Dienstag, 5. Mai 2015

REZENSION: "Bittersweet" (Miranda Beverly-Whittemore)

Copyright Suhrkamp Insel Verlag

Titel: Bittersweet

Autor: Miranda Beverly-Whittemore

Genre: Roman / Thriller

Verlag: Suhrkamp Insel Verlag

Erscheinungsjahr: 2015

Format: Taschenbuch (14,99 €)

Seiten: 418

ISBN: 978-3458360704



Inhalt:

Mabel Dagmar stammt aus eher ärmlichen Verhältnissen, ist zwar klug, allerdings nicht wirklich das, was man "hübsch" nennen würde. Umso mehr freut sie sich, als ihre College-Zimmergenossin, die wunderschöne und aus einer reichen Familie stammende Ev, beschließt, sich mit ihr anzufreunden und sie für den Sommer in ihr Ferienhaus "Bittersweet" einlädt. Mabel ist hin und weg und genießt die schillernde Welt der wohlhabenden Winslows - Yachten, Segelboote, unbeschwerte Tage am See und die erste große Liebe nehmen sie völlig gefangen. Doch nach und nach legt sich ein Schatten auf die unbeschwerte Zeit - irgendetwas verschweigen die Winslows, da ist Mabel sich nach einer Weile sicher. Schließlich stößt sie auf ein dunkles Geheimnis nach dem anderen und steht vor der Wahl: Will sie selbst Teil dieser unwirklichen Welt werden oder soll sie alles tun, um die düsteren Machenschaften der Winslows aufzudecken?



Rezension:

Klappentext und Cover waren schon mal vielversprechend: Eine reiche Familie, die nach außen hin perfekt zu sein scheint, aber mehrere dunkle Geheimnisse hütet. Dazu ein Ferienhaus, abgelegen an einem See und umgeben von Wald - irgendwie habe ich mich da von Anfang an auf eine bedrohliche und vielleicht auch bedrückende Atmosphäre gefreut, die allerdings etwas später kam als erhofft.
Zunächst einmal war ich erstaunt, dass der Roman in der Gegenwart spielt - komischer Weise hatte ich eine Handlung im 19. oder frühen 20. Jahrhundert erwartet (womöglich weil so viele solcher Romane in dieser Zeit spielen) und deswegen fand ich es recht erfrischend, auch mal "aktuellen" Geheimnissen nachzuspüren. Mit Mabel als Protagonistin an meiner Seite fiel mir das allerdings etwas schwer. Sie ist mir von Beginn an ziemlich unsympathisch, denn sie ist dermaßen unterwürfig und oberflächlich, dass man sie als Leser manchmal einfach schütteln möchte. Sie scheint eigentlich intelligent zu sein, aber trotzdem buhlt sie dermaßen um die Aufmerksamkeit der natürlich makellos schönen und reichen Ev, die es ja so gut hat, weil sie alles tun kann, was sie möchte. Dieser Wesenszug Mabels setzt sich leider im Laufe des Romans fort: Ständig geht es nur darum, den reichen Winslows zu gefallen, es ihnen recht zu machen. Wenn Mabel sich tatsächlich mal auflehnt, dann tut sie das innerlich und im Stillen, nach außen hin grinst sie fleißig weiter. Auch sonst ergreift sie recht selten Eigeninitiative - auf die Geheimnisse, die sie im Laufe der Geschichte entdeckt, muss sie von anderen Personen regelrecht mit der Nase gestoßen werden, bevor sie etwas begreift. Auch die anderen Charaktere sind allesamt oberflächlich und unsympathisch: Ev ist eine launische Zicke und immer wieder fragt man sich, was Mabel überhaupt von ihr will; Evs Schwester Lu scheint klug und liebenswert zu sein, entpuppt sich aber später auch als verwöhntes Gör; Evs Mutter Tilde ist unnahbar und eiskalt und erst am Ende denkt man: Vielleicht hat sie doch irgendwo ein winziges Herz; Evs Bruder Galway zeigt auch eher selten Gefühle und spannt außerdem gern... und so geht es weiter. Wer nach einem Charakter sucht, den man irgendwie mögen könnte, landet unweigerlich bei Abby - einer treuen Hündin.
Die Geschichte an sich braucht etwas Zeit, um in Fahrt zu kommen. Zwischendurch sind die endlosen Beschreibungen von Segeltörns, Partys und Strandausflügen manchmal nicht auszuhalten, immer gespickt mit Mabels grenzenloser Begeisterung und ihrer Naivität. Trotzdem hat man auch von Anfang an das Gefühl, dass irgendetwas mit den Winslows nicht stimmt: Immer wieder bekommt Mabel und somit auch der Leser ein weiteres Puzzleteil zugeworfen und so bleibt die Geschichte schließlich doch irgendwie dynamisch. Dennoch hätte ich mir gewünscht, sie wäre von Anfang an geheimnisvoller und gefährlicher gewesen, denn erst ab Seite 300 etwa fängt es endlich an, spannend zu werden. Ab da wird die Handlung jedoch wirklich rasant und auch wenn das ein oder andere Geheimnis einem dann doch etwas zu weit hergeholt scheint - aufhören zu lesen kann und will man nicht mehr. Das Ende hat mich dann wirklich überrascht, ohne zu viel zu verraten: Mabel hat schreckliche Dinge über die Winslows erfahren und doch hadert sie immer noch mit sich - will sie dazugehören oder nicht? Will sie eine von ihnen werden oder will sie sie zu Fall bringen?

Insgesamt haben mir einige Dinge an Bittersweet nicht gefallen, so vor allem die oberflächlichen und wenig sympathischen Charaktere und die stellenweise dahinplätschernde Handlung. Abgesehen davon, dass der Roman gegen Ende zu einem spannenden Thriller wird - womit ich wirklich nicht mehr gerechnet hatte -, gibt es allerdings insbesondere einen großen Pluspunkt: Beverly-Whittemore kann hervorragend schreiben und so gelingt es ihr, den Leser auch dann in ihren Bann zu ziehen, wenn der Roman gerade nicht so wirklich vorwärts kommt. Aus diesem Grund wollte ich das Buch auch zu keiner Zeit abbrechen und möchte es besser bewerten, als ich es vielleicht getan hätte, wenn mir auch der Schreibstil der Autorin nicht gefallen hätte. Bittersweet hat einige Schwächen, aber für alle, die große Geheimnisse und verworrene Familiengeschichten lieben, bietet es (zwar nicht durchgehend, aber an vielen Stellen) glänzende Unterhaltung. Daher möchte ich mich herzlich beim Suhrkamp Insel Verlag für das Rezensionsexemplar bedanken :)


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