Montag, 16. März 2015

REZENSION: "Perfekt ist jetzt" (Tim Tharp)

Copyright Magellan Verlag
Titel: Perfekt ist jetzt

Autor: Tim Tharp

Genre: Roman / Jugendliteratur /                               Liebesroman

Verlag: Magellan Verlag

Erscheinungsjahr: 2014

Format: Hard Cover (16,95 €)

Seiten: 332

ISBN: 978-3-7348-5003-5




Inhalt:

Sutter ist jung und genießt das Leben in vollen Zügen. Er ist bekannt für seine waghalsigen Aktionen und dafür. täglich seine Getränke mit einem guten Schuss Whisky aufzupeppen. Im Dauerdelirium lebt es sich für ihn leichter: ohne Sorgen, ohne Ängste, ohne Schmerz.
Nach einem seiner Alkoholexzesse sieht er sich Aimee gegenüber, die das komplette Gegenteil von ihm ist: schüchtern, unsicher, introvertiert. Sie lässt sich von allen Herumkommandieren, setzt sich niemals durch. Sutter macht es sich zur Aufgabe, Aimee zu dem Menschen zu machen, den er in ihr schlummern sieht. Er beginnt, sich mit ihr zu treffen und sie in seine Welt einzuführen. Aber anstatt ihr Ritter in goldener Rüstung zu sein, droht er allmählich zu den Eisberg zu werden, der ihr Schiff zum Sinken bringt.

Rezension:

Zu Beginn tat ich mich ein wenig schwer mit Tim Tharps Schreibweise. Ich hatte den Eindruck, er würde sich sehr darum bemühen, den jugendlichen Ton zu imitieren. Mit der Zeit hat sich das aber gegeben, das Ganze wurde flüssiger und runder, als hätte er sich erst "warm schreiben" müssen.
Die Geschichte wird eindeutig vom Protagonisten Sutter getragen. Auch wenn die Zusammenfassung zunächst nach einem heruntergekommenen Alkoholiker klingt, darf man sich davon nicht täuschen lassen. Natürlich drehen sich ein Teil seiner Gedanken und Monologe um sein Verhältnis zum Alkohol, aber trotzdem ist er ein bemerkenswert einfühlsamer Mensch. Er sieht oftmals mehr in den Menschen, als man das von manch anderem behaupten kann, setzt sich für andere ein und ist loyal. Phasenweise erscheint er etwas großspurig, aber trotzdem wirkt er dabei nicht überheblich oder unsympathisch. Ich fand sogar, dass er eine bemer- kenswert gute Selbsteinschätzung an den Tag legt - etwas, worum ich ihn beneide. Es fehlt ihm lediglich im Hinblick auf seine Taten an Weitsicht. Daher geht es im Roman nicht um Identitätsfindung, wie für viele Jugendromane üblich, sondern um verantwortungsbewusstes Handeln. Sutters Entwicklung vollzog sich schleichend, teilweise mit Rückschlägen versehen, und konnte mich deshalb überzeugen. Abgesehen von seinem Alkoholproblem (das er immer wieder abstreitet) erscheint er mir wie der perfekte Kumpel: witzig, charmant, für andere da. Sein Lebensmotto "Heiße alles Seltsame willkommen" war äußerst inspirierend für mich. Ich finde, jeder Mensch sollte diese Einstellung teilen, weil dadurch wesentlich weniger Komplikationen im Alltag entstehen. 
Meine Begeisterung von Sutter trifft leider nicht ganz auf Aimee zu. Ich mochte ihre stille, zurückhaltende Art und ihre Verschrobenheit zu Beginn. Zwi- schenzeitlich hat sie dann ein paar Sympathiepunkte eingebüßt. Sie war mir manchmal zu anhänglich und unselbstständig, in anderen Momenten dann wieder übertrieben selbstbewusst und direkt. Sie ist ständig zwischen den extremen hin und her gependelt, ohne das Mittelmaß zu finden. Das heißt aber nicht, dass ich nicht doch mit ihr mitleiden konnte, nur, dass mir die Umschwünge manchmal auf die Nerven gingen.
Ebenso unerwartet wie die Handlung verlief auch das Ende. Auch wenn ich es mir anders gewünscht hätte, muss ich doch sagen, dass es sehr authentisch, aber keineswegs pessimistisch geworden ist.
Insgesamt hat mich der Roman durchweg überrascht. Es ist keine typische "Hässliches Entlein wird zum schönen Schwan"-Geschichte, wie man sich das vielleicht denken würde. Stattdessen bekommt der Leser eine Erzählung aus der Sicht eines Jugendlichen, der das Leben nimmt, wie es kommt und das beste daraus macht. Dabei werden Leichtigkeit und ernste Themen, Humor und kritische Auseinandersetzungen miteinander verknüpft, die zum Nachdenken anregen, ohne dass dabei der Lesegenuss verloren geht.



Hier könnt ihr euch den Trailer der Verfilmung ansehen.

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