Mittwoch, 11. März 2015

REZENSION: "Memory. Stadt der Träume" (Christoph Marzi)

Copyright Arena Verlag

Titel: Memory. Stadt der Träume

Autor: Christoph Marzi

Genre: Roman / Jugendliteratur / Fantasy

Verlag: Arena Verlag

Erscheinungsjahr: 2011

Format: Hard Cover (14,99 €)

Seiten: 321

ISBN: 978-3-401-06622-6

Challenge-Gewinner: Ja (März 2015)


Inhalt:

Jude ist ein gewöhnlicher Jugendlicher, abgesehen von der Tatsache, dass er Geister sehen kann. Den größten Teil seiner Freizeit verbringt er auf dem Highgate Cemetery und den Geistern dort. Eines Nachts findet er dort ein Mädchen, das weder ein Mensch, noch ein Geist ist. Sie befindet sich in der Zwischenwelt, hat aber keinerlei Erinnerungen, wie sie dort hingekommen ist. Bei ihren Nachforschungen finden Jude und Story, wie sie sie vorläufig taufen, heraus, dass sie von zwei mysteriösen Männern ohne Gesicht verschleppt worden ist. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach ihrem Körper, doch langsam rinnt ihnen die Zeit davon. Je mehr sich Story an ihr früheres Leben erinnert, desto näher rückt ihr Tod.


Rezension:

Das Cover des Buches hat mich sofort angesprochen: mystisch und romantisch, wie es sich für ein Fantasybuch gehört, Dementsprechende Erwartungen hatte ich natürlich, leider haben sich diese nicht gänzlich erfüllt.
Zunächst einmal ist Marzi auf jeden Fall seine Art, einzelne Orte zu beschreiben, positiv anzurechnen. Sie wecken in mir immer den Wunsch, meine Sachen zu packen und selbst die einzelnen Schauplätze aufzusuchen. Mir gefällt es, dass ein Großteil der Geschichte auf dem Highgate Cemetery stattfindet, denn der ist wohl einer der schönsten auf diesem Planeten. Besonders schön ist die Idee, dass die Toten dort regelmäßig Partys feiern. Das vermittelt die Botschaft, dass auch Sterben nicht immer deprimierend sein muss (insofern man an ein Leben nach dem Tod glaubt). 
Außerdem mag ich Marzis Art, Musik, Anspielungen auf literarische Klassiker und Mythen und Legenden mit der Handlung zu verweben. Dadurch hab ich das Gefühl, mich durch meine Freizeitlektüre auch ein wenig fortzubilden.
Der Aufbau gestaltet sich bei Memory und Heaven. Stadt der Feen ziemlich ähnlich: Es geschieht ein mysteriöses Verbrechen, die Protagonisten begegnen sich, haben sofort einen Draht zueinander und versuchen gemeinsam, das zugrunde liegende Rätsel zu lösen. Dabei sitzt ihnen die Zeit im Nacken, weshalb sich die Handlung auch nur über wenige Tage erstreckt. Ähnlich einer Schnitzeljagd setzen sich erst nach und nach einzelne Puzzleteile zu einem Gesamtbild zusammen. Dadurch wurde ich als Leserin natürlich immer zum Weiterlesen verführt. Trotzdem muss ich genau hier etwas Kritik anbringen. Teilweise war mir die Lösung der Probleme zu einfach und die Hürden wurden allzu schnell überwunden. Ich mag es lieber, wenn sich die Dinge ein wenig durch unerwartete Wendungen verkomplizieren. Auch dem Schluss fehlte es leider an Nervenkitzel und war zu knapp gefasst. Wieder einmal hatte ich das Gefühl, als würde Marzi zu einem schnellen Ende kommen wollen. 
Die Romanfiguren bzw. -wesen sind alle (dem Genre entsprechend) skurril, aber liebenswürdig, und besonders dem Geist Gaskell gelingt es, den Leser durch seine Extravaganz zu unterhalten, ihm aber gleichzeitig einige Weisheiten zu vermitteln. Anders als bei Heaven spielten die Nebencharaktere eine größere Rolle. Man hat demnach mehr über ihr (früheres) Leben erfahren, wodurch sie für mich greifbarer waren. Ein weiterer Pluspunkt ist die sich zaghaft entwickelnde Liebesgeschichte zwischen Jude und Story, die ein kleiner Bonus zur eigentlichen Handlung ist, diese aber nicht bestimmt. 
Letzten Endes waren die Charaktere für mich auch der entscheidende Faktor, warum ich Memory gegenüber Heaven vorziehe, da ich einen besseren Bezug zu ihnen aufbauen konnte. Wer hingegen mehr Wert auf Spannung als auf Charaktere legt, ist wahrscheinlich mit Heaven besser beraten.



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