Mittwoch, 4. März 2015

REZENSION: "Verbrechen: Stories" (Ferdinand von Schirach)

Copyright Piper Verlag
Titel: Verbrechen: Stories

Autor: Ferdinand von Schirach

Genre: Krimi / Kurzgeschichten

Verlag: Piper Verlag

Erscheinungsjahr: 2010

Format: Taschenbuch (8,99 €)

Seiten: 208

ISBN: 978-3492259668

Challenge-Gewinner: /




Inhalt:

Ferdinand von Schirach ist ein erfolgreicher Berliner Rechtsanwalt, der in seiner Laufbahn als Verteidiger schon Einiges an skurrilen und außergewöhnlichen Verbrechen erlebt hat. Und daran lässt er uns in seinem Buch teilhaben. Ein Arzt, der nach Jahrzehnten in einer unglücklichen Ehe überraschend die Fassung verliert, ein merkwürdiger Einbruch, der eine Reihe an Verbrechen nach sich zieht, ein Toter, der zerstückelt wird - die Palette an Taten ist breit und nicht immer können diese vollständig aufgeklärt werden. Was von Schirach als Strafverteidiger täglich erlebt, ist überraschend und manchmal sogar komisch...


Rezension:

Ferdinand von Schirachs Buch umfasst mehrere kurze Geschichten. Das Cover ist clean und direkt: Der gut gekleidete Mann mit Aktenkoffer und Hut vor weißem Hintergrund kann gut ein Anwalt aus. Gleichzeitig wirkt das Bild auch ein wenig mysteriös und macht neugierig auf den Inhalt. Ganz so spannend geht es dann meiner Meinung nach jedoch nicht weiter.
Die kleinen Geschichten haben durchaus ihren Reiz und sie lassen sich schnell und am Stück lesen, für unterwegs durchaus angenehm. Die Themen und geschilderten Verbrechen sind teilweise erstaunlich und skurril, lassen einen manchmal ein wenig Schmunzeln oder erregen sogar Mitleid. Das schafft der Autor jedoch nicht mit seiner Art zu Schreiben, sondern mit den geschilderten Begebenheiten an sich. Obgleich die Stories interessant und außergewöhnlich sind, merkt man beim Lesen deutlich, dass der Autor ein Jurist ist. Seine Geschichten erscheinen mir teilweise eben nicht wie literarische Kurzgeschichten, sondern eher wie in sich abgeschlossene Berichte. Der nüchterne und sachliche Erzählton (in den meisten Fällen ohne jegliche Wertung des Autors) stört mich persönlich etwas, denn ich mag es lieber ein wenig gefühlsbetonter und intensiver. Dennoch hat dieser Erzählton auch positive Auswirkungen auf die Geschichten: Von Schirach schildert die Verbrechen lediglich, erzählt, welche Rolle er als Verteidiger einnahm und wie die Prozesse ausgingen. Dabei bleibt er sachlich, wodurch es dem Leser ermöglicht wird, sich eine eigene Meinung zu bilden. Da der Autor, der in diesem Buch höchstwahrscheinlich gleichzeitig Ich-Erzähler ist, nicht selbst wertet, wird der Leser in seiner Meinungsbildung so gut wie gar nicht beeinflusst. Das ist eine sehr interessante Schreibweise, wenn auch gewöhnungsbedürftig und sicherlich nicht jedermanns Sache.

Insgesamt hat mich Verbrechen schon unterhalten, denn die Geschichten sind sehr skurril und manchmal auch unglaublich. Dennoch hat mich der nüchterne Erzählstil etwas gestört: Emotionen fehlen fast komplett, was für die einen sicherlich negativ, für andere wiederum sehr erfrischend und durchaus positiv sein mag. Wer einmal etwas ungewöhnliche Kurzgeschichten lesen möchte, ist mit dem Buch bestens beraten. Klassische Krimis sollte man dabei allerdings nicht erwarten, denn die Spannung besteht in den meisten Fällen nicht in der Aufklärung der Identität des Täters oder der Aufklärung des Verbrechens an sich, sondern vielmehr lediglich im Ausgang des Prozesses. Man fragt sich dann nur: Wie lange wird er wohl ins Gefängnis müssen oder wird er doch freikommen? Das ist hin und wieder ein wenig unbefriedigend.


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