Dienstag, 7. April 2015

REZENSION: "Die Seiten der Welt" (Kai Meyer)

Copyright FJB Verlag
Titel: Die Seiten der Welt

Autor: Kai Meyer

Genre: Roman / Fantasy / Jugendroman

Verlag: FJB Verlag

Erscheinungsjahr: 2014

Format: Gebundene Ausgabe (19,99 €)

Seiten: 556

ISBN: 978-3-8414-2165-4



Inhalt:

Seit Furia Faerfax denken kann, besteht ihre Welt aus Büchern. Als Bibliomantin ist sie in der Lage, sie im Schlag zu lesen. Und nicht nur das. Sobald sie ihr Seelenbuch gefunden hat, wird sie dazu fähig sein, aus diesem ihre Macht zu beziehen und mit ihr wundersame Dinge zu vollbringen. Ihr Leben könnte einem Traum gleichen, aber Furia und ihre Familie schweben in Lebensgefahr. Um die zu retten, die sie liebt, und gleichzeitig alle Bücher der Welt vor ihrer Zerstörung zu bewahren, macht sie sich auf die Suche, um das Geheimnis zu lüften, das in ihrer Vergangenheit und doch gleichzeitig in ihrer Zukunft liegt.

Rezension:

Bevor ich hinsichtlich des Inhalts in die Tiefe gehe, muss ich erstmal die Gestaltung des Buches lobend erwähnen. Nicht nur das Cover sondern auch die ersten und letzten Seiten an sich sind fantastisch gelungen und einer Erwähnung wert. Dasselbe kann man auch über die Website zum Buch sagen, die in kreativer Gestaltung einen kurzen Überblick über die wesentlichen Eckpunkte des Romans gibt. 
Die Handlung setzt vergleichsweise harmlos ein. Die fantastischen Elemente laden zum Träumen ein und als begeisterter Leser beneidet man Furia um ihr bibliomantisches Talent. Daher hatte ich zunächst angenommen, dass sich das Buch gut für junge Leser eignen würde. Nachdem ich nun das Buch beendet habe, sehe ich das etwas anders. Die Gabe selbst hat einige Tücken, die man auf den ersten Blick übersieht bzw. die Furia des Öfteren vergisst. Es wird immer wieder betont, wie wichtig ein verantwortungsvoller Umgang mit der Fähigkeit ist und dass man sie keinesfalls unterschätzen sollte. Allzu schnell gerät man in einen rauschartigen Zustand, tut Dinge, die man nicht beabsichtigt hätte und überschreitet die Grenzen seiner Kraft. Daher bin ich dann doch nicht allzu traurig, dass es in der Wirklichkeit keine Bibliomantik gibt. 
Außerdem hat es mich als Buchliebhaberin extrem geschmerzt, von der Zerstörung von Büchern zu lesen. Beispielsweise werden die Bücher ausgelöscht, mit deren Hilfe Bibliomanten von Ort zu Ort springen, oder ehemalige Seelenbücher liefern sich "blutige" Kämpfe. Das klingt zwar auf den ersten Blick vielleicht ganz witzig, ist es aber nicht. Je weiter die Handlung voranschreitet, desto gefährlicher, brutaler und auch spannender wird die Story. Dabei vergisst man leicht, dass Furia eigentlich erst 15 ist, denn sie ist durch diverse Schick- salsschläge gezwungen, rasend schnell erwachsen zu werden. Alles in allem ist sie eine gut dargestellte Protagonistin. Man kann ihre Gedanken und Emotionen nachvollziehen. Sie besitzt Stärken und Schwächen, ist mal witzig und schlag- fertig, dann wiederum handelt sie unüberlegt oder wird von Kummer geplagt. Sie ist also alles andere als perfekt, eben ein Mensch wie du und ich, und eben darum kann man sich mit ihr identifizieren. 
Der Austausch mit Severin über die Barrieren der Zeit hinweg war das, was mich bei der Leseprobe geködert hatte. Daher hatte ich mir einen regen Nach- richtenaustausch ausgemalt. Den hab ich leider nicht bekommen, da die Ereignisse in Furias Leben einen solchen nicht weiter zulassen. Trotzdem ist er absolut entscheidend für den Verlauf der Geschichte und spielt immer wieder eine Rolle, weshalb ich nicht gänzlich darauf verzichten musste. 
Ich hätte mir ein paar mehr Zusatzinformationen zum Personal der Faerfax gewünscht, denn obwohl sie in meinen Augen einen wesentlichen Beitrag zur Handlung geleistet haben, waren ihre Auftritte nur von kurzer Dauer. 
Meine persönlichen Favoriten waren die Exlibri. Das sind eigentlich erfundene Figuren, die aus ihren Büchern herausgerissen werden. Sie sind quasi die "Underdogs" der Geschichte, da sie von der Adamitischen Akademie unterdrückt und gejagt werden und sich dementsprechend wehren. Auch wenn sie meist etwas grantig wirken, kann man ihre ablehnende Haltung den Menschen gegenüber gut verstehen, schließlich werden sie ziemlich ungerecht behandelt. Davon abgesehen lässt der Gedanke, Romanfiguren persönlich begegnen zu können, mein Leserherz natürlich automatisch höher schlagen. 
Lediglich mit Cat bin ich nicht wirklich warm geworden. Ich muss leider sagen, dass sie mir fast schon gleichgültig war, was wohl aus ihrer anfänglichen egoistischen Einstellung resultiert. Obwohl sie immer mehr ihre scheinbare Gefühlskälte hinter sich lässt und besonders durch Finnian ihre verletzliche Seite zeigt, konnte sie mich nicht für sich einnehmen. Ebenso erging es mir mit der Beziehung zu ihm. Offenbar hegen die beiden ja schon länger tiefere Gefühle füreinander, aber die kamen bei mir nicht wirklich an. Ich vermisste irgendeine Art von Tiefgang und Intimität, aber die Szenen mit den beiden kratzten meines Erachtens nur an der Oberfläche. Allerdings muss ich auch sagen, dass der Fokus schließlich nicht auf ihrer Liebesgeschichte sondern auf Furias Abenteuer liegt. 
Insgesamt gestaltet sich die Geschichte wesentlich komplexer und an- spruchsvoller als ich anfangs angenommen habe. Alles ist von Anfang bis Ende gut durchdacht. Als Autor eines Fantasy-Romans läuft man ja schnell Gefahr, dass sich Widersprüche oder Ungereimtheiten einschleichen. Insofern diese beim Lesen entstanden sind, wurde spätestens am Ende die entsprechende Erklärung geliefert. Lediglich die Sache mit den Clowns, vor denen sich Furias Bruder so sehr fürchtet, ist mir noch nicht ganz schlüssig. Ich frage mich immer noch, ob die Stimmen, die er hört, wirklich nur eine reine Ausgeburt seiner Fantasie sind, oder ob da noch mehr dahinter steckt. 
Der Schluss selbst hat mich dann aber doch etwas lose in der Luft hängen lassen. Ich vermute, dass es eine Fortsetzung geben wird, denn die letzten Sätze schreien nahezu danach. 
Sowohl der Plot als auch die (meisten) Charaktere konnten mich - mal mehr, mal weniger - fesseln. Zu meinem Lieblingsbuch wird es zwar nicht werden, aber auf jeden Fall besteht nicht die Gefahr, dass ich es schnell von meiner mentalen Festplatte löschen werde. 


Die Reihe:

1.Band: Die Seiten der Welt

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