Samstag, 11. April 2015

REZENSION: "Madame Picasso" (Anne Girard)

Copyright Aufbau Verlag
Titel: Madame Picasso

Autor: Anne Girard

Genre: Liebesroman / Historischer Roman

Verlag: Aufbau Verlag

Erscheinungsjahr: 2015

Format: Taschenbuch (12,99 €)

Seiten: 478

ISBN: 978-3746631387

Challenge-Gewinner: /


Inhalt:

Im Paris des Jahres 1911 versucht die junge Eva, ihren eigenen Weg zu gehen, nachdem sie ihre Eltern und ihre Heimatstadt verlassen hat. Im berühmten Moulin Rouge findet sie eine Anstellung als Näherin und kann sich schon bald die Anerkennung der Tänzerinnen sichern. Doch nicht nur das kulturelle Paris und der Nachtclub hinterlassen bei Eva einen bleibenden Eindruck, vor allem ein Künstler hat es ihr angetan: Der aufstrebende Maler Pablo Picasso. Doch er ist in einer langjährigen Beziehung mit einer anderen Frau und die unsichere Eva weiß nicht, ob sie seiner würdig ist. Doch auch Picasso verliebt sich unsterblich in sie und so beginnt eine romantische Liebesgeschichte mit Höhen und Tiefen und vor allem mit einem ungewissen Ausgang...



Cover:

Das Cover zu Madame Picasso ist selbst wie ein verträumtes Gemälde, denn es wirkt zunächst geheimnisvoll, vereint jedoch all das in sich, was die Geschichte ausmacht. Der nostalgische Sepiaton gefällt mir sehr gut, ebenso der Eiffelturm als Wahrzeichen von Paris. Die elegante Dame im blauen Kleid mit Regenschirm lässt einen an die längst vergangene Zeit denken, in der Paris die Hochburg von Künstlern wie Picasso war. Und auch der Schriftzug des Titels passt perfekt, denn er erinnert an den kubistischen und neuartigen Stil Picassos - ein rundum gelungenes Cover, das dieser wundervollen Geschichte wirklich gerecht wird.

Rezension:

Er ist der größte Maler des 20. Jahrhunderts, sie eine zarte Schönheit mit Wünschen und Träumen - was für eine Kombination! Von Anfang hat mich eben dieser Aspekt gefesselt und er war auch der Grund, weshalb ich das Buch unbedingt lesen wollte. Wenn man den Roman in dem Bewusstsein liest, dass er zwar natürlich fiktional ist, aber auf wahren Tatsachen beruht - dann spürt man bei jedem einzelnen Satz einen Stich im Herzen. Wieso?

Girard hat eine wundervolle Geschichte geschrieben über eine Bilderbuch-Romanze, die beinahe ein Märchen ist. Die junge und unsichere Eva kommt nach Paris, um sich dort ein eigenes Leben aufzubauen. Von Anfang an muss sie stark sein und sich mit wenigen Mitteln in dieser Künstlermetropole durchschlagen. Dabei nimmt sie uns mit in die faszinierende Welt des berühmten Moulin Rouge, in verqualmte Cafés und Bars, wo für die Künstler in Paris zu jener Zeit das wahre Leben stattzufinden scheint, und wandelt mit uns in den düsteren und doch beeindruckenden Gassen von Montparnasse. Von Beginn an schafft Girard eine Atmosphäre, der man sich einfach nicht entziehen kann. Das Paris zu Beginn des 20. Jahrhunderts hat mich als Leser völlig in seinen Bann gezogen und zunächst war Eva für mich nur das Mittel zum Zweck - durch sie konnte ich diese bezaubernde Stadt kennenlernen. Doch als Picasso ins Spiel kommt, ändert sich das. Zunächst scheint es so, als entwickle sich zwischen ihm und Eva eine typische, geheime Affäre. Doch es steckt mehr dahinter und Girard gelingt es unheimlich gut, nachzuzeichnen, wie Eva und Picasso sich allmählich annähern, wie sie einander völlig verfallen und wie sie von einem gemeinsamen Leben träumen, das niemals endet.
Ebenso faszinierend wie die romantische Liebesgeschichte sind die beiden Figuren an sich. Picasso hat als Charakter eine merkwürdige Anziehungskraft auf mich ausgeübt, was vermutlich vor allem daran liegt, dass ich bereits wusste, was aus ihm werden würde, dass ich auch wusste, wie er aussah und wie begabt er war - ohne dass es die Charaktere im Buch sicher wissen. Das ist ein fantastisches Gefühl, das Girard sich für ihre Geschichte zunutze macht. Noch gelungener dargestellt sind jedoch Eva und ihre Entwicklung im Verlauf des Romans. Girard hat ihr und ihrer Liebe zu Picasso ein Denkmal gesetzt, sie zeichnet das Bild einer wundervollen und starken Frau, die wesentlich zum Erfolg Picassos beigetragen hat. Natürlich ist nicht alles, was Girard schreibt, historisch belegt, vieles ist natürlich fiktional, aber darauf kommt es auch gar nicht an. Sie nutzt die Fiktion, um uns eine besondere Frau des vergangenen Jahrhunderts ins Bewusstsein zu rufen, von der wir vielleicht sonst nie gehört hätten. Und das ist eine Leistung, die ich sehr bewundere. Denn Girard schreibt so bildreich, so atmosphärisch und so liebevoll, dass man sich manchmal fühlt. als würde man Picasso und Eva direkt beobachten.

Vor der Kulisse des Paris' in den Jahren 1911-1915 erzählt Girard eine fesselnde Liebesgeschichte voller Leidenschaft, großer Gefühle und manchmal auch Zweifel. Dabei schildert sie ihre Personen äußerst einfühlsam und bringt sie dem Leser vor allem durch die verschiedenen Blickwinkel sehr nahe. Mir hat es gefallen, bestimmte Ereignisse manchmal aus Evas, manchmal aus Picassos Sicht erzählt zu bekommen, denn so entsteht der Eindruck einer dynamischen Geschichte, in der man sich mittendrin befindet. Natürlich ist diese Geschichte dramatisch und an einigen Stellen vielleicht etwas zu kitschig (was mich persönlich aber keinesfalls stört, denn übertrieben wirkt es nicht), aber wer große Gefühle und historische Romane liebt, für den ist dieses Buch ein Muss. Wer es lesen möchte, sollte jedoch darauf verzichten, vorher Evas Namen zu googeln (Spoiler!!). Aber wenn ihr während der Lektüre auf ein gewisses Foto stoßt, das Picasso von ihr machen sollte, dann lohnt es sich, mal einen Blick in die Bildersuche zu werfen ;) Das hat mich selbst sehr berührt. Berührt hat mich auch Girards Umgang mit Eva und Picasso und ihr wundervolles Nachwort, in dem sie erklärt, dass sie vor allem Eva und ihre Liebe zu Picasso würdigen wollte - und das ist ihr vollends gelungen. Ich muss einfach deutlich sagen: Ich liebe dieses Buch! Vielen vielen Dank an den Aufbau Verlag, der mir den Roman als Rezensionsexemplar zur Verfügung stellte. Ich bin noch immer völlig verzaubert.


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