Dienstag, 31. März 2015

REZENSION: "Die Wunderübung. Eine Kömodie" (Daniel Glattauer)

Copyright Deuticke Verlag
Titel: Die Wunderübung. Eine Komödie

Autor: Daniel Glattauer

Genre: Komödie

Verlag: Deuticke Verlag

Erscheinungsjahr: 2014

Format: Gebundene Ausgabe (12,90 €)

Seiten: 112

ISBN: 978-3-552-06239-9

Challenge-Gewinner: /

Inhalt:

Kurz und knapp: Valentin und Joana sind seit 17 Jahren miteinander verheiratet und haben zwei Kinder. In der Ehe kriselt es schon seit geraumer Zeit. Eine Sitzung beim Paartherapeuten soll Abhilfe schaffen und die Beziehung retten. Eben dieses Therapiegespräch (und nur dieses) wird im Buch dargestellt. Kann der Therapeut mit seinen unkonventionellen Übungen und Methoden die Pro- bleme des Paares lösen?

Rezension:

Es handelt sich nicht um einen Roman, wie ich zunächst angenommen hatte. Der Aufbau ähnelt einem konventionellen Drama mit Dialogen und kleinen Regieanweisungen. Dementsprechend ist die Anzahl der dramatis personae äußerst überschaubar: es treten nur Joana, Valentin und der Therapeut Herr Magister auf. Aber weniger ist ja bekanntlich manchmal mehr. 
Die Ausgangssituation ist relativ unangenehm: Valentin und Joana gehen sehr bissig miteinander um, wirken fast schon miteinander verfeindet, und sind nicht einmal annähernd gewillt, aufeinander zuzugehen. Keine leichtes Unterfangen für den Therapeuten also und ich hätte nicht mit ihm tauschen wollen. Ich kann mir gut vorstellen, dass Paartherapeuten öfter erleben, dass ihre Patienten an derart verhärteten Fronten kämpfen. An der Stelle also Hut ab vor ihrer Arbeit.
Wäre ich die Therapeutin der beiden gewesen, dann hätte ich mich wohl auf Valentins Seite geschlagen. Er tat mir zwischenzeitlich wirklich leid, weil Joana ihm entweder ins Wort gefallen ist oder ihn bewusst provoziert hat. 
Sie ist eine sehr passiv-aggressive Person, teilweise war sie wirklich fies zu ihrem Mann und ich habe mich wirklich gefragt, wie Valentin es überhaupt noch mit ihr aushält. Jede annähernd positive Gefühlsregung wurde von ihr sofort im Keim erstickt, indem sie immer wieder längst vergangene Dinge zur Sprache gebracht hat. 
Das klingt jetzt natürlich so, als würde man beim Lesen die ganze Zeit bestürzt sein oder sich angesichts der ungenierten Anfeindungen zumindest unwohl fühlen, aber das ist keinesfalls so. Daniel Glattauers Kunst besteht für mich darin, dieses leider inzwischen weit verbreitete Problem mit einem Augenzwinkern zu vermitteln. Besonders die Regieanweisungen zeugen von einem unterschwelligen Humor und lockern die Dialoge auf. Man löst sich zum größten Teil mit einem positiven Gefühl von der Lektüre, denn so verfahren die Situation auch sein mag, so ist sie doch nicht aussichtslos. Ich werde nicht verraten, worin die eigentliche Wunderübung besteht, aber schon nach einigen Seiten hatte ich eine dahingehende Vermutung, die sich dann auch bestätigt hat. Trotzdem hat das Ende zumindest eine kleine Überraschung für mich bereit gehalten, welche dem Stück satirische Züge verleiht. 
Ich kann Paaren in einer Beziehungskrise wirklich nahelegen, dieses Buch zu lesen und selbst einmal einige dieser Übungen auszuprobieren. In dem Sinne würde ich Die Wunderübung als einen Beziehungsratgeber der etwas anderen Art sehen. Aber auch alle anderen, besonders die, die wie ich auch schon Gut gegen Nordwind und Alle sieben Wellen verschlungen haben, kommen auf ihre Kosten. 

Als kleiner Tipp für alle Lesemuffel: Die Wunderübung wird inzwischen in mehreren Städten (z.B. Aachen, Wien, Berlin) im Theater aufgeführt.

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