Mittwoch, 25. März 2015

REZENSION: "Der nie abgeschickte Liebesbrief an Harold Fry" (Rachel Joyce)


Copyright FISCHER Krüger Verlag
Titel: Der nie abgeschickte Liebesbrief an               Harold Fry: Das Geheimnis der                        Queenie Hennessy

Autor: Rachel Joyce

Genre: Roman / Liebesroman

Verlag: Fischer Krüger Verlag

Erscheinungsjahr: 2014

Format: Gebundene Ausgabe (18,99 €)

Seiten: 397

ISBN: 978-3-8105-2198-9

                                                          

Inhalt:

Eines Tages läuft Harold Fry einfach los. Sein Ziel ist das Hospiz, in dem seine ehemalige Arbeitskollegin Queenie Hennessy liegt. Auf dem Weg zu ihr schickt er ihr immer wieder Postkarten von den Orten, an denen er sich befindet, die immer eine einzige Bitte enthalten: Queenie soll auf ihn warten, komme was wolle. Während sie auf ihn wartet, schreibt sie ihm einen Brief. Einen Brief, der ihre Geschichte erzählt. Einen Brief über ihre Gefühle und Geheimnisse, darüber, was sie ihm all die Jahre nicht sagen konnte.

Rezension:

Vorab muss ich sagen, dass ich Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry nicht gelesen habe. Das war möglicherweise ein Fehler. Beide Geschichten scheinen stark miteinander verwoben zu sein. Entsprechend meiner Unkenntnis war ich nicht auf das Buch vorbereitet, was vermutlich meinen Leseeindruck negativ beeinflusst hat.
Zunächst war mir nicht ganz klar, warum Queenie in einem Hospiz liegt und ehrlich gesagt hat sich mir das noch immer nicht erschlossen. Mit der Zeit konnte ich herauskristallisieren, dass sie 1. aufgrund ihrer Krankheit nicht sprechen kann und 2. sie bald sterben wird, ebenso wie alle ihre Mitpatienten. Um so stärker war ich daher von der positiven Einstellung der Kranken beeindruckt. Sie haben es trotz ihres schweren Schicksals geschafft, ihre verbleibenden Tage so weit es ihnen möglich ist, zu genießen. Besonders durch Harold Frys Reise haben sie einen Auftrieb erfahren und gemeinsam mit Queenie auf seine Ankunft hin- gefiebert. Solche Szenen haben das Geschehen ein wenig aufgelockert, trotzdem hatte man beim Lesen durchweg ein bedrückendes, klammes Gefühl. 
Ich musste mich mehr oder weniger durch das Buch durchkämpfen. Das hat, abgesehen von meinen fehlenden Vorinformationen, mehrere Gründe. Zum einen bin ich kein Fan von langatmigen, ausschweifenden Landschaftsbeschreibungen. Zum anderen hat mich leider die Du-Adressierung nicht ansprechen können und die häufig aneinandergereihten Hypotaxen kreierten eine Schwermütigkeit, die es mir erschwerte, eine Nähe zu Queenie und den anderen Charakteren auf- zubauen. Ich war, wie gesagt, von ihrem Schicksal betroffen, aber auch nicht gänzlich aus der Bahn geworfen. Queenies Ringen mit sich selbst, Harold ihre Gefühle und ihre Geheimnisse zu gestehen, war zwar traurig zu verfolgen, aber mir persönlich mangelte es an einem Höhepunkt, einer Geschichte, die mich fesseln konnte. Der "Knall" kam erst auf den letzten Seiten des Romans. Das Ende war sehr berührend und hat meinen Blick auf die Handlung merklich verändert. Theoretisch müsste ich das Buch noch einmal lesen, um zu sehen, ob die Geschichte jetzt andere Gefühle in mir wachruft. Außerdem hat es mich dazu animiert Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry zu lesen, in der Hoffnung, dass ich Der nie abgeschickte Liebesbrief an Harold Fry besser verstehe und angemessen beurteilen kann.


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