Montag, 25. Mai 2015

REZENSION: "Die Bestimmung - Letzte Entscheidung" (Veronica Roth)

Copyright Goldmann Verlag

Titel: Die Bestimmung - Letzte Entscheidung

Autor: Veronica Roth

Genre: Dystopie

Verlag: Goldmann Verlag

Erscheinungsjahr: 2015 (als TB)

Format: Taschenbuch (9,99 €)

Seiten: 512

ISBN: 978-3442482528



Inhalt:

Jeanine ist gestürzt und das Fraktionssystem aufgelöst - doch wie soll es nun für Tris, Four und die anderen Rebellen weitergehen? Um das herauszufinden, verlassen sie die Stadt und wagen endlich einen Blick hinter den großen Zaun. Dort lernen sie Menschen kennen, die in ungeahnter Weise mit ihrem einstigen Leben in der Stadt verbunden sind - was hat das geheimnisvolle Amt für Genforschung mit Tris' und Fours' Zuhause zu tun? Die beiden finden nach und nach Erschreckendes heraus und sehen sich erneut mit einer großen Gefahr konfrontiert, die auch ihre Beziehung zueinander bedroht...


Rezension:

Ich bin nach der Lektüre immer noch etwas sprachlos und muss schon gleich vornweg sagen, dass ich nach den beiden mehr oder weniger starken Vorgängern und angesichts des wieder einmal herrlich mysteriösen und geheimnisvollen Covers Großes erwartet habe, doch leider war schon der Klappentext eher schwammig und sehr nebulös, so wie schließlich dann das gesamte Buch. Es sind vor allem 2 Dinge, die mich trotz schwindender Spannung am Ball bleiben ließen:
1. Roths nach wie vor flüssiger Schreibstil.
2. Die vielschichtigen und wunderbar unterschiedlichen Charaktere, die für eine interessante Gruppendynamik sorgen.
Ansonsten gibt es leider nicht viel, was mir an Die Bestimmung - Letzte Entscheidung gefallen hat. Zunächst war ich überrascht, dass die Geschichte plötzlich im Wechsel aus Tris' und Fours Perspektive erzählt wird - im Nachhinein betrachtet ein recht plumper und lediglich in einer Hinsicht funktionaler Stilwechsel, der nicht wirklich geglückt ist. Man spürt von Anfang an, dass er nur Mittel zum Zweck ist, wenn auch lange Zeit über nicht klar ist, zu welchem Zweck. Die Passagen, in denen Four erzählt, wirken für mich aufgesetzt und unnatürlich, da sie genauso so erzählt werden, wie die aus Tris' Perspektive. Es kommt mir so vor, als hätte Roth zwar beschlossen, jetzt auch aus Fours Perspektive zu schreiben, als wäre sie sich aber gleichzeitig nicht dessen bewusst gewesen, dass Four ja mit Sicherheit anders fühlt, anders denkt und somit anders erzählt. Und so erscheint es eben leider erzwungen und gepresst.
Doch nicht nur die Erzählweise, sondern auch der Plot an sich ist wenig überzeugend. Wie schon im zweiten Teil scheinen die Charaktere wieder einmal nur planlos von A nach B zu stolpern, stoßen hier mal beiläufig auf ein schockierendes Geheimnis, handeln dort mal völlig überstürzt - so wirkt die gesamte Handlung leider ziemlich chaotisch und wenig durchdacht. Auch von der Auflösung (wie kam es zum Fraktions-System, was liegt außerhalb des Zauns, was hat die Regierung damit zu tun?) war ich absolut enttäuscht. Ohne zu viel verraten und spoilern zu wollen: Nach der Lektüre des ersten Teils hatte ich so viel erwartet, aber nicht das. Es war auch überhaupt nicht überraschend, denn nach dem Ende des zweiten Teils ahnt man ja schon, dass Tris' und Fours Stadt (Chicago) irgendeine Art abgeschlossenes Experiment sein muss. Dann stellt sich heraus, dass die Menschen auch von der Regierung wieder (ähnlich dem Fraktionssystem) klassifiziert werden und zwar entsprechend ihre Gene und natürlich muss man dagegen aufbegehren - alles in allem ist die Handlung ein schwacher Abklatsch von Teil 1, ohne erkennbaren Höhepunkt und leider fast gänzlich ohne Spannung. Dabei sind die Wege der Protagonisten wieder mit zahllosen Leichen (auch bekannter Charaktere) gepflastert, was einen dann aber irgendwann nicht mehr wirklich schockiert.
Nun noch ein paar Worte zum Ende: Es ist kein Happy End, was ja durchaus okay und legitim ist, denn schließlich nimmt nun einmal nicht immer alles ein gutes Ende. Und nun muss ich doch kurz SPOILERN: Es stirbt einer der Protagonisten und das Ganze wirkt im Verhältnis zur ganzen Buchreihe einfach nur wie ein Betrug an der Handlung und am Leser. Manche mögen das Ende als überraschend empfinden, ich empfinde es als aufgesetzt und unmöglich. Man spürt ganz genau, dass Roth, als sie den ersten Teil schrieb, noch nicht wusste, wie die Trilogie enden würde. Und das ist für mich der größte Minuspunkt des Buches. (SPOILER ENDE)

Insgesamt bin ich von Letzte Entscheidung leider maßlos enttäuscht. Der zweite Band war schon deutlich schwächer als der meiner Meinung nach grandiose Auftakt, aber mit dem dritten Buch war die Handlung endgültig erschöpft. Sie schien über 500 Seiten lang festzustecken und konnte auch durch das überraschende und doch wirklich enttäuschende Ende nicht gerettet werden. Wirklich schade, denn die dystopische Idee hatte mich anfangs so begeistert. Nun ruhen all meine Hoffnungen auf dem Film.


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