Montag, 9. März 2015

REZENSION: "Die uns lieben" (Jenna Blum)

Copyright Aufbau Verlag
Titel: Die uns lieben

Autor: Jenna Blum

Genre: Historischer Roman / Zweiter Weltkrieg

Verlag: Aufbau Verlag

Erscheinungsjahr: 2015

Format: Hardcover (19,95 €)

Seiten: 518

ISBN: 978-3351035884

Challenge-Gewinner: /


Inhalt:

USA, 1996: Trudy und ihre Mutter Anna haben kein besonders gutes Verhältnis zueinander, was vor allem daran liegt, dass Anna niemals über ihre Vergangenheit in Deutschland und über Trudys Vater spricht. Aus diesem Grund nimmt Trudy, die Professorin für Geschichte ist, an, ihr Vater sei ein hochrangiger SS-Offizier und hat nun mit der erdrückenden Erbschuld zu kämpfen. Um aufzudecken, wie deutsche Frauen während des Zweiten Weltkriegs lebten und handelten und wie sie dies heute rechtfertigen, startet Trudy ein "Deutschen-Projekt" - wie sie es nennt - und befragt zu diesem Zweck Frauen und Männer im Alter ihrer Mutter. Trudy will Anna endlich verstehen und stößt dabei schließlich auf eine Geschichte, die so ganz anders ist als vermutet.
Deutschland, 1939-1945: Die junge Anna bringt nach einer unglücklichen Affäre ihre Tochter Trudie zur Welt, wird von ihrem tyrannischen Vater verstoßen und kommt kurzerhand bei der Bäckerin Mathilde unter, die die Häftlinge im KZ Buchenwald regelmäßig mit Backwaren versorgt und Botschaften aus dem Lager schmuggelt. Anna hilft ihr nach Trudies Geburt, doch bald ist sie gezwungen, andere Wege einzuschlagen und alles zu tun, um sich und ihre Tochter zu schützen und lebend durch den Krieg zu bringen... 



Rezension:

Das Buch habe ich bei Lovelybooks - vom Aufbau Verlag - als Leseexemplar gewonnen und schon das Cover beeindruckte mich. Das kleine Mädchen im pinkfarbenen Mantel erinnerte mich sofort an das Mädchen im roten Mantel, das in Spielbergs Film Schindlers Liste mehrmals auftaucht. Und auch die Bäckerei im Hintergrund macht deutlich, worum es geht: Zwei mutige Bäckersfrauen, die während des Zweiten Weltkriegs Häftlinge im KZ Buchenwald mit Backwaren versorgten.
Der Einstieg fiel mir dann jedoch wider Erwarten etwas schwer, denn ich musste mich erst an Blums Schreibstil gewöhnen, der auf jeden Fall anders und ausgefallen ist. Damit meine ich vor allem die direkte Rede, die nicht als solche gekennzeichnet und in den Fließtext integriert ist. Anfangs hat mir das einige Schwierigkeiten bereitet, nach einer Weile ist es mir jedoch nicht mehr weiter aufgefallen. Auch mit dem Wechsel zwischen den Zeiten und somit auch zwischen Trudys und Annas Geschichte bin ich recht gut klar gekommen, die Passagen waren jeweils recht kurz gehalten, wodurch die Spannung niemals verlorenging. Allerdings muss ich sagen, dass ich mich in die Personen nicht wirklich hineinfühlen konnte. Natürlich - vom Logischen her habe ich sowohl Anna als auch Trudy theoretisch verstehen können, aber trotzdem waren sie für mich irgendwie distanziert, sie kamen mir ein wenig kühl und unnahbar vor - nicht nur in der fiktiven Welt des Romans, sondern eben auch in Bezug auf den Leser. Besonders Anna erschien mir dabei ziemlich konstruiert: Anhand ihres Charakters spürt man deutlich, dass Blum vor dem Schreiben des Romans akribisch recherchiert hat, um historisch genau zu sein und das ist auf der einen Seite natürlich gut - trotzdem geht dadurch Authentizität verloren. Es kommt mir so vor, als habe Blum alle Schicksale deutscher Frauen während des Zweiten Weltkriegs (so unterschiedlich, berührend, traurig, hart und schwer vorstellbar sie sind, mit all ihren Facetten), die sie finden konnte, genommen und zu Anna zusammengesetzt. Was ihr genau passiert, möchte ich natürlich nicht verraten, aber nur so viel: Es ist sehr viel und es ist von jedem Etwas dabei - für mich persönlich ist das ein wenig über das Ziel hinausgeschossen.
Die Geschichte an sich ist zwar durchaus spannend, wirkt an vielen Stellen jedoch zu konstruiert und ist außerdem voller Klischees und Schwarz-Weiß-Malerei. Oftmals teilt Blum klar ein in Gut und Böse und das stört mich (vor allem in Bezug auf den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust) extrem. Hier wäre es interessanter gewesen, differenzierter zu beschreiben und zu urteilen. Wer sich mit der Geschichte nicht auskennt und diesen Roman liest, könnte sonst ein falsches Bild vermittelt bekommen. Auch hatte ich erwartet, dass die Heldentaten von Anna und Bäckerin Mathilde einen größeren Teil der Geschichte einnehmen würde, was vermutlich vor allem dem Klappentext zuschulden ist. Ein Überraschungsmoment, mit dem ich eigentlich gerechnet hatte, blieb ebenfalls aus.

Dennoch hat sich das Buch sehr gut lesen lassen, war an vielen Stellen schockierend und ist vor allem ehrlich und schonungslos geschrieben. Das sind Aspekte, die mir sehr gut gefallen und die die negativen Dinge, die mir aufgefallen sind, etwas relativieren. Insgesamt kann ich sagen, dass ich das Buch recht gerne gelesen habe, auch wenn ich mir gewünscht hätte, dass sich Blum noch intensiver mit der Materie auseinandergesetzt und die Geschehnisse etwas differenzierter betrachtet hätte. Die Geschichte ist erschütternd und ich denke, vor allem an dem Rahmen (der Beziehung zwischen Trudy und Anna) hätte man mehr arbeiten können. Nichtsdestotrotz habe ich die Lektüre stellenweise sehr genossen, fand die geschichtlichen Aspekte interessant und möchte mich daher noch einmal herzlich beim Aufbau Verlag für das Exemplar bedanken.



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