Donnerstag, 9. April 2015

REZENSION: "Das Jahr, in dem ich dich traf" (Cecelia Ahern)

Copyright Fischer Krüger Verlag
Titel: Das Jahr, in dem ich dich traf

Autor: Cecelia Ahern

Genre: Roman / Liebesroman

Verlag: Fischer Krüger Verlag

Erscheinungsjahr: 2015

Format: Hardcover (14,99 €)

Seiten: 382

ISBN: 978-3-8105-0153-0



Inhalt:

Jasmine ist ein Workaholic, sie braucht die Arbeit, wie die Luft zum Atmen. Doch dann wird sie aus heiterem Himmel gefeuert und wird durch das Gardening Leave-Konzept zu einem Jahr der Untätigkeit verdonnert. Sie bekommt zwar weiterhin ihr Gehalt, darf aber keinen neuen Job annehmen. Eine Katastrophe für Jasmine, die sich augenblicklich zu langweilen beginnt. Um sich zu beschäftigen, beobachtet sie die Menschen in ihrer Nachbarschaft. Darunter auch Radio-DJ Matt, der selbst gerade für einen Monat von der Arbeit suspendiert wurde. Obwohl Jasmine schon seit Jahren eine rigorose Abneigung gegen ihn hegt, wird sie immer wieder dazu gezwungen, sich mit Matt auseinanderzusetzen. 

Rezension:

