Sonntag, 22. Februar 2015

REZENSION: "Ein Bild von dir" (Jojo Moyes)

Copyright Rowohlt Verlag
Titel: Ein Bild von dir

Autor: Jojo Moyes

Genre: Roman / Liebesroman / Historisch

Verlag: Rowohlt Verlag

Erscheinungsjahr: 2015

Format: Taschenbuch (14,99 €)

Seiten: 542

ISBN: 978-3499269721

Challenge-Gewinner: /



Inhalt:

Nordfrankreich, 1916: Die junge Sophie führt zusammen mit ihrer Schwester und ihrem kleinen Bruder ein hartes Leben unter deutscher Besatzung, ohne zu wissen, ob ihr geliebter Ehemann Édouard jemals lebend aus dem Krieg zurückkehren wird. Alles, was ihr von ihm geblieben ist, ist ein Gemälde, das er einst von ihr anfertigte und das nun das ehemalige Hotel schmückt, in dem sie zu überleben versucht. Als das Hotel von deutschen Soldaten eingenommen wird, ist Sophie gezwungen, sie zu bewirten und für sie zu arbeiten und setzt sich damit der Missgunst der anderen Dorfbewohner aus. Doch mit der Zeit wird sie zunehmend verzweifelter und ist bald bereit, alles zu tun, um ihren Mann zurückzubekommen. Damit bringt sie nicht nur ihn und sich selbst, sondern auch ihre Schwester und deren Kinder in Gefahr...

London, 2006: Nach dem Tod ihres Mannes David vor vier Jahren führt Liv ein zurückgezogenes Leben, das ihr allmählich über den Kopf wächst. Langsam kann sie keine Rechnungen mehr bezahlen und auch für das große Haus, in dem sie seitdem allein wohnt, fehlt ihr mittlerweile das Geld. Besitztümer bedeuten Liv nicht viel, mit Ausnahme eines Gemäldes, das David ihr während ihrer zweiten Hochzeitsreise geschenkt hat. Wie Liv bald herausfindet, stammt das Bild von dem Künstler Édouard und zeigt seine Frau Sophie - für sie ist es das Sinnbild einer unendlichen Liebe, wie auch Liv sie für David empfunden hat. Als sie in einer chaotischen Nacht den attraktiven Amerikaner Paul kennen lernt, glaubt sie, endlich wieder glücklich werden zu können. Doch schon bald wendet sich das Blatt: Livs innig geliebtes Gemälde wird zum Gegenstand einer Rückforderung von Raubkunst durch die Familie des Künstlers - und diese wird von Paul und seiner Agentur vertreten. Gelingt es Liv, ihr Gemälde zu behalten und das geheimnisvolle Leben der Dargestellten, Sophie, zu enträtseln? Und ist eine Beziehung zu Paul überhaupt möglich?


Rezension:

