Freitag, 20. Februar 2015

REZENSION: "Das Rosie-Projekt" (Graeme Simsion)

Copyright FISCHER Krüger Verlag

Titel: Das Rosie-Projekt

Autor: Graeme Simsion

Genre: Roman / Liebesroman / Humor

Verlag: FISCHER Krüger

Format: Taschenbuch (9,99 €)

Seiten: 352

ISBN: 978-3596197002

Challenge-Gewinner: Ja (Februar 2015)



Inhalt:

Der Genetikprofessor Don Tillman ist nicht gerade das, was man als "sozial kompetent" bezeichnen würde: trotz (oder gerade aufgrund) seiner überdurchschnittlichen Intelligenz fehlt ihm bei zwischenmenschlichen Beziehungen der Durchblick, weshalb er den Menschen in seinem Umfeld ständig auf den Schlips tritt. Kein Wunder, dass er mit 40 Jahren noch immer unverheiratetet ist. Um das zu ändern, stellt der verschrobene Australier eine ausführliche, seitenlange Liste auf, wie er sich seine ideale Partnerin vorstellt: Nichtraucherin, pünktlich, keinen Alkohol konsumierend, unkompliziert. Was auf dem Papier für ihn so einfach aussieht, entpuppt sich bei seiner Suche als äußerst problematisch. Fehlschlag reiht sich an Fehlschlag.
Schließlich lernt er die Barkeeperin Rosie kennen, die er bei der Suche nach ihrem leiblichen Vater unterstützt. Rosie ist das genaue Gegenteil von seiner Wunschpartnerin und stellt dementsprechend sein Leben gehörig auf den Kopf. Sie durchkreuzt seinen akkurat getimten Tagesplan und die monotonen Ess- und Trinkgewohnheiten, fordert ihn heraus und bringt ihn immer wieder in skurrile und unangenehme Situationen. Sie ist eindeutig ein Störfaktor seines geregelten Alltags und als solcher müsste sie aus seinem Leben gestrichen werden. Das wäre natürlich ganz leicht - wenn er sich nicht in sie verliebt hätte...

Rezension:

Zugegeben: wirklich innovativ klingt der Plot auf den ersten Blick vielleicht nicht, aber davon sollte man sich nicht beirren lasse. Die einzelnen Szenen, der Schreibstil und die Darstellung des Protagonisten machen das nämlich definitiv wett. Denn eins steht fest: 08/15 ist Don ganz sicher nicht. Sein Tag ist auf die Minute genau durchgeplant und Abweichungen von der Ordnung werden nicht toleriert. Als Pragmat und Wissenschaftler analysiert er alles und jeden und füttert (oft ungebeten) die Leute mit seinem Wissen. Auf der emotionalen Ebene steht er daher ziemlich auf dem Schlauch.
Ich weiß nicht, ob ich mit einem Don Tillman im wahren Leben zurechtkäme, aber der im Buch ist mir richtig ans Herz gewachsen, da man als Leser alles aus seiner Sicht betrachtet. Da er sich seiner Verschrobenheit bewusst ist, kann er mit Humor mit seinem 'Handikap' umgehen und meistert die Situationen, wie ich finde, mit einem gewissen Charme. Es hat wirklich Spaß gemacht, zu verfolgen, wie er über sich hinauswächst, während er von einer Kuriosität in die nächste schlittert.
Mich hat er immer ein wenig an Sheldon Cooper erinnert bzw. durch seine im Buch oftmals erwähnte Ähnlichkeit zu Gregory Peck an eine deutlich attraktivere, sportlichere Version von ihm (und jeder, der Ein Herz und eine Krone schon mal gesehen hat, stimmt mir da sicherlich zu).
Mein Hauptkritikpunkt – wenn man es denn so nennen möchte – besteht vor allem darin, dass Don quasi allen anderen Figuren die Show stiehlt. Zwar sind sie allesamt auf ihre Art und Weise liebenswert, aber sie wirken neben ihm etwas blass.
Trotzdem kann ich das Buch allen empfehlen, die spritzige, lockere Geschichten mögen bzw. die etwas leichte Lektüre zwischendurch brauchen. Es ist wirklich angenehm zu lesen, sodass man gar nicht merkt, wie schnell man auf der letzten Seite angekommen ist – und das zeichnet einen guten Roman schließlich aus.


Die Reihe:

1. Band: Das Rosie-Projekt
2. Band: Der Rosie-Effekt

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