Donnerstag, 26. Februar 2015

REZENSION: "Lady Almina und das wahre Downton Abbey: Das Vermächtnis von Highclere Castle" (Gräfin von Carnarvon)

Copyright mvg Verlag
Titel: Lady Almina und das wahre Downton Abbey

Autor: Gräfin von Carnarvon

Genre: Biografie / Historisches Essay

Verlag: mvg Verlag

Erscheinungsjahr: 2013

Format: Hardcover (17,99 €)

Seiten: 304

ISBN: 978-3868824766

Challenge-Gewinner: /




Inhalt:

Highclere Castle, ein alter englischer Adelssitz, ist die Kulisse für die mittlerweile weltweit erfolgreiche Kostümserie "Downton Abbey", in der er es um eine britische Adelsfamilie zu Beginn des 20. Jahrhunderts geht. Lady Almina von Carnarvon ist eine historische Person, die tatsächlich zu dieser Zeit gelebt hat und Herrin von Highclere Castle war. Bevor sie den Lord von Carnarvon heiratete, war sie einfach die uneheliche Tochter eines britischen Bankiers, zwar vermögend, aber gesellschaftlich nicht sehr gut angesehen. Nach der Heirat mit dem Lord entwickelt sich Almina zu einer würdigen Lady, die Highclere Castle verwaltet und dort legendäre Festlichkeiten veranstaltet. Als der Erste Weltkrieg ausbricht, erweist sie sich außerdem als sehr hilfsbereite Frau, die keine Kosten und Mühen scheut, um ihren Beitrag für das Vereinigte Königreich zu leisten. Highclere Castle wird - wie auch Downton Abbey - zu einem Militärkrankenhaus, in dem sich verwundete Soldaten nach ihrer Rückkehr nach Großbritannien von ihren Verletzungen erholen können. So oder so war Lady Alminas Leben ein sehr bewegtes, ganz ähnlich dem der Charaktere in der beliebten BBC-Serie...


Rezension:

"Downton Abbey" ist eine meiner absoluten Lieblingsserien, nicht zuletzt deswegen, weil sie sowohl das Leben des Adels als auch das der Dienerschaft im Großbritannien zu Beginn des 20. Jahrhunderts beleuchtet - eine Zeit, die mich sehr interessiert. Aus diesem Grund fand ich es sehr spannend, mehr über das wahre Highclere Castle und seine Bewohner zu erfahren und so kam ich schließlich zu dem Buch, das die aktuelle Lady von Carnarvon schrieb. Das Cover mutet schon sehr nostalgisch an: Der Sepia-Ton und das Profil von Lady Almina sowie die Abbildung des Schlosses machen bereits deutlich, dass es sich um etwas Ähnliches wie eine historische Abhandlung handelt.
In ihrem Vorwort betont die Lady, dass Lady Almina und das wahre Downton Abbey weder eine Biografie noch ein Roman ist, was den Leser schließlich mit der Frage zurücklässt, was es dann ist. Ich persönlich bin zu dem Schluss gekommen, dass das Buch durchaus an einigen Stellen biografisch ist und dass es sich außerdem wohl am ehesten um ein historisches Essay handelt. Demzufolge hat es sich meiner Meinung auch nicht besonders spannend gelesen. Zwar ist die Familiengeschichte der Carnarvons an sich nicht uninteressant und es lassen sich auch einige Parallelen zur TV-Serie finden, doch insgesamt hat mich vor allem die Fülle an Personen schier erschlagen. Die Erwähnung dutzender Lords und Ladys, Angestellter, Politiker und Bekannter der Familie war schlichtweg verwirrend, vor allem weil deren Geschichten immer wieder aufkamen und zwischen den eigentlichen Geschehnissen erzählt wurden. So fiel es mir an einigen Stellen schwer, zu rekapitulieren, um wen es gerade geht.
Die Passagen, die sich mit dem Leben von Lady Almina und ihren Kindern beschäftigen, sind jedoch schon interessant. Die Gräfin zeichnet ein Bild von ihrer Vorfahrin, das es dem Leser erlaubt, sich eine selbstbewusste und starke Frau vorzustellen, die sich zwar nicht ausdrücklich für die Emanzipation ihres Geschlechts engagierte, aber auch politisch interessiert und dafür bekannt war, eine großartige Rednerin und Organisatorin von Bällen gewesen zu sein. Auch ihr soziales Engagement, vor allem während des Ersten Weltkrieges ist beeindruckend. Beim Lesen spürt man, dass die Gräfin von Carnarvon sich sehr ausführlich mit ihrer Familiengeschichte beschäftigt und entsprechende historische Dokumente akribisch recherchiert hat. Fotografien, Briefe und weitere Aufzeichnungen untermauern ihre Ausführungen - was mich einmal mehr in der Annahme bestärkt, dass es sich bei dem Buch um eine Art Essay, eine Art Dokumentation und letztlich auch ein bisschen um die Biografie Lady Alminas handelt. Das wiederum macht Lady Almina und das wahre Downton Abbey natürlich in erster Linie zu einer sehr authentischen Erzählung.

Insgesamt kann ich sagen, dass mich einige Aspekte schon interessiert haben, dass die Realität aber - wie zu erwarten - weniger spektakulär ist als die TV-Serie. Wer sich intensiv über die Geschichte von Highclere Castle, des wahren Downton Abbey, informieren möchte, dem kann ich Lady Almina und das wahre Downton Abbey durchaus empfehlen. Man muss sich allerdings darüber bewusst sein, dass die Fülle an historischen Fakten teilweise beinahe erschlagend und die Erzählweise eine sehr nüchterne und trockene ist. Informativ ist das Buch jedoch auf jeden Fall.



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