Mittwoch, 4. März 2015

REZENSION: "Ich bin schizophren und es geht mir allen gut" (Dirk Bernemann)

Copyright Ubooks-Verlag
Titel: Ich bin schizophren und es geht mir allen gut

Autor: Dirk Bernemann

Genre: Anti-Pop

Verlag: Ubooks-Verlag

Erscheinungsjahr: 2009 (2. Auflage)

Format: Taschenbuch (9,99 €)

Seiten: 222

ISBN: 978-3-86608-107-9




Inhalt:

In Geschichten aus dem Alltag und Auszügen aus seiner Gedankenwelt präsentiert Dirk Bernemann seine Sicht auf die Menschheit. Manchmal liebt er sie, manchmal hasst er sie, manchmal empfindet er das auch für sich selbst. Er schwelgt in Erinnerungen, fühlt sich romantisch, und im nächsten Moment fehlt ihm wieder komplett das Verständnis für seine Mitmenschen. All das gehört zu seiner Persönlichkeit und um eben diese geht es in seinem Buch.  


Rezension:

Zuerst hatte ich gedacht: Dirk Bernemann und ich, wir werden wohl eher keine Freunde. Die Reise durch seine Gedankenwelt und die epsiodenhaften Schilderungen des Lebens seiner Mitmenschen haben bei mir nicht gerade Begeisterungsstürme erweckt. Ich fand ihn zu abgeklärt, zu überheblich und seine Ausführungen waren für meinen Geschmack eher anstrengend als mitreißend.
Während er im Vorwort noch kritisierte, dass die Menschheit sich dem Regenwurm überlegen fühlte, bekam ich beim Lesen den Eindruck, dass es sich bei ihm selbst in Bezug auf seine Mitmenschen auch nicht anders verhält. Zumindest zeugen die geschilderten Begebenheiten und Gedanken nicht gerade von Sympathie ihnen gegenüber. An sich bin ich ja auch schnell mal von den Leuten auf der Straße genervt, finde sie merkwürdig und rege mich über sie auf. Aber trotzdem musste ich mich durch den Anfang durchkämpfen, wollte es eigentlich sogar komplett aus der Hand legen. Ich hab mich gefragt, ob ich Bernemann vielleicht falsch verstehe und er es ganz anders meint. Oder ob ich beim Lesen einfach nicht in der richtigen Stimmung war und einfach zu sensibel reagiert habe. 
Aber dann kam das Kapitel "Poesieteil gegen Grammatik und Freunde", in dem er einen Einblick in seinen poetischen Werdegang gibt, gefolgt von ein paar Bei- spieltexten. Ab da musste ich mein Bild von ihm revidieren. Er erschien mir auf einmal zugänglicher und nicht mehr so überheblich wie zu Beginn. Stattdessen setzt er sich teilweise humorvoll kritisch mit sich selbst auseinander. Außerdem verstand ich endlich, dass er sich bewusst nonkonform ist und schreibt. Seine Texte sollen provozieren, sollen zum Diskutieren anregen. Er will nicht beklatscht und umjubelt werden. Und genau das werde ich auch nicht tun. 

Möglicherweise ist genau diese Ambivalenz, die man beim Lesen empfindet, der Grund dafür, warum der Titel Ich bin schizophren und es geht mit allen gut letztendlich so treffend gewählt erscheint. Man pendelt die ganze Zeit zwischen Sympathie und Ablehnung hin und her.
Für das Buch selbst muss man viel Zeit und Geduld aufbringen, einige Sachen vielleicht mehrmals lesen, um sie im vollen Umfang zu verdauen. Dennoch bin ich mir nicht ganz sicher, welchen Zweck er mit diesem Buch verfolgt hat. Letztendlich entstand bei mir der Eindruck, dass er einfach nur mal ein bisschen Gedanken- ballast in die Welt abwerfen wollte. Die Botschaft, die er mir aber vermitteln konnte, war: Keiner passt in Schema F, jeder speist sich aus mehreren (teilweise widersprüchlichen) Persönlichkeiten und das ist vollkommen okay. 


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