Sonntag, 24. Mai 2015

REZENSION: "Back to Blue" (Rusalka Reh)

Copyright Magellan Verlag
Titel: Back to Blue

Autor: Rusalka Reh

Genre: Roman / Jugendroman

Verlag: Magellan Verlag

Erscheinungsjahr: 2015

Format: Hard Cover (14,95 €)

Seiten: 208

ISBN: 978-3-7348-5606-8


Inhalt: 

Eine glückliche Kindheit und liebevolle Eltern - so etwas kennt Kid nicht. Sie fühlt sich unbedeutend und wertlos. Nur bei Maxim fühlt sie sich verstanden und geborgen, nur er gibt ihrem Leben Glanz. Mit ihm teilt sie ihre Gedanken, ihre Liebe zur Poesie, ihre Träume. Doch ihre Beziehung wird von niemandem gern gesehen. Kid erkennt, dass sie niemals das tun können wird, was sie sich wünscht, solange sie bei ihrer Familie lebt. Sie muss alles auf eine Karte setzen, wenn sie endlich frei sein will.


Rezension:

Am Anfang war ich noch sehr skeptisch, was das Buch betraf. Eine Jugendliche, die Tagebuch schreibt, entsprach mir einfach zu sehr einem cliché eines Jugend-/Mädchenromans, aber auf die Geschichte, die Kid erzählt, ist das keinesfalls zutreffend. Kid ist wie so viele in ihrem Alter unsicher und auf der Suche nach sich selbst. Im Gegensatz zu Gleichaltrigen liegt ihre Unsicherheit aber nicht in ihrem schulischen Umfeld begründet, sondern in ihrem Elternhaus. Von Außen betrachtet wirken sie völlig normal, solide und vernünftig, aber der Schein trügt. Sie wird von ihren Eltern behandelt wie ein unwillkommener Gast. Nichts kann sie richtig machen und für ihre bloße Anwesenheit wird sie mit bösen Blicken und verbalen Seitenhieben bedacht. Anfangs habe ich noch gedacht, es wäre einfach eine subjektive Wahrnehmung von Kid und sie würde vielleicht überempfindlich reagieren. Aber schon bald habe ich festgestellt, dass ihre Eltern wirklich einen absoluten Knall haben. Die Gleichgültigkeit des Vaters ihr gegenüber ist dabei noch das geringste Übel. Wirklich entsetzt war ich von ihrer Mutter, deren Verhalten schon hart an der Grenze zur Kindesmisshandlung ist. Ich empfand sie durchweg als grausam, was mich in meiner Meinung bestärkt hat, dass Men- schen, die keine Kinder bekommen wollen auch keine haben sollten. Kid wird immerzu von ihnen unterdrückt, nicht einmal für ihre ersten Erfolge als Lyrikerin bekommt sie Anerkennungen, sondern wird verspottet. Ich hatte fast den Eindruck sie wären die eigentlichen Pubertierenden in diesem Roman.
Die einzige Anerkennung, die sie erfährt, kommt von Maxim und Silvia, zwei wirklich wunderbaren Menschen, die sie auch bei ihren schriftstellerischen Gehversuchen bestärken. Die Beziehung zwischen Kid und Maxim (ich hatte die ganze Zeit Maxim Mehmet im Kopf) ist absolut süß erzählt. Sie haben so viel gemeinsam, verstehen einander blind und geben sich gegenseitig Halt. Ziemlich treffend vergleichen sie sich mit Romeo und Julia "nur ohne das schreckliche Ende". Ihre Liebe ist nicht so tragisch wie von Shakespeare erdachte, aber intensiv und bewegend. Aus ihr zieht Kid die Kraft, für sich selbst einzustehen. Der Titel Back to blue steht daher metaphorisch dafür, wieder zu dem glücklichen Menschen zu werden, der sie einst gewesen ist.
Ich denke, man merkt, dass ich nach dem eher holprigen Einstieg total im magischen Sog des Buches gefangen war. Man findet zwar nur wenige wirklich dramatische Höhepunkte, dafür aber eine Story, die mit unglaublich viel Gefühl erzählt wird. Die Tagebucheinträge sind pure Poesie, nicht nur in Bezug auf die Ausformulierungen, sondern auch durch die Gedichte (manche haben mir mehr, manche weniger zugesagt) und Zeitungsüberschriften, die sie sammelt und die im Bezug zu ihren Gefühlen und den aktuellen Ereignissen stehen. Wegen dieser Formulierungen ist auch das Ende aus meiner Sicht perfekt gelungen, auch wenn es keinen großen Knall gibt. Es passt einfach wunderbar zum Ton und Stil der Geschichte. Der Roman lebt im Prinzip von den Charakteren. Dadurch, dass es nur wenige zentrale Figuren gibt, nimmt man diese umso deutlicher wahr und umso stärker ist auch die Sympathie für (oder Abneigung gegen) sie. Genau deshalb ist das Buch etwas Besonderes!


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