Jojo Moyes' vierter Roman Ein Bild von dir ist eine Geschichte voller großer Gefühle, verwirrender Rätsel und herzergreifender Momente. Das lässt bereits das Cover vermuten, das an die romantische, französische Landschaft erinnert und an eine Frau, die sehnsüchtig auf die Heimkehr ihres Geliebten wartet. An diesem Cover kann man tatsächlich nur schwer vorbeigehen - typisch für einen Jojo Moyes Roman.
Die Geschichte zweier starker Frauen erzählt Moyes in zwei Teilen, wobei sie chronologisch vorgeht. Der erste Teil behandelt das Leben der Französin Sophie, die sich als selbstbewusste und mutige junge Frau entpuppt. Ihr Verhalten hat mir vom ersten Augenblick an imponiert: Sie ist eine Frau, die sich unter deutscher Besatzung und in einer Stadt, in der die einzigen Männer alt und schwach sind, behaupten muss und mit Leidenschaft für das Überleben ihrer Familie kämpft. Doch dabei ist Sophie ebenso verletzlich und muss sich jeden Tag aufs Neue dazu aufraffen, ohne ihren Mann Édouard, den sie schrecklich vermisst, zu leben - ohne die Aussicht, dass er überhaupt jemals zurückkehrt. Diese tiefe Liebe geht ans Herz und besonders, als sich zeigt, wie weit Sophie bereit ist zu gehen, ist man als Leser tief berührt und wird an den eigenen, sehnlichen Wunsch nach der großen Liebe erinnert. Die Ungerechtigkeiten, die Sophie erfahren muss und ihr verzweifelter Versuch, das Überleben ihres Édouard zu sichern, machen sie beinahe zu einer Ikone, ohne sie jedoch dabei zu einer Heiligen zu stilisieren. Diese Gratwanderung ist Moyes meiner Meinung nach hervorragend gelungen: Sie schafft eine Heldin, deren große Schwäche ihre unbändige Liebe ist und macht sie so umso glaubwürdiger und authentischer. Dabei wirkt Sophies Geschichte an keiner Stelle zu klischeehaft oder kitschig - sie wirkt, vor allem in Anbetracht des historischen Hintergrunds, wie aus dem Leben gegriffen und gleichzeitig außergewöhnlich und besonders.
Gelungen finde ich auch die Verbindung, die Moyes durch das Gemälde zwischen Sophie und Liv, die fast 100 Jahre später lebt, schafft. Zunächst war mir Liv zwar nicht ganz so sympathisch wie Sophie, doch spätestens, als es darum geht, das Bild zu retten, entpuppt auch Liv sich als willensstarke Kämpferin. Erscheint sie stellenweise ein wenig zu sentimental, so ist es dennoch nachvollziehbar, dass sie das einzige Erinnerungsstück, das sie von ihrem Mann besitzt, um alles in der Welt schützen will. Der dadurch entstehende Konflikt mit ihrer neuen Liebe Paul ist zwar ein wenig vorhersehbar, aber auch der Grund dafür, dass der Roman so dynamisch und mitreißend bleibt, wie er es bereits im ersten Teil war.
Indem Moyes Sophies und Livs Leben allmählich miteinander vermischt, entsteht der Drang, immer weiter lesen zu wollen. Natürlich will man erfahren, was mit Sophie geschehen ist und ob sie ihren Édouard jemals wieder gesehen hat. Gleichzeitig ist Livs Geschichte nicht weniger interessant und fesselnd, denn man spürt, dass Liv nicht nur einen geliebten Gegenstand wahren, sondern auch Licht ins Dunkel bringen möchte was Sophies Leben angeht. Das Gemälde verbindet die junge Engländerin mit der Französin, über die, wie sich später herausstellt, ihre Familie nach dem Krieg nie wieder ein Wort gesprochen hat. So konstruiert Moyes nicht nur einen spannenden Kampf, in dem es für Liv um alles geht, sondern auch eine mitreißende Schnitzeljagd durch die Geschichte. So entwickelt sich ihre Protagonistin weiter und wird von der trauernden Gattin zur selbstbewussten Kämpferin, die nicht nur alles versucht, um ihren Besitz zu retten, sondern auch, um zu beweisen, dass ihr großes Idol, die schöne Sophie, eine ehrbare Frau war und dass ihre Geschichte es wert ist, erzählt zu werden.

Jojo Moyes Geschichte ist von der ersten bis zur letzten Seite anrührend, einfühlsam und hoch dramatisch. Ohne jeglichen Kitsch oder überzogene Romantik, schildert sie das Leben zweier starker Frauen und tut dies auf so mitreißende Art und Weise, dass man den Roman zu keiner Zeit weglegen möchte. Meiner Meinung nach hat Moyes, deren Bücher ich alle sehr gern gelesen habe, mit Ein Bild von dir ihren bisher besten Roman geschrieben. Vom Schreibstil über die Charaktere bis zum Plot gibt es einfach nichts, was mich beim Lesen gestört hat. Daher möchte ich das Buch jedem empfehlen, der Moyes' Romane liebt oder sich gerne von der Verbindung zwischen großer Romantik und historischen Ereignissen mitreißen lässt - es ist einfach unmöglich, nicht mit Sophie und Liv mitzufiebern, die beide so authentisch, stark und liebenswert wirken, dass man sie gerne als Freundinnen hätte. Aus diesem Grund gibt es für diesen Roman die bestmögliche Bewertung ;)




Wer nicht genug von Sophie und Liv bekommen kann, für den lohnt es sich, die Vorgeschichte der beiden zu lesen, die als separates Buch unter dem Titel Die Tage in Paris erschienen ist. Ob man sie vor Ein Bild von dir oder danach liest, spielt eigentlich keine Rolle, da man einfach mehr über das Leben der Frauen und die Beziehungen zu ihren Männern erfährt.

Hier geht's zur Rezension von Die Tage in Paris!

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen