Dienstag, 21. April 2015

REZENSION: "Die Verschworenen" (Ursula Poznanski)

Copyright Loewe Verlag
Titel: Die Verschworenen

Autor: Ursula Poznanski

Genre: Roman / Dystopie

Verlag: Loewe Verlag

Erscheinungsjahr: 2014

Format: Taschenbuch (9,99 €)

Seiten: 464

ISBN: 978-3-7855-7921-3

Challenge-Gewinner: Ja (April 2015)

Inhalt:

Seitdem Ria, Aureljo, Tomma, Tycho, Dantorian und Fleming des Verrats bezichtigt und aus ihrer Heimatssphäre fliehen mussten, verstecken sie sich bei den Prims. Allmählich haben sich Ria und ihre Freunde beim Clan der Schwarz- dornen eingelebt, aber in Sicherheit sind sie noch lange nicht. Zwar haben sie herausgefunden, wer der Verräter in den eigenen Reihen ist, doch Angriffe von feindlichen Clans und Exekutoren stören immer wieder den Frieden. Und noch immer ist ungeklärt, welcher Verschwörung die vier Verbliebenen zum Opfer gefallen sind und was es mit "Jordans Chronik" auf sich hat. Auf der Suche nach Antworten begeben sie sich auf eine Undercover-Mission in die Sphäre Vienna 2 - direkt in die Höhle des Löwen. Denn es besteht immerzu die Gefahr, entdeckt und geschnappt zu werden.   


Rezension:

Der Einstieg in Die Verschworenen hat sich dieses Mal für mich leichter gestaltet, als das beim Vorgänger Die Verratenen der Fall war. Dort war mir das gesamte Konzept der Sphären- und Außenbewohner noch ein wenig zu undurchsichtig und verwirrend. Jetzt konnte ich die Lebensverhältnisse der Prims und Sphärenbe- wohner wesentlich besser nachvollziehen, da einige Aspekte, die mir unklar waren, erklärt wurden.
Gut gefällt mir, dass keine der beiden Seiten als völlig gut oder völlig böse charakterisiert wird. Jede hat Vorzüge und Nachteile und ich kann die Gründe verstehen, warum man sich für ein Leben in der Sphäre oder aber in der Wildnis entscheidet. In der Beziehung geht es mir wie Ria, die irgendwo dazwischen steht. Da die Ereignisse durch ihre Augen geschildert werden, übernimmt man wohl automatisch ihre Sicht der Dinge. Dadurch ist sie einem auch erheblich näher als die anderen Charaktere und ich konnte mich dementsprechend am besten mit ihr identifizieren. Allgemein bekommt man aber ein besseres Gespür für die anderen Figuren, was aber leider nicht unbedingt bedeutet, dass man sie deswegen besser leiden kann.
Wie schon im ersten Band hat mir Tomma lediglich ein Augenverdrehen abgerungen, da sich nichts an ihrer wehleidigen Art geändert hat. Mein Mitleid hat sich dementsprechend in Grenzen gehalten, auch wenn sie ihre Schmerzen nicht nur simuliert und wirklich gelitten hat. Nur in äußerst seltenen Momenten, wenn sich Ria daran zurückerinnert hat, dass sie vor ihrer Flucht aus der Sphäre miteinander befreundet gewesen sind, keimte so etwas wie Sympathie in mir für Tomma auf. Die meiste Zeit aber fehlte mir jeglicher Bezug zu ihr. Zwischenzeitlich habe ich mich gefragt, welche Bedeutung sie überhaupt für die Handlung hat, da sie im Grunde nichts Wesentliches dazu beigetragen hat.
Meine Gefühle bezüglich Aureljo haben sich auch nicht wirklich verändert: er ist für meinen Geschmack zu seicht, weil er sich in seinem Glauben an das Gute der Sphärenbewohner nicht erschüttern lässt. Einerseits ist das bewundernswert, andererseits würde ich ihn am liebsten packen und kräftig durchrütteln. Ich weiß nicht, ob er bewusst die Augen vor der Wahrheit verschließt oder ob er tatsächlich von Natur aus so gutgläubig ist.
Die Beziehung zwischen ihm und Ria wirkt, trotz einiger Momente der Zweisamkeit, noch immer stumpf und lose. Das hatte ich schon im vorherigen Band merkwürdig gefunden, aber jetzt gibt es dafür wenigstens eine Erklärung. Scheinbar ist es für Sphärenbewohner normal, zwischenmenschliche Beziehung rational zu betrachten. So lange die Beziehung unkompliziert ist, bleiben sie zusammen, sobald Probleme auftreten, gehen sie getrennte Wege - ohne sich das gegenseitig übel zu nehmen. Wirklich tiefgehende Gefühle sind ihnen eher fremd. Aus dieser Perspektive betrachtet macht die scheinbare Distanziertheit zwischen den beiden irgendwie Sinn. 
Ich denke, es ist unschwer zu erkennen, dass ich Sandor gegenüber Aureljo jederzeit den Vorzug gebe. Ich mag Männer vom Typ "harte Schale, weicher Kern" lieber (zumindest in Büchern) als solche Weltverbesserer wie Aureljo. Umso begeisterter war ich natürlich über die Entwicklung ihrer Beziehung. Dass es zwischen den beiden geknistert hat, war ja schon in Die Verratenen offensichtlich, aber leider gab es da noch keine Annäherung. Das ändert sich in diesem Teil endlich. Die gemeinsamen Szenen der beiden haben meine Stimmung enorm gehoben und ich saß, wie ich gestehen muss, deswegen tatsächlich grinsend mit dem Buch in der Hand in der Straßenbahn. Besonders niedlich fand ich, dass Sandor sie immerzu "Liebling" genannt hat, was ja eigentlich aus der Sicht eines Außenbewohners negativ konnotiert ist, aber aus seinem Mund eine ganz andere Bedeutung bekommt.
Der ein oder andere mag kritisieren, dass sich ihr Verhältnis dann doch allzu rasant und zu intensiv entwickelt hat, und eigentlich würde ich dem sogar zustimmen. Aber diese Kritik wird dadurch abgemildert, dass Ria das Tempo der Entwicklung und auch die Intensität ihrer Gefühle ständig kommentiert. Ihr selbst ist ihr Innenleben suspekt und, wie sie selbst sagt, würde sie den Kopf schütteln, wenn sie derlei Verhalten bei anderen Mädchen beobachten würde. Dadurch war man ihr wesentlich positiver gewogen. Umso mehr habe ich mich dann darüber aufgeregt, wie kurzweilig das Glück der beiden war. Warum müssen Autoren immer im schönsten Moment alles zerstören? (Okay, ich weiß, warum, aber das macht es trotzdem nicht besser.) Die Trennung der beiden war für den Fortgang des Geschehens notwendig, denn nur so konnte Ria der zugrunde liegenden Verschwörung auf die Schliche kommen.  
Im Gegensatz zum ersten Teil steht in Die Verschworenen nun endlich Jordans Chronik im Zentrum, aus der Ria einzelne Fragmente findet. Mit jedem Auszug aus Jordans Tagebuch fügt sich ein neues Puzzleteil an seinen Platz und bringt Licht ins Dunkel. Trotzdem bleibt des Rätsels Lösung bis zum Ende undurch- sichtig, woran sich wieder Ursula Poznanskis Können zeigt. Man bekommt zwar einige Hinweise, aber die entscheidenden Informationen werden einem gewissermaßen vorenthalten. Zumindest schlüsselt sie nicht alle Gedankengänge von Ria auf und lässt den Leser selbst rätseln. Ein ebenso geschickter Kniff ist, dass sie auf kommende Ereignisse hinweist, kleine Anspielungen macht, durch die man sofort Vermutungen anstellt, was passieren wird.
Im Wesentlich wird die Handlung von den Nachforschungen getragen, die die vier und vor allem Ria anstellen. Zwar kommt es öfter zu Angriffen durch feindliche Clans und Exekutoren, aber in diese ist Ria nie aktiv involviert. Trotzdem kann ich nicht behaupten, dass die Lektüre langweilig gewesen wäre, denn ich wollte immer wissen, wie es weitergeht.

Wenn man sich das so durchliest, klingt es so, als hätte mir das Buch nur mittelmäßig gefallen. Dem ist aber nicht so. Denn für mich gehört zu einer guten Leseerfahrung dazu. dass ich mich über Charaktere oder Wendungen aufrege. Das bedeutet nämlich, dass vollkommen in die Handlung eingestiegen bin und mir die Figuren am Herzen liegen. Und genau dieses Gefühl hatte ich beim Lesen. 


Neugierig geworden auf die Trilogie? Hier geht's zu den Rezensionen von Band 1 Die Verratenen und Band 3 Die Vernichteten:

1 Kommentare:

FirePrincess hat gesagt…

Danke für diese Rezension!

Du denkst über absolut ALLES genau so wie ich, was mich sehr anspricht. Die Charaktere, die Handlung, alles hätte ich genau so beschrieben wie du.

Es ist mein absolutes Lieblingsbuch und ich bin froh, dass ich diese Rezension gefunden habe. Es ist so traurig, dass es Leute gibt, die nicht erkennen, wie toll dieses Buch ist, und dann negative Kommentare schreiben.

Danke!
Rin

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