Montag, 13. April 2015

REZENSION: "So nah und doch so fern" (Ann Brashares)

Copyright btb Verlag

Titel: So nah und doch so fern

Autor: Ann Brashares

Genre: Roman / Liebesroman

Verlag: btb Verlag

Erscheinungsjahr: 2015 (deutsche Erstausgabe 2013)

Format: Taschenbuch (9,99 €)

Seiten: 367

ISBN: 978-3-442-74842-6

Inhalt:

Ihre gesamte High School-Zeit hat Lucy Daniel aus der Ferne angehimmelt. Am Tag ihres Abschlusses kommen sich die beiden endlich näher, doch der Moment der Zweisamkeit wird jäh zerstört, als Daniel sie mit "Sophia" anspricht. Lucy fühlt sich vor den Kopf gestoßen. Hat er sie nur mit jemandem verwechselt? Die Erklärung ist wesentlich komplizierter als das: Daniel und Lucy sind wieder- geborene Seelen, die sich über die Jahrhunderte hinweg immer wieder unter mehr oder weniger schwierigen Umständen begegnet sind. Doch während Daniel sich an all seine früheren Leben erinnern kann, ist Lucy dazu nicht in der Lage. Jedes Mal muss Daniel sie aufs Neue für sich gewinnen und sie von ihrer unglaublichen gemeinsamen Vergangenheit überzeugen, wohl wissend, dass ihr Glück durch die Schatten der Vergangenheit bedroht ist.  

Rezension:

Die Handlung setzt mit Schilderungen der letzten Tage von Lucys Schulzeit ein, in denen man einen Abriss der Dinge bekommt, die ihr bisheriges Leben geprägt haben: der Tod ihrer Schwester Dana und ihre geheime Liebe zu dem mysteriösen Daniel, mit dem sie nie eine längere Unterhaltung geführt hat. An der Stelle hatte ich schon befürchtet, es würde ein High School-Roman werden, was dann dankenswerter Weise nicht der Fall war. Lucy verlässt ihre Heimatstadt und bricht zum College auf, aus der man einzelne Bruchstücke erfährt. In diese Rahmenhandlung, die in den Jahren 2004, 2007 und 2009 spielt, sind verschiedene Rückblenden eingebettet, in denen Daniel aus seinem vergangenen Leben berichtet. Diese umfassen einzelne Etappen von 541 bis ins 20. Jahrhundert hinein, sparen aber immer wieder größere Zeiträume aus. Es werden nur die für die Handlung relevanten "Leben" geschildert, d.h. die, in denen Lucy bzw. Versionen von ihr und Daniel aufeinander treffen. Schön fand ich dabei, dass sie nicht immer das selbe Alter hatten, nicht dasselbe Aussehen (schwerfällig oder athletisch, gut aussehend oder weniger schön anzusehen) und sich auch die Handlungsorte jedes Mal veränderten (von Afrika über Europa über Asien). Dadurch gestaltete sich die Handlung etwas abwechslungsreicher und grenzt den Roman von anderen ab, in denen wiedergeborene Seelen scheinbar immer zur selben Zeit, am selben Ort und in schönen Körpern zueinander finden. Ich muss der Autorin außerdem zugute halten, dass dem Buch offenbar eine eingehende Recherche zugrunde liegt. Ich bin zwar in der Weltgeschichte nicht allzu gut bewandert, aber die Geschehnisse in den einzelnen Epochen wirkten für mich als Laien authentisch. Die Regeln der Reinkarnation an sich wurden ebenfalls sehr logisch und plausibel vermittelt. 
Man kann der Handlung gut folgen, da die eingebetteten Erzählungen chrono- logisch aufeinanderfolgen. Dennoch hat mich der ständige Wechsel der Erzählperspektive gestört, da er nicht einheitlich war. Mal redet Daniel als ein fiktives "Ich", mal wird das Geschehen aus einer personalen Er-Perspektive geschildert. Im Falle von Lucy habe ich den Wechsel noch als sinnvoll erachtet, da sie sich nicht an ihre früheren Leben erinnern kann. Bei Daniel allerdings war mir dieser Umschwung nicht ganz schlüssig. Ich vermute, dass die Kapitel in der Ich-Perspektive implizit an Lucy gerichtet sind, er ihr also in einer Art mündlichen Rede seine Vergangenheit erzählt. Zumindest finde ich keine bessere Erklärung dafür. 
Durch die zugrunde liegende Idee hätte die Geschichte episch sein können, aber leider hat sie mich nicht vom Hocker gehauen. 
Die Liebe zwischen Daniel und Lucy hat mich nicht gefesselt, da mir die Chemie zwischen den beiden gefehlt hat. Ihre Gefühle füreinander wirkten auf mich zu gewollt, zu konstruiert. Ich hatte das Gefühl, dass Daniel gar nicht das Individuum Lucy wahrnimmt, sondern, wie sein Freund Ben gesagt hat, in die Erinnerung an die Person, die sie vorher war, verliebt ist. Auch wenn ich durchaus die Tragik in dem ständigen Sich-Trennen-Müssen sehe, habe ich nicht mitfiebern können. Aber genau das ist für einem Liebesroman essenziell. Außerdem haben die ständigen Tode dazu geführt, dass man ein wenig gegenüber dem Sterben abstumpft. 
Möglicherweise hat die Beziehung auch deswegen keine Begeisterungsstürme in mir entfacht, weil ich so meine Probleme mit den Charakteren an sich hatte. Bei Daniel haben mir jegliche Ecken und Kanten gefehlt. Aufgrund seiner sehr umfangreichen Lebenserfahrung war er sehr gebildet und nahezu weise, handelte oft selbstlos und verständnisvoll. Meiner Meinung nach wurde er zu ideal dargestellt, was bei mir unweigerlich dazu führt, jemanden als weichgespült anzusehen. 
Auch mit Lucy konnte ich nicht viel anfangen. Meistens war sie mir zu naiv und schlicht zu oberflächlich beschrieben. Dasselbe gilt auch für ihre vorherigen Reinkarnationen. Zugegebenermaßen hatte ich mehr Interesse an ihrer Schwester Dana. Da sie zu Beginn erwähnt wurde, hatte ich angenommen, dass sie bzw. Lucys Erinnerung an sie eine weitaus größere Rolle spielen würde. Leider hatte sie aber dann doch keine Bedeutung für die Handlung an sich, weshalb ich mich gefragt habe, warum sie überhaupt erwähnt wurde. 
Der Roman zieht sich ein wenig und erst im letzten Drittel kommt tatsächlich etwas von der Spannung auf, die durch "die tödliche Gefahr aus der Vergangenheit" in der Inhaltsangabe versprochen wird. Dennoch fehlte ein wirklicher Showdown und auch das Ende ist sehr vage und offen gehalten, wenngleich es mich doch ein wenig überrascht hat.  


Trotzdem möchte ich mich bei Randomhouse dafür bedanken, dass sie mir dieses Buch zur Verfügung gestellt haben. 

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