige) Frage: wie bist du auf unseren Blog aufmerksam geworden?

Auf euren Blog bin ich über die Seite "Rezi-Suche" aufmerksam geworden.
Vielen Dank für die ungewöhnlichen Fragen, es hat eine Menge Spaß gemacht sie zu beantworten! Ich danke euch, dass ich mit Ronan dabei sein durfte und wünsche euch beiden ganz viel Spaß und Erfolg mit eurem tollen Blog!

Eure Jordis <3

Vielen Dank für dieses herzliche Interview!

Hier seht ihr die Raukland-Trilogie (Rauklands Sohn - Rauklands Blut - Rauklands Schwert) im Überblick: 
© El Gato Verlag

Meine Rezension zu Rauklands Sohn findet ihr HIER.

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