Das Buch hat mich vollkommen überrascht, denn es war ganz anders, als ich erwartet hatte. Ich hatte mich auf eine ähnliche Liebesgeschichte wie in Cecelia Aherns bisherigen Publikationen eingestellt, aber darum geht es in diesem Roman nicht. Natürlich gibt es romantische Verwicklungen in Jasmines Leben, aber im Fokus stehen die Themen Freundschaft, Familie, Selbstfindung und Zufrieden- heit. 
Das Buch ist unterteilt in die 4 Jahreszeiten, beginnend mit dem Winter, speziell dem Silvesterabend, den Jasmine allein verbringt. Man erfährt vor allem alltägliche Situationen, scheinbare Banalitäten, die sie beschäftigen. Das klingt zwar nicht besonders spannend - und ehrlich gesagt fehlte mir deshalb am Anfang auch die Motivation zum Lesen - aber dann konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen. Die Geschichte braucht ein wenig, um ins Rollen zu kommen. Jasmine ist zunächst nur Beobachterin, nimmt eine sehr passive Rolle ein, da sie ihren Gedanken nachhängt und sich ein bisschen selbst bemitleidet, weil sie untätig zu Hause herumsitzt. Jasmines Blick auf die Dinge und ihre Art die Begebenheiten zu schildern, sind oftmals amüsant, da sie von einer gewissen Selbstironie gekennzeichnet sind.
Der Erzählstil wechselt immer wieder zwischen Beschreibungen in der Ich-Perspektive und einer direkten Adressierung an ein fiktives "Sie". Das hat mich ein wenig verwundert, da im Titel ein wesentlich intimeres "Du" verwendet wird. Es handelt sich dabei zwar um ein Zitat aus dem Roman, aber der fiktive Adressat wird durchgängig gesiezt. Ich weiß nicht, ob dieser Widerspruch beabsichtigt ist, oder nicht. Möglicherweise handelt es sich ja auch um einen Übersetzungsfehler vom Englischen ins Deutsche?!
Ich kann mir gut vorstellen, dass Jasmine anfangs nicht jedermanns Sache ist, aber ich persönlich konnte mich gut mit ihr identifizieren. Sie braucht immer eine Beschäftigung, will nützlich und produktiv sein. Langeweile ist ihr Feind, denn mit ihrer Freizeit weiß sie nichts anzufangen. Sie ist ein sehr rational veranlagter Mensch, was aber keinesfalls heißt, dass sie gefühlskalt wäre. Die scheinbare Distanziertheit wird im Laufe der Geschichte durchbrochen und der Leser dringt allmählich zu ihrem weichen Kern vor. Dieser zeigt sich spätestens in ihrem Umgang mit ihrer Schwester Heather, die mit dem Down-Syndrom zur Welt gekommen ist. Die Beziehung der Schwestern ist derart tiefgehend und liebens- wert geschildert, dass man sie einfach mögen muss. In Bezug auf ihre große Schwester hat Jasmine einen ausgeprägten Beschützerinstinkt entwickelt und sie tendiert dazu, Menschen danach zu beurteilen, wie sie mit Heather umgehen. Das gilt sowohl für Fremde als auch für ihren eigenen Vater, zu dem sie ein eher kritisches Verhältnis hat. 
Insgesamt ist sie eine bunte Mischung aus teilweise sehr widersprüchlichen Eigenschaften: in ihrem Job tritt sie sehr selbstbewusst auf, im Privatleben ist sie dagegen öfter unsicher und selbstkritisch; sie bevorzugt klare Strukturen, bringt sich aber selbst immer wieder in merkwürdige Situationen und wirkt sehr chaotisch. Aber genau diese Aspekte machen sie so liebenswert. 
Matt ist ihr in vielen Punkten sehr ähnlich, auch wenn Jasmine das nur ungern wahrhaben will: er liebt es zu arbeiten und ist im Grunde ein absoluter Familienmensch. Sein Problem ist sein Alkoholkonsum, der eine Barriere zwischen sich und seiner Familie aufstellt. Durch ihn vergisst er sich und verhält sich unangemessen, auch wenn er es hinterher immer bereut. Das ist auch einer der Aspekte, weshalb er Jasmine unsympathisch ist. Nach und nach lernt sie (not- gedrungenermaßen) ihren Nachbarn aber besser kennen und muss ihre anfänglichen Vorbehalte über Bord werfen. 
Matts und Jasmines Beziehung entwickelt sich sehr zaghaft. Hin und wieder stoßen sie einander vor den Kopf und entfernen sich dadurch wieder voneinander, aber sie schaffen es jedes Mal, sich wieder zusammenzuraufen und aufeinander zu zugehen. Sie helfen sich gegenseitig, die Zeit zu überbrücken und auch sich selbst besser kennenzulernen. Ihre Dynamik basiert vor allem auf einem (harmlosen) verbalen Schlagabtausch und kleinen Seitenhieben. Sie provozieren einander bewusst und testen immer wieder ihre Grenzen aus. Dabei sind sie aber nicht verbissen, sondern wissen ihren Gegenüber mit Humor zu nehmen, und genau deshalb haben mir ihre gemeinsamen Szenen wirklich Freude bereitet. 
Ahern stellt ihre Fähigkeit unter beweis, mit jedem Buch eine andere Haut überzustreifen, sowohl in Bezug auf die Themen als auch in ihrer schriftstel- lerischen Vorgehensweise. Daher ist Das Jahr, in dem ich dich traf schwer mit ihren anderen Werken vergleichbar. Anders als das sehr emotionale P.S. Ich liebe dich oder das zumeist heiter geschriebene Für immer vielleicht kommt der Roman sehr sacht und ruhig daher, aber nicht weniger einfühlsam und bewegend. 
Trotzdem hat mir ein wenig der Pfiff gefehlt, denn die Handlung hatte keinen wirklichen Höhepunkt, keinen direkten Konflikt, sodass ich mich zwischenzeitlich schon gefragt habe, worauf das Ganze hinausläuft. Ich bin zwar auch kein Freund von Schmalz und Melodramatik, aber ein bisschen mehr Drama hätte die Ge- schichte doch vertragen können.


1 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

ziemlich öde, langatmig, langweilig, teilweise unglaubhaft. und die probleme, die menschen mit down syndrom haben, werden erschreckend verniedlicht.
nein - nicht lesenswert

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