Dienstag, 26. Mai 2015

REZENSION: "Neun Tage und ein Jahr" (Taylor Jenkins Reid)

Copyright Diana Verlag


Titel: Neun Tage und ein Jahr
Autor: Taylor Jenkins Reid
Genre: Roman / Liebesroman
Verlag: Diana Verlag
Erscheinungsjahr: 2014
Format: Taschenbuch (12,99 €)
Seiten: 368
ISBN: 978-3-453-29164-5




Inhalt:

Neun Tage - so lange dauerte Elsies Ehe mit Ben, ehe er ums Leben kommt, und sie verzweifelt zurücklässt. Wie soll sie nun ohne die Liebe ihres Lebens weitermachen?
In ihrer Trauer ist sie nicht allein: im Krankenhaus trifft sie auf Susan, Bens Mutter, die weder von der Hochzeit wusste, noch jemals ein Wort über ihre neue Schwiegertochter gehört hat. Susan nimmt Elsie als Eindringling wahr und weigert sich, sie an der Ausrichtung der Beerdigung teilhaben zu lassen. Erst als sie erkennt, dass Elsie das Einzige ist, was ihr von ihrem Sohn geblieben ist, bewegen sich die beiden Frauen aufeinander zu.

Rezension:

Die Handlung setzt gleich mit dem Tod von Ben ein, womit im Prinzip schon der dramatische Höhepunkt von Neun Tage und ein Jahr erreicht ist. Alles, was danach folgt, konzentriert sich auf die Gefühle und das Innenleben von Elsie und Susan, was keinesfalls negativ gemeint ist. Es geht um ihren Umgang mit dem Verlust, dem Weiterleben und ihre Beziehung zueinander. Trotz Susans anfänglicher Abneigung muss sie bald feststellen, dass Elsie nicht der 'Feind' ist. Auch wenn sie in einem anderen Verhältnis zu Ben standen, vereint sie doch die Trauer um ihn und schweißt sie zusammen, sodass sie sich gegenseitig bei der Bewältigung unterstützen können. Da Susan bereits ihren Ehemann verloren hat, kann sie sich gut in Elsies Lage hineinversetzen, was auch der Grund für den plötzlichen Sinneswandel ist. Auch wenn ich es gut finde, dass Susan ihre Vorbehalte über Bord geworfen hat, empfand ich die 180°-Wende als etwas zu extrem und abrupt, weshalb sie mir zunächst unglaubwürdig erschien. Allerdings zeugt sie von Susans Reife und Lebenserfahrung und macht sie zu dem sympathischen, liebevollen Menschen, der Ben großgezogen hat.
Elsie durchläuft quasi alles Stadien der Trauer, mal mehr, mal weniger intensiv. Stellenweise wurde sie mir ein wenig unsympathisch, beispielsweise durch ihr Benehmen ihrer besten Freundin gegenüber. Aber ähnlich wie Susan macht auch sie einen Entwicklungsprozess durch und kann ihre Wut überwinden. Was mir an Elsie wirklich gut gefallen hat, war, dass sie zwar deprimiert war und Ben aus tiefstem Herzen vermisst hat, aber deswegen das Leben an sich nicht als sinnlos erachtet hat. Sie ist jeden Tag aufgestanden, ist ihrem Beruf nachgekommen und hat sich immer überwunden, etwas zu tun. Das hat sie in meinen Augen zu einer wirklich starken, bewundernswerten Persönlichkeit gemacht.
Das eigentliche Geschehen wird immer wieder durch Rückblenden unterbrochen, die meine persönlichen Highlights waren. Wann immer ein Ereignis in der Gegenwart eine Erinnerung bei Elsie auslöst, springt die Handlung zu Bens und Elsies Beziehung. Dadurch erlebt man ihr Kennenlernen (das ziemlich einzigartig ist), ihr erstes Date, die wenigen Monate ihrer Beziehung und die Hochzeit mit, was mir wirklich toll gefallen hat. Diese Zwischensequenzen lockern die bedrückende Thematik auf, weil sie leichter und und unbefangener beschrieben sind. Man bekommt ein ziemlich guten Eindruck davon, was für ein Mensch Ben gewesen ist, weshalb ich selbst angefangen habe, ihn ein bisschen zu vermissen. Allerdings muss ich sagen, dass er mir ein wenig zu perfekt erschien. Nicht nur sah er gut aus und war unglaublich nett und charmant, sondern hat auch immer genau das Richtige gesagt oder getan. Entsprechend utopisch und märchenhaft war auch ihre Beziehung, wobei ich der Meinung bin, dass Elsie genaugenommen etwas egoistisch gewesen ist, weil Ben immer derjenige gewesen ist, der sich ihren Wünschen gefügt hat. Möglicherweise war es (auch wenn das jetzt herzlos klingt) ganz 'gut', dass Ben gestorben ist, weil dieses perfekte Glück niemals von Dauer hätte sein können.
Insgesamt hat mir das Buch recht gut gefallen. Es ließ sich sehr flüssig lesen und hat mich auch stellenweise berührt. Herausragend oder außergewöhnlich war es allerdings nicht.


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