Montag, 4. Mai 2015

REZENSION: "Die Vernichteten" (Ursula Poznanski)

Copyright Loewe Verlag
Titel: Die Vernichteten

Autor: Ursula Poznanski

Genre: Roman / Dystopie / Jugendbuch

Verlag: Loewe Verlag

Erscheinungsjahr: 2014

Format: Gebundene Ausgabe (18,95 €)

Seiten: 528

ISBN: 978-3-7855-7548-2



Inhalt:

Mit ihrem Wissen über den tödlichen Virus will Ria nun zur Tat schreiten: es gibt ein Heilmittel, das sie im jeden Preis unter den Menschen verbreiten will. Ihr und ihrem Vorhaben werden aber immer wieder Steine in den Weg geworfen. Quirin verschwindet und plötzlich werden sie und Tycho des Mordes an ihm bezichtigt. Yann fordert ein Tribunal, infolgedessen sie aus dem Clan ausgestoßen werden. Die Ereignisse scheinen sich zu wiederholen: wieder sind sie heimatlos, wieder nirgendwo zugehörig. Gemeinsam mit Sandor und Andris ziehen sie los, um das Heilmittel zu finden und Quirins Plan, die Sphärenbewohner auszulöschen, zu vereiteln. 

Rezension:

Ich gebe es nur ungern zu, aber ich war ein wenig enttäuscht vom letzten Band der Eleria-Trilogie. Das Buch war nicht keinesfalls schlecht, aber es hat mich auch nicht wirklich vom Hocker gehauen. Was also hat gefehlt? Ehrlich gesagt bis ich mir da selbst etwas unsicher.
Der Anfang hat mir super gefallen, weil er dynamischer als bei seinen Vorgängern war. Ria, Sandor, Tycho und Andris werden aus dem Clan ausgestoßen und müssen sich durch die Wildnis kämpfen.aber danach flachte die Story etwas ab. Es gab ein paar Handlungsverläufe, mit denen ich nicht gerechnet hätte. Trotzdem hatte ich durchweg das Gefühl, dass das Geschehen nur müßig voranging. Es mangelte meiner Meinung nach zeitweise an Dramatik und Spannungsmomenten, was wohl daran liegt, dass die eigentliche Gefahr der Situation für mich nicht greifbar war. Anscheinend bin ich in der Beziehung zu abgestumpft. Ich habe mich zwar zu keinem Zeitpunkt gelangweilt, aber richtig gefesselt war ich auch nicht.
Auch mit den Figuren hatte ich wieder einmal so meine Probleme. Aureljo beispielsweise blieb für mich immer ein Störfaktor. Am Anfang war er mir zu konturenlos, am Ende nur noch nervtötend, weil ich viele seiner Entscheidungen nicht nachvollziehen konnte. Meine Lieblingspersonen waren im Grunde Ria, Sandor und Andris. Zum Glück waren das auch die Hauptakteure, was wiederum meiner Leseerfahrung zugute kam. 
Neben einigen unvorhergesehenen Geschehnissen haben auch einige Charaktere recht unerwartete Entwicklungen durchlaufen, sowohl im positiven als auch im negativen Sinn. Darin besteht auch Ursula Poznanskis Talent: die Dinge bzw. Menschen sind nicht immer so, wie sie den Anschein haben. Man wird von ihr auf eine falsche Fährte gelockt und schätzt die Lage und Personen falsch ein. Das liegt vor allem daran, dass sie beim Schreiben die Perspektive von Ria einnimmt und demzufolge nur das preisgeben kann, was Ria selbst weiß.
Allerdings muss ich gestehen, dass die Offenbarung der Verschwörung zumindest für mich etwas vorhersehbar war. Ich möchte das auch gar nicht als direkten Kritikpunkt anführen, denn es ist ja meine "Schuld", wenn ich die richtige Vermutung hatte. Nur leider hat mir das den großen "Knall-Effekt" genommen.    
Mir fehlte wieder einmal der Tiefgang bei den zwischenmenschlichen Beziehungen. Zwar macht sich bei Ria und Sandor nicht dieselbe Distanziertheit breit wie zuvor bei ihr und Aureljo, aber ich vermisste dennoch die Momente der Zweisamkeit. Mir ist klar, dass solche unter den gegebenen Umständen (Verschwörung aufdecken, Menschen retten) eher schwierig zustande kommen, aber ein oder zwei herausragende Liebesbekundungen oder ähnliches wären schon schön gewesen.  
Auch dem Ende stehe ich eher mit gemischten Gefühlen gegenüber. Im Prinzip ist nichts wirklich zu hundert Prozent geklärt und sehr vage gehalten. Das Geschehen und folglich der Leser hängen in der Schwebe und das hat mich etwas gestört. Ich habe nichts gegen offene Enden, aber in diesem Fall hätte mir ein konkreterer Abschluss besser gefallen. Andererseits besteht somit die Option, einen weiteren Band folgen zu lassen. 
Der Schreibstil von Ursula Poznanski war nach wie vor für mich ansprechend und das ist letztlich auch einer der Hauptgründe, warum ich das Buch in einem Rutsch durchgelesen habe. Es ist (auch wenn das anders klingen mag) kein schlechter Roman, nur zählt er nicht zu ihren besten. Mir persönlich hat er nur mittelmäßig gefallen, denn von einem Trilogie-Finale hätte ich mir etwas mehr erhofft.



Hier erfahrt ihr, was in den vorherigen Bänden Die Verratenen und Die Verschworenen passiert ist.



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