Montag, 11. Mai 2015

REZENSION: "Alles aus Liebe" (Liane Moriarty)

Copyright Bastei Lübbe
Titel: Alles aus Liebe

Autor: Liane Moriarty

Genre: Roman / Liebesroman

Verlag: Bastei Lübbe

Erscheinungsjahr: 2014

Format: Broschierte Ausgabe (16,99 €)

Seiten: 494

ISBN: 978-3-7857-6070-3


Inhalt:

Nach mehreren gescheiterten Beziehungen ist sich die Hypnotherapeuten Ellen endlich sicher den Richtigen gefunden zu haben. Zwar ist Patrick nicht der Traum aller Frauen, aber er macht sie glücklicher als je jemand zuvor. Doch die Schatten aus Patricks Vergangenheit bedrohen das junge Glück der beiden. Ellen muss nicht nur gegen Patricks verstorbene Frau ankämpfen, sondern auch gegen seine Ex-Freundin, die ihn seit dem Ende ihrer Beziehung stalkt.  

Rezension:

Vor einigen Jahren habe ich einmal Drei Wünsche frei von Liane Moriarty gelesen, was mir sehr positiv im Gedächtnis hängen geblieben ist. Deshalb wollte ich unbedingt herausfinden, ob sich dieser gute Ersteindruck bei ihren weiteren Werken bestätigt. Leider hat mich Alles aus Liebe nicht annähernd so mitreißen können, wie erhofft. 
Das Feld der Hypnotherapie finde ich ziemlich interessant. Das Buch zeigt, dass es sich hierbei nicht um Quacksalberei oder etwas Übernatürliches handelt, sondern einfach über die Kraft der Autosuggestion funktioniert. Insofern man dafür offen ist, kann die Therapie erfolgreich mentale Blockaden beheben. Gelegentlich habe ich Ellens Patienten um den tranceähnlichen Zustand beneidet, in den sie versetzt wurden. Allerdings hat mir Ellens ethisches Dilemma auch gezeigt, dass man Hypnose nicht leichtfertig einsetzen sollte.
An sich wirkte Ellen wie die ideale Frau auf mich: sie weiß, was sie will, sie weiß, wer sie ist, ist nachsichtig und freundlich, zeigt für jedermann Verständnis und sieht dazu auch noch gut aus. Das war mir zugegebenermaßen etwas zu perfekt. Erst ab dem zweiten Teil, als ihre heile Welt langsam ins Wanken gerät, hatte sie einige emotionale Ausbrüche, die ihre ansonsten gefasste Fassade durch- brachen. Meistens tat mir Ellen aber richtiggehend leid. Es ist sehr schwer, mit einem Geist/einer Erinnerung mitzuhalten, vor allem dann, wenn die Verstorbene die große Liebe des Partners war. Dementsprechend hätte Patrick ihr dasselbe Einfühlungsvermögen entgegenbringen sollen, das sie auch für ihn gezeigt hat. Das blieb aber größtenteils aus. Um ehrlich zu sein, habe ich mich die ganze Zeit gefragt, was Ellen eigentlich an Patrick findet. Auf mich hat er emotional wie ein toter Fisch gewirkt, phasenweise auch mal wie ein Elefant im Porzellanladen. Er schien sich nie wirklich darum zu scheren, was er von sich gibt bzw. wie Ellen sich dabei fühlen könnte. Ich verstehe ja, dass er einige andere Probleme hat (tote Frau, alleinerziehender Vater, Stalkerin), aber derart unsensibel muss man meiner Meinung dann trotzdem nicht sein. Erst gegen Ende taute er langsam auf und wurde mir zugänglich, allerdings war diese 180°-Wende dann doch zu plötzlich und daher etwas unglaubwürdig. 
Würde es nur um Ellen und Patrick (und seine tote Frau Colleen) gehen, wäre der Roman einer wie jeder andere. Die eigentliche Würze bringt Saskia, Patricks Stalkerin. Sie spielt nicht nur eine Nebenrolle, sondern ist absolut zentral. Sie ist gewissermaßen die Erzählerin der Geschichte, indem sie als Beobachterin die Ereignisse in Ellens Leben wiedergibt und dann wiederum in der Ich-Perspektive ihr eigenes. Damit ist sie, wie es für eine Stalkerin charakteristisch ist, omni- präsent. Allerdings ist sie nicht als klassische Antagonistin angelegt. Man erfährt sehr viel über ihre Gedanken und Gefühle und ihre Sicht auf die Beziehung, die sie mit Patrick und seiner Familie hatte. Im Grunde ist sie einfach nur verzweifelt, weil sie in kurzer Abfolge alles verloren hat, was sie geliebt hat. Sie ist keineswegs bösartig oder will irgendjemandem schaden, sondern verliert einfach die Kontrolle über sich selbst. Dadurch wirkt sie zwar zeitweise psychisch gestört, gleichzeitig wird aber immer wieder betont, dass sie auch nur ein normaler Mensch ist und auch so auf ihr Umfeld wirkt. Besonders problematisch ist die Tatsache, dass sie Ellen mag, obwohl sie ihre "Konkurrentin" ist, und dieses Gefühl auf Gegenseitigkeit beruht. Deshalb konnte ich als Leserin Saskia ebenso wenig hassen, im Gegenteil konnte ich sogar sehr viel Verständnis für sie auf- bringen. 

Trotzdem ist Alles aus Liebe eines dieser Bücher, bei denen man sich die ganze Zeit fragt, worauf die Handlung hinausläuft. Es ist kein klassischer Liebesroman, da die Heldin der Geschichte nicht nach einigen Wirrungen am Ende ihren Traumprinzen für sich gewinnt, denn der ist ja (zumindest ihrer Meinung nach) von Anfang an da. Vielmehr geht es um zwei Frauen, die die Liebe zu einem Mann teilen, die sich aber auf zwei völlig unterschiedlichen Ebenen abspielt. Trotzdem zieht sich der Roman etwas in die Länge. Es gab exakt einen Schockmoment im ganzen Geschehen, das sich ansonsten von kleineren zu größeren Krisen hangelt. Dadurch konnte sich keine dauerhafte Spannung aufbauen, sodass ich versucht war, das Buch einfach wegzulegen. Das ist schade, da die Story an sich ziemlich außergewöhnlich war.